MEVCO: Der Spezialist für elektrische Bergbau-Pickups ist insolvent
Die MEVCO-Gründer hatten große Pläne – das australische Unternehmen hatte es sich zur Aufgabe gemacht, in der Bergbauindustrie leichte Nutzfahrzeuge durch Elektro-Pickups sowie E-Geländewagen zu ersetzen. Anschließend wollte es auch deren Wartung übernehmen, in den Minen die für die Elektrifizierung der Flotten nötige Infrastruktur zu schaffen und das Monitoring ermöglichen.
Anfangs wollte MEVCO insgesamt 8.500 umgerüstete Toyota Hilux und Land Cruiser an verschiedene Minenbetreiber liefern. Im April 2024, circa zwei Jahre nach seiner Gründung, konnte der Systemintegrator aber bereits eine offizielle Kooperation mit Rivian verkünden. Fortan sollten fabrikneue Rivian R1T, und damit ein von Grund auf als E-Fahrzeug konzipiertes Modell, als Ausgangsbasis für die MEVCO-Umbauten dienen.
Sie sollten nicht nur an australische, sondern auch an nordamerikanische Bergbaustätten geliefert werden. Die äußerlichen Änderungen umfassten unter anderem einen vorderen Rammschutz, einen zusätzlichen Bügel auf der Ladefläche, der die Steifigkeit erhöhen soll und eine Fahne, die verhindern soll, dass die Fahrer der größeren Minentrucks die Fahrzeuge übersehen.
Das Schicksal der restlichen Fahrzeuge ist unklar
Anderthalb Jahre nach Bekanntgabe der Partnerschaft mit dem amerikanischen OEM ist das Unternehmen aber schon wieder Geschichte. Am 10. September wurde das unter anderem auf Insolvenzverwaltungen spezialisierte Unternehmen BRI Ferrier mit der Liquidation von MEVCO beauftragt. Laut Dokumenten, die bei der zuständigen australischen Behörde eingereicht wurden, bestand die Insolvenzmasse aus drei Toyota Hilux und dreizehn Rivian R1T.
Laut dem australischen Auto-Portal „Drive“ kamen dazu noch vier weitere Rivian-Fahrzeuge, die nicht weiter spezifiziert wurden. Darunter befindet sich laut dem Medium aber auch ein Van. Was mit dem Fuhrpark passiert, sei derweil noch unklar. Da es sich bei den Fahrzeugen um Linkslenker handelt, können sie in Australien nicht regulär veräußert werden.
Fortescue war scheinbar nicht zufrieden
Das Startup aus Perth schuldet etwa 14 Personen, bei denen es sich teilweise um Mitarbeiter handelt, knapp eine halbe Million australische Dollar, während 50 weiteren Gläubigern noch über 13 Millionen AUD zustehen. Darüber hinaus bestehen gegenüber vier besicherten Gläubigern Verbindlichkeiten in Höhe von 2,9 Millionen Dollar. MEVCO selbst hat gegenüber Schuldnern wiederum Forderungen in Höhe von mehr als 7,1 Millionen Dollar. Ein Großteil dieser Summe bezieht sich aber auf eine einzige Gesellschaft.
Zur wirtschaftlichen Schieflage des Systemintegrators dürfte auch ein geplatzter Deal mit Fortescue, einem weltweit größten Lieferanten von Eisenerz, beigetragen haben. MEVCO wollte den Branchen-Giganten ursprünglich mit umgerüsteten E-Pickups versorgen. Drei Rivian R1T wurden dieses Jahr sechs Monate lang zur Probe in den Tagebau-Minen in Pilbara eingesetzt. Nach Ablauf des Praxistests entschied sich das australische Bergbauunternehmen jedoch gegen die reguläre Inbetriebnahme der E-Fahrzeuge.





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