Innenoptik: VWs ID. Polo wird zum Design-Vorreiter der ID.-Familie
Nach der Premiere des noch im Harlekin-Design getarnten ID. Polo kurz vor der IAA im September enthüllt Volkswagen nun die Optik im Inneren des neuen elektrischen 25.000-Euro-Kleinwagens. Das ist insofern spannend, als dass der ID. Polo erster Vertreter eines neuen Interieur-Looks wird, den alle ID.-Modelle übernehmen werden. Die Wolfsburger sprechen deshalb auch von einer neuen Cockpit-Generation, die „systemisch optimiert und am Kundenfeedback orientiert“ sei. Auf Kunden wartet laut Volkswagen „intuitive Bedienbarkeit inklusive Tasten, hohe Qualität und Materialien mit Rezyklatanteilen“. Wer zu den Nostalgikern gehört, kann im Cockpit zudem auf Retro-Anzeigen umsteigen: Die digitalen Instrumente im ID. Polo „bieten auf Knopfdruck Bildschirmansichten, die an Anzeigen aus dem erstem Golf erinnern“, teilt Volkswagen mit.
Wirklich relevant ist aber eher, dass die neue VW-Software Funktionen wie das One-Pedal-Driving, moderne Parkassistenten und optional eine neue Generation des „Travel Assist“ an Bord des ID. Polo holt. Dazu gleich mehr. Zuvor aber noch die Fakten zum Fahrzeug generell: Seit Dezember wissen wir, dass der ID. Polo 4,05 x 1,82 x 1,53 Meter misst (bei einem Radstand von 2,60 Meter) und in insgesamt vier Antriebsvarianten kommen wird. Die kleinere Batterie wird mit 85 oder 99 kW Antriebsleistung auf den Markt kommen, die größere Batterie wird mit 155 und 166 kW angeboten – die Leistungsstufe mit 166 kW wird im Falle von VW aber als ID. Polo GTI vermarktet. Bei dem Motor handelt es sich in allen Fällen um die eigens für die Frontantriebs-Modelle entwickelte APP290, die gemäß der VW-Namensgebung 290 Nm Drehmoment bietet. Ebenfalls komplett neu ist der Inverter, bei VW „Pulswechselrichter“ genannt. Dieses Bauteil wurde ebenfalls intern entwickelt und wird auch intern gebaut, was zu den Kostenvorteilen und dem Einstiegspreis von rund 25.000 Euro beitragen soll.
Batterien mit NMC- oder LFP-Chemie
Neben den Antrieben stehen nun auch die Daten zu den beiden Batterie-Versionen fest. Seit der Vorstellung des Showcars ID.2all im Jahr 2023 war klar, dass es zwei unterschiedliche Batterien geben wird – eine LFP-Batterie für einen günstigen Einstiegspreis und eine NMC-Variante für bis zu 450 Kilometer Reichweite. Die beiden Antriebsversionen mit 85 und 99 kW werden serienmäßig mit dem LFP-Akku angeboten, der 37 kWh nutzbaren Netto-Energiegehalt bietet – den Bruttowert kommuniziert VW nicht. Das soll gemäß der vorläufigen Angaben WLTP-Reichweiten von bis zu 300 Kilometern ermöglichen. Die genauen Werte dürfte es erst zum Vorverkaufsstart geben, der für April 2026 geplant ist.
Die maximale Ladeleistung des LFP-Akkus beträgt laut VW 90 kW, der Ladevorgang von zehn auf 80 Prozent soll rund 27 Minuten dauern. Bei 37 kWh Netto-Energiegehalt müssen also 25,9 kWh in 27 Minuten in den Akku fließen – was einer durchschnittlichen Ladeleistung von 58 kW entspricht. Das AC-Laden ist mit 11 kW möglich und wird also unter vier Stunden dauern.
Der NMC-Akku für 450 Kilometer (vorläufiger) Reichweite kommt auf einen Netto-Energiegehalt von 52 kWh. Bei der Studie ID.2all wurde noch kein Energiegehalt genannt, nur die angepeilte Reichweite. Wir hatten damals auf 55 bis 60 kWh geschätzt, tatsächlich ist der Akku etwas kleiner. Während die vorläufige Reichweite zwar bis zum Serienmodell gleich gelblieben ist, hat VW die Ankündigung bei der Ladezeit nicht ganz erreicht: 2023 war von 20 Minuten die Rede, tatsächlich sind es 23 Minuten und 130 kW Peak-Ladeleistung.
| ID. Polo kleiner Akku | ID. Polo großer Akku | |
|---|---|---|
| Antrieb | FWD | FWD |
| Leistung | 85/99 kW | 155/166 kW |
| Drehmoment | 290 Nm | 290 Nm |
| Beschleunigung | – | – |
| Höchstgeschwindigkeit | – | – |
| WLTP–Reichweite | ca. 300 km | ca. 450 km |
| Batteriekapazität | 37 kWh | 52 kWh |
| Ladeleistung DC | 90 kW | 130 kW |
| Ladezeit DC 10-80% | 27 min | 23 |
| Preis | – | – |
Um den größeren Akku im ID. Polo von zehn auf 80 Prozent zu laden, sind 36,4 kWh nötig. Wenn diese Energiemenge in 23 Minuten übertragen werden soll, sind dazu im Schnitt 95 kW nötig. Bei 130 kW im Peak dürfte diese Leistung aber nur kurzzeitig gehalten werden, wenn sich am Ende ein Schnitt von 95 kW ergibt – oder die Leistung bricht nach einem längeren Plateau stark ein. Die genaue Ladekurve hat VW noch nicht veröffentlicht.
Bei beiden Akku-Varianten wird übrigens die Einheitszelle von PowerCo verwendet. Dabei handelt es sich um eine prismatische Zelle in der immer gleichen Größe, die aber mit unterschiedlichen Zellchemien gefüllt werden kann – angepasst auf das jeweilige Fahrzeug. Die Einheitszellen werden nach dem Cell-to-Pack-Prinzip im Unterboden verbaut, die bisherige Modul-Ebene von den anderen MEB-Fahrzeugen entfällt also. Die Basis für den ID. Polo und seine Schwestermodelle ist die neu entwickelte Frontantriebs-Variante des MEB+. „Durch den neu konstruierten und effizienten E-Antrieb wurde die Komplexität und damit die Anzahl der Bauteile und das Gewicht reduziert – Parameter, über die Volkswagen die Kosten und den Verbrauch senken konnte. Darüber hinaus bietet der elektrische Frontantrieb an Bord des ID. Polo klare Raumvorteile“, so VW. Dank des Frontantriebskonzepts soll der ID. Polo Platz für fünf Personen samt 435 Litern Gepäck bieten.
Mehr Tasten für Direktfunktionen
Zum Interieur war bisher bekannt, dass es ein Zusammenspiel aus digitalen und physischen Bedienelementen geben soll. Außerdem kündigte Volkswagen bereits ein Digital Cockpit mit einem 10,25 Zoll großen Bildschirm gepaart mit einem mittig angebrachten 13 Zoll großen Touchscreen für das Infotainment an. Hier geht der Hersteller nun weiter ins Detail. Kunden können sich auf „Displays mit klaren Informationen und aufgeräumten Menüstrukturen“ freuen. Zudem kündigt Volkswagen mehr Tasten für Direktfunktionen, ein Lenkrad mit klarer Tastensteuerung und die Übernahme gewohnter VW-Bedienmuster an.
Außerdem sind mit der neuen Designsprache „Pure Positive“ unter anderem stoffbespannte Oberflächen auf Armaturenbrett und Türinserts sowie eine einheitliche Haptik aller Flächen, Tasten, Regler und Griffe verbunden. Ziel dabei: eine einladende und freundliche Atmosphäre. In den Worten von Volkswagens Chefdesigner Andreas Mindt klingt das so: „Der neue ID. Polo ist ein bezahlbarer Freund für den Alltag. So, wie es der Polo immer war, doch nun elektrisch. Wir haben daher einen Innenraum kreiert, der sich schon beim ersten Kontakt wie ein Freund anfühlt. Klare physische Tasten sorgen für Stabilität und Vertrauen, warm wirkende Materialien machen ihn sympathisch, und liebenswerte Details wie die neuen Retro-Ansichten der Instrumente zeigen das typische Volkswagen Augenzwinkern.“






Retro-Ansicht auf Tastendruck
Die Retro-Ansicht erscheint auf einen Tastendruck am Lenkrad oder über das Infotainmentsystem. Die digitalen Cockpit-Anzeigen verwandeln sich dann in klassische Ansichten des Golf I aus den 80er Jahren. Grundsätzlich favorisiert Volkswagen eine horizontaler Ausrichtung der Cockpit-Architektur: Die zwei genannten Displays prägen dabei den neuen Aufbau. Sie sind auf einer Sichtachse angeordnet und bieten „präzise grafische Darstellungen“.
Separat in eine Leiste unterhalb des Infotainmentscreens haben die Volkswagen-Entwickler Tasten für die zentralen Klimafunktionen und den Warnblinkschalter integriert. Ebenfalls komplett neu ist das Multifunktionslenkrad mit seinen klar gegliederten Tastenfeldern. Und: Zwischen der Smartphone-Ablage und den Cupholdern ist ein für Fahrer und Beifahrer gleichermaßen gut erreichbarer Drehregler für die Audio-Bedienung angeordnet, über den die Lautstärke eingestellt wird, aber auch Songs und Sender per Track-Funktion gewechselt werden können. Als deutlich weiterentwickelt bezeichnet Volkswagen ferner das „ID.Light“: Die Lichtleiste erstreckt sich im unteren Bereich der Windschutzscheibe erstmals nicht nur über die Breite der Instrumententafel, sondern nun bis in die Vordertüren.
ID. Polo beherrscht One-Pedal-Driving
Dank neuer Software-Version steht dem ID. Polo zudem die dritte Generation des „Travel Assist“ zur Verfügung, die künftig auch rote Ampeln und Stoppschilder erkennt. Außerdem hält das One-Pedal-Driving Einzug in die ID.-Modellwelt. Kai Grünitz, Volkswagen Markenvorstand für den Geschäftsbereich Technische Entwicklung, ist überzeugt: „Unsere neue Innenraumarchitektur, beginnend mit dem neuen ID. Polo, hebt das Kundenerlebnis auf ein ganz neues Niveau: mit klaren Linien, hochwertigen Materialien sowie einer intuitiven Bedienwelt mit physischen Tasten und neu strukturierten Bildschirmen. Darüber hinaus sorgen wir ab dem ID. Polo mit der nächsten Software-Generation für spürbar mehr Komfort und Funktionen für unsere Kunden.“
Thomas Schäfer, CEO der Marke Volkswagen, kommentiert: „Der ID. Polo ist der Beginn einer neuen Generation Volkswagen: mit frischem Design, intuitiver Bedienung, Top-Qualität und erstklassigen Fahreigenschaften – und endlich wieder richtigem Namen. Mit einem Einstiegspreis ab 25.000 Euro machen wir Elektromobilität für viele Menschen in Europa erreichbar. Und das ist erst der Anfang: 2026 bringen wir sechs neue E-Modelle auf den Markt – alle zu 100 Prozent Volkswagen!“
Kunden müssen wohl zunächst zu teureren Versionen greifen
Ob direkt zum Start des Vorverkaufs im April 2026 alle vier Antriebe des ID. Polo verfügbar sein werden, war bisher unklar. Das Handelsblatt hat jetzt aber aus Händlerkreisen erfahren, dass der VW ID.Polo zwar ab April konfigurierbar sein soll. Kunden dann aber offenbar erst einmal nur die höher motorisierten und teureren Versionen kaufen können. Konkret genannt wird der ID.Polo mit 155 kW Leistung und größerem Akku. Diese Variante kostet deutlich mehr als 25.000 Euro, wobei dem Handel bisher keine konkreten Preise vorliegen.
Branchenintern wird laut Handelsblatt davon ausgegangen, dass die zunächst verfügbaren Versionen deutlich oberhalb von 25.000 Euro liegen dürften. Spekulationen bewegen sich eher in Richtung 30.000 Euro aufwärts. Die preisentscheidende Einstiegsversion, auf der das beworbene 25.000-Euro-Versprechen basiert, soll erst später folgen. Volkswagen selbst bestätigte auf Nachfrage des Handelsblatt auch, dass der ID.Polo zum Einstiegspreis erst später bestellbar sein werde. Hintergrund sei die spätere Verfügbarkeit der günstigeren Batterie. Bei der Auslieferung würde es sich jedoch lediglich um „wenige Wochen“ Unterschied handeln, teilte der Hersteller mit. Die ersten Modelle des ID.Polos sollen ab Spätsommer ausgeliefert werden.
Quelle: Infos per E-Mail (Interieur), handelsblatt.com (Launch)





0 Kommentare