Erfolgreiche Tests von Oberleitungs-Lkw durch RWTH Aachen
Gestartet war das Projekt im Januar 2022 und konnte auf eine Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz von rund 5,9 Millionen Euro bauen. Durchgeführt wurde BEE dabei vom Institut für Kraftfahrzeuge (ika) und dem Lehrstuhl Production Engineering of E-Mobility Components (PEM) der RWTH Aachen. Und zwar mit dem Ziel, Ladestrategien für batterieelektrische Lastwagen auf der Langstrecke zu erforschen – wobei dabei der Ansatz der Oberleitungs-Lkw in den Fokus geriet.
Zum Verständnis wichtig: Zu Beginn des Projekts hatten marktübliche E-Lkw meist Reichweiten von höchstens 300 Kilometern – zu wenig für die Langstrecke. Und auch Schnellladesäulen waren noch nicht so verbreitet wie heute. Daher suchte die Branche damals nach alternativen Ansätzen, die Reichweiten zu verlängern, damit E-Lkw auch im Fernverkehr eingesetzt werden können – und das „dynamische Laden“ während der Fahrt war eine Idee. Das kann entweder induktiv aus dem Straßenbelag heraus per Magnetspule funktionieren oder per Oberleitung.
„Dynamisches Laden während der Fahrt ist ein wichtiger Baustein im Technologie-Mix, um den Güterverkehr ökologisch und ökonomisch nachhaltig zu dekarbonisieren“, sagt ika-Leiter Prof. Lutz Eckstein. Und so beschäftigte sich das BEE-Projekt schließlich mit dem Laden von E-Lkw während der Fahrt über eine Oberleitung. Die Forscher entwickelten ein Nachrüstkonzept, um Batterie-elektrische Serien-Lkw mit Stromabnehmern auszustatten, auch Pantographen genannt. Anschließend wurden zwei reguläre E-Lkw des Modells DAF XD Electric in Zusammenarbeit mit dem Fahrzeughersteller DAF Trucks um ein neu entwickeltes Pantographensystem erweitert.
„Die Stromversorgung der Batterie mittels Oberleitung kann dabei helfen, das stationäre Laden und die damit verbundenen Lieferzeiten zu reduzieren“, sagt PEM-Leiter Prof. Achim Kampker. Somit kann die betriebliche Flexibilität erhöht werden und auch die Batteriegröße von E-Lkw könnte reduziert werden. Knackpunkt allerdings: Die benötigten Oberleitungen gibt es nirgendwo regulär auf deutschen Straßen – und somit kann in der Praxis auch noch nicht von einem größeren Einsatz die Rede sein.
Immerhin konnte das BEE-Projekt aber demonstrieren, dass die Technik funktioniert: Nach dem Erhalt der offiziellen Straßenzulassung absolvierten die beiden Lkw umfassende Testfahrten im Rahmen der Feldversuche ELISA (in Hessen), FESH (in Schleswig-Holstein) und eWayBW (in Baden-Württemberg), um die Einsatztauglichkeit des Systems im öffentlichen Straßenverkehr nachzuweisen. Zusammengenommen legten die beiden Oberleitungs-Lkw dabei mehr als 10.000 Testkilometer zurück. Weitere Praxiserprobungen sind aber nicht mehr möglich: Die Oberleitungen an allen drei Teststrecken wurden mittlerweile abgebaut. Und vermutlich ist das Thema Oberleitungs-Lkw in Deutschland damit auch schon Geschichte – schließlich gibt es mittlerweile elektrische Langstrecken-Lkw wie den eActros 600 von Mercedes-Benz oder den eTGX von MAN, die Strecken von rund 500 Kilometern ohne Nachladen schaffen.





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