28.06.2021 - 14:36

Dritter eHighway Deutschlands nun bei Rastatt in Betrieb

Das eHighway-Pilotprojekt eWayBW mit Oberleitungs-Lkw bei Rastatt wird konkret: Die Pilotstrecke wurde nun offiziell in Betrieb genommen. Auf zwei Abschnitten der Bundesstraße im Murgtal bei Rastatt können Lkw mit entsprechender Technik über Oberleitungen Fahrstrom beziehen.

Es handelt sich um das dritte eHighway-Projekt in Deutschland. Neben eWayBW laufen die Projekte ELISA und FESH auf Autobahnen in Hessen und Schleswig-Holstein, wo bereits Oberleitungs-Lkw im realen Transportbetrieb im Einsatz sind. Das Projekt in Baden-Württemberg hebt sich insofern ab, als dass dort die Oberleitungs-Lkw auf einer Bundesstraße erprobt werden. Konkret auf der B 462 zwischen Kuppenheim und Gaggenau. Die Testphase wird dort nun bis Juni 2024 gehen. Vorhabenträger ist das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg. Den Löwenanteil der Kosten von circa 28 Millionen Euro übernimmt das Bundesumweltministerium mit Zuschüssen in Höhe von 26,4 Millionen Euro.

Errichtet wurde die Oberleitungs-Anlage von Siemens Mobility und SPL Powerlines Germany. Besonders herausfordernd waren laut Siemens die engen Kurvenradien und Brücken. Insgesamt fünf Lkw von Scania werden auf der je Fahrtrichtung rund 3,4 Kilometer langen Strecke nun zu regelmäßigen Testfahrten im Einsatz sein. Ursprünglich war noch ein dritter Abschnitt geplant, der jedoch wegen der engen Kurvenradien der Bundesstraße im Bereich der Ortschaft Ottenau „aus technischen Gründen“ nicht realisiert wurde.

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Auf die B 462 im Murgtal fiel übrigens die Wahl, weil auf der Strecke drei Hersteller jährlich 510.000 Tonnen Papier transportieren. „Damit ergibt sich pro Kalendertag die hohe Anzahl von durchschnittlich 64 Umläufen. In Summe legen die OH-Lkw damit pro Jahr rund 250.000 Kilometer im Bereich der Oberleitungen zurück. Diese Randbedingungen lassen belastbare Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt erwarten“, heißt es in einer begleitenden Mitteilung. An dem Projekt sind insgesamt acht Partner beteiligt: Das Regierungspräsidium Karlsruhe, der Landkreis Rastatt, die Südwestdeutsche Landesverkehrs-AG (SWEG), die Netze BW sowie das Konsortium Forschung eWayBW, das aus dem Fraunhofer-Institut ISI, der PTV Transport Consult GmbH, dem FZI Forschungszentrum Informatik und dem Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie besteht.

Die Inbetriebnahme aller drei eHighways in Deutschland war unterdessen mit Verzögerungen verbunden. In Baden-Württemberg lag das unter anderem daran, dass das Regierungspräsidium Karlsruhe beim Verfahren zur Vergabe des Bauprojekts zunächst keine Angebote von interessierten Unternehmen vorlagen. Auf der A5 in Südhessen – dem ersten eHighway – bremsten die Corona-Krise und der Mangel an Fahrzeugen den Auftakt. Erst gut ein Jahr nach dem offiziellen Start des eHighway-Projekts sammelt dort seit Juli 2020 das vollständige Lkw-Quintett Daten zur späteren Auswertung des Pilotprojekts. Auch beim Projekt auf der A1 zwischen Reinfeld und Lübeck kam es zu Verzögerungen bei der Lkw-Auslieferung.

In allen drei Bundesländern verkehren Hybrid-Lkw des Typs R 450 von Scania mit Stromabnehmern. Denn Scania ist für alle drei Standorte exklusiver Lieferant von insgesamt 15 Exemplaren – je fünf in Hessen, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg. Jetzt sind diese Lkw also auch alle im Dienst. Und es gibt bereits in Hessen weitere Pläne: Seit Ende vergangenen Jahres ist bekannt, dass der fünf Kilometer lange eHighway auf der A5 um knapp sieben Kilometer verlängert wird.
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4 Kommentare zu “Dritter eHighway Deutschlands nun bei Rastatt in Betrieb

  1. Tassilo Pflanz

    Als Bürger finde ich diese Oberleitungen schrecklich. Ich bin entsetzt über solche Ideen. Wir haben Batterien und Brennstoffzellen für Wasserstoff, um Nutzfahrzeuge zu elektrifizieren. Bitte keine Oberleitung über Straßen aufhängen. Anstelle dessen sollten die nicht elektrifizierten Bahnen eine Oberleitung erhalten, anstelle von Diesel- und Wasserstoff-Zügen.

  2. Tom

    …der größte Nonsens 🙁

  3. Kona64

    Wahrscheinlich eine teure Sackgasse. Flächendeckend auf allen Autobahnkilometern wird man das nicht machen. Kann man nicht bezahlen, noch würde dies von den Bürgern akzeptiert. Um ohne Halt den LKW für ein paar Minuten zu laden vielleicht noch okay. Dann muss aber ein Vielfaches an Leistung übertragen werden. Letztlich braucht es die LKWs. Einfacher und damit wird es sich am Ende durchsetzen, ist ein LKW mit Akku der an der Ladesäule geladen wird. Für Transporte mit Oberleitung haben wir schon die Bahn, die zudem den Strom besser nutzt.

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28.06.2021 14:26