Neues Produktionskonzept zur Trockenbeschichtung von Kathoden

Der Thüringer Batteriematerialhersteller IBU-tec hat zusammen mit Partnern wie der TU Braunschweig ein Industrialisierungskonzept für die Trockenbeschichtung von Lithium-Ionen-Kathoden entwickelt. Ein neues Whitepaper beschreibt ein Anlagenkonzept mit einer Jahresleistung von 1 GWh.

Trockenbeschichtung kathoden prolit
Bild: Maschinenfabrik Gustav Eirich

Traktionsbatterien gelten bekanntlich als einer der größten Kostenfaktoren für die Produktion von Elektroautos. Eine wichtige Rolle bei der Zellherstellung kommt dabei den Elektroden zu, also Anoden und Kathoden. Diese werden bislang meist nasschemisch prozessiert: Aktivmaterial, Leitadditive und Binder werden dabei in Lösungsmitteln verarbeitet, auf Folien aufgetragen und anschließend energieintensiv getrocknet.

Eine spannende Alternative dazu stellt die Trockenbeschichtung von Kathoden dar, ein bislang kaum praktiziertes Verfahren, das Tesla schon länger für seine 4680er Zellen plant, aber damit nur schleppend vorankommt. Ein deutsches Forschungsprojekt namens ProLiT, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde, hat nun untersucht, wie sich ein solches Verfahren in Europa industriell skalieren lässt. Beteiligt an dem Projekt waren IBU-tec, Daikin Chemicals, TU Braunschweig, Universität Münster, Maschinenfabrik Gustav Eirich, Coperion K-Tron, Matthews International/ Saueressig Engineering, CustomCells sowie der Autohersteller BMW.

Das Reizvolle an der Trockenbeschichtung von Kathoden: Sie verzichtet vollständig auf Lösungsmittel. Das spart nicht nur Trocknungsöfen und Rückgewinnungsanlagen, sondern reduziert den Energiebedarf der Elektrodenfertigung drastisch – ein zentraler Hebel für Kosten, CO2-Bilanz und Fabrikkomplexität.

In einem Whitepaper (PDF-Download hier) stellt das ProLiT-Projekt nun ein detailliertes Industrialisierungskonzept für eine Trockenbeschichtung-Produktionslinie im Gigawattstunden-Maßstab auf. Im Zentrum des ProLiT-Ansatzes steht ein kalanderspaltbasierter Trockenprozess. Statt einer flüssigen Paste wird ein fein abgestimmtes Pulvergemisch verarbeitet.

Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Binder PTFE. Unter gezielter Scherung und Temperatur bildet PTFE feine Fibrillen, die Aktivmaterial und Leitadditive zu einem stabilen Netzwerk verbinden. Dieses Pulver-zu-Film-Prinzip ermöglicht es, im Kalander schrittweise eine homogene Elektrodenschicht zu formen und direkt auf den Stromableiter zu laminieren. Dabei wurde auch nachgewiesen, dass sowohl LFP- als auch NMC-Kathoden mittels PTFE- und kalanderspaltbasierter Trockenbeschichtung hergestellt werden können.

Das Whitepaper zeigt detailliert auf, welche Materialdurchsätze für eine Gigafactory notwendig sind, etwa: rund 1.300 bis 1.800 Tonnen Kathodenaktivmaterial pro Jahr (je nach Chemie), kontinuierliche Durchsätze im Bereich von 160 bis 220 kg pro Stunde, Kalandergeschwindigkeiten von etwa 17–21 Metern pro Minute. Bereits mit den heute verfügbaren Maschinen – insbesondere Mehrwalzenkalandern – soll diese Größenordnung technisch machbar, so die Autoren.

Allerdings liegen beim Aufbau einer solchen Produktionsstrecke große Herausforderungen in der homogenen Binderverteilung im Pulver, der präzisen Dosierung eines schlecht fließenden Materials, der Prozessstabilität über große Breiten und Laufzeiten, sowie in bislang fehlenden Inline-Qualitätsmessungen für trockene Elektroden.

ibu-volt.de

2 Kommentare

zu „Neues Produktionskonzept zur Trockenbeschichtung von Kathoden“
Sebastian Krebs
24.01.2026 um 11:07
Im Artikel hat sich ein Fehler eingeschlichen: Tesla plant nicht nur die Trockenbeschichtung von Elektroden, sondern führt sie auch schon durch. Und das weltweit mit einem höheren Output als nur 1 GWh jährlich. Zutreffend ist natürlich, dass sich das Verfahren bei der Herstellung von Kathoden als wesentlich herausfordernder dargestellt hat, als auf Basis der von Maxwell Technologies eingebrachten Patente absehbar war. Nichtsdestotrotz haben die Texaner bereits Produktionsanlagen, auf denen sie sowohl Anoden als auch Kathoden herstellen, während IBU-Tec bei der Auswahl geeigneter Produktionsmittel der Skalierung bzw. dem tatsächlichen Hochfahren der Produktion noch im Startblock stehen. Diese Differenzierung wäre zur Einordnung auf dem Technology Readiness Level (TRL) durchaus relevant gewesen.So scheint die Nachricht eher der Veröffentlichung einer Pressemitteilung zu entsprechen
Christian Hauser
06.02.2026 um 19:51
Das stimmt, aber selbst wenn Tesla ankündigt, dass es schon funktioniert muss man das immer noch mit Vorsicht geniessen, weil Tesla, bzw. Musk, immer deutlich mehr verspricht als er liefert. Bzw. deutlich später liefert als versprochen. Mal schauen, wieviele Model Y mit der neuen 4680er Zelle mit trocken beschichteter Kathode dieses Jahr ausgeliefert werden.

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