CATL liefert aus China statt aus Debrecen

Die Batteriefabrik von CATL im ungarischen Debrecen kommt langsamer voran als geplant. Während die Modulfertigung bereits läuft, bezieht Mercedes-Benz die Batterien für den neuen Elektrotransporter VLE vorerst aus China, da die Zellproduktion noch nicht gestartet ist.

Catl batteriemodul montage debrecen
Die Batteriemodul-Montage ist in Debrecen schon am Laufen. Doch bei den Zellen hakt es.
Bild: CATL

CATL hatte den Bau seiner Batteriefabrik in Debrecen bereits im August 2022 angekündigt. Das Unternehmen plant dort die Produktion von Batteriezellen und Batteriemodulen für europäische Automobilhersteller. Nach dem Werk in Arnstadt bei Erfurt ist Debrecen die zweite Zellfabrik von CATL in Europa. Wie die Automobilwoche berichtet, liegt das Projekt inzwischen jedoch hinter dem ursprünglichen Zeitplan. Das Investitionsvolumen bezifferte CATL damals auf 7,34 Milliarden Euro, verteilt auf mehrere Ausbaustufen. Mercedes-Benz galt bereits bei der Vorstellung des Projekts als erster Großkunde. Als weiterer Kunde ist Autobauer BMW gesetzt, der nur wenige Kilometer entfernt unter anderem den vollelektrischen BMW iX3 fertigt. Noch im Dezember hatte CATL den Start der Serienproduktion für März oder April 2026 in Aussicht gestellt. Tatsächlich werden bislang aber wohl noch keine Batteriezellen in Debrecen produziert.

Die Folgen zeigen sich bereits bei Mercedes-Benz. Für den neuen Elektrotransporter VLE, dessen Produktion inzwischen im spanischen Vitoria angelaufen ist, sollten die rund 115 kWh großen, einbaufertigen Batteriepakete ursprünglich aus Debrecen kommen. Gegenüber der Automobilwoche bestätigte Vans-Chef Thomas Klein nun, dass die Versorgung derzeit aus China erfolgt. Die dadurch entstehenden Mehrkosten übernehme CATL. BMW ist von den aktuellen Verzögerungen bislang nicht betroffen. Die Versorgung des BMW-Werks in Debrecen mit Batteriezellen aus Ungarn ist erst ab 2027 vorgesehen. Derzeit erfolgt die Belieferung wie geplant aus China, während BMW die Montage der Hochvoltbatterien selbst übernimmt.

CATL wartet auf Genehmigungen für die Zellproduktion

Trotz der Verzögerungen hat CATL beim Hochlauf des Werks einen weiteren Schritt erreicht. In einer neu errichteten Halle hat die Produktion von Batteriemodulen mit einer Jahreskapazität von 5 GWh begonnen. Rechnerisch würde dies ausreichen, um etwa 50.000 Elektroautos mit einer 100-kWh-Batterie oder rund 125.000 Kleinwagen mit einem 40-kWh-Akku auszustatten. Die dafür benötigten Batteriezellen stammen allerdings weiterhin aus anderen CATL-Werken. Nach Unternehmensangaben ist die Zellfabrik mit einer zunächst geplanten Jahreskapazität von 40 GWh zwar fertiggestellt. Es fehlen aber noch Genehmigungen. Sobald die ausstehenden Papiere vorliegen, will CATL mit der Testproduktion der Batteriezellen beginnen. Langfristig soll die Kapazität des Standorts auf bis zu 100 GWh ausgebaut werden.

Batteriemodule fertigt CATL in Debrecen unterdessen bereits seit Herbst 2024. Damals hatte das Unternehmen die Produktion in einer angemieteten Halle mit zwei Fertigungslinien aufgenommen. Mit der nun gestarteten Produktion auf dem eigenen Werksgelände erweitert CATL die Fertigungskapazitäten vor Ort weiter.

Hintergrund der Verzögerungen sollen wie erwähnt unter anderem ausstehende behördliche Genehmigungen sowie strengere Umweltauflagen sein – und zwar im Kontext des Regierungswechsels in Ungarn. Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt das Werk Anfang Mai, als eine grüne Flüssigkeit austrat und die Umweltbehörden Untersuchungen einleiteten. CATL erklärte daraufhin, es habe sich lediglich um ein Farbmittel gehandelt, das bei routinemäßigen Dichtigkeitsprüfungen eingesetzt werde.

automobilwoche.de

0 Kommentare

zu „CATL liefert aus China statt aus Debrecen“

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert