Mehr Staaten stellen konkrete E-Mobilitäts-Ziele auf

Insgesamt 104 Staaten haben den Vereinten Nationen (UN) in ihren nationalen Klimaschutzbeiträgen den Ausbau der Elektromobililtät angekündigt. Von diesen haben 66 Staaten konkrete Ausbauziele für die Elektromobilität formuliert, so viele wie nie zuvor.

Mahindra chargein hpc 180kw india
Ein elektrischer Mahindra an einer Schnellladesäule in Indien
Bild: Mahindra

Die 66 Länder mit Zielen für Elektromobilität – inklusive der 27 EU-Mitgliedstaaten – machen mehr als 60 Prozent des weltweiten Automobilabsatzes aus, wie der Thinktank Agora Verkehrswende mitteilt. Demnach haben 52 Staaten zum ersten Mal seit 2015 konkrete Ziele eingereicht. Stand der Erhebung ist der 15. Dezember 2025.

„Die nationalen Beiträge (Nationally Determined Contributions, NDCs) sind ein wesentlicher Bestandteil der Verpflichtungen, die die Vertragsstaaten im Rahmen des Übereinkommens von Paris erfüllen müssen“, erklärt Agora Verkehrswende. „Mit ihnen legen die Staaten alle fünf Jahre unter anderem ihre Anstrengungen zur Verringerung der CO2-Emissionen gegenüber der UN fest.“

Insgesamt haben sich 56 Staaten Ziele zum Ausbau der Elektromobilität bei Pkw und leichten Nutzfahrzeugen gesetzt. Bei Bussen sind es noch 49 Staaten, bei Lkw 36. 13 Länder haben auch Ziele für Elektro-Motorräder formuliert. Bei der wichtigen Ladeinfrastruktur sind es jedoch nur neun Staaten, bei der Elektrifizierung des Schienennetzes deren fünf.

Im Falle der EU-Staaten sind hier natürlich die EU-weiten CO2-Ziele maßgeblich, auch wenn das Ziel bekanntlich von 100 Prozent CO2-Reduktion im Pkw-Verkehr auf 90 Prozent abgeschwächt werden soll – hinterlegt ist aber noch das 100-Prozent-Ziel, da es sich bei den 90 Prozent bisher nur um einen Vorschlag der EU-Kommission handelt, der aber noch nicht in geltendes Recht umgesetzt ist. Neben den EU-Staaten, Großbritannien und Kanada werden in der Mitteilung auch kleinere Länder wie Barbados, Kuba, Nepal und Ruanda hervorgehoben: „Sie haben nicht nur ehrgeizige Ziele für den Absatz von Elektrofahrzeugen vorgelegt, sondern streben weitere Maßnahmen an – beispielsweise eine breite Abdeckung der Fahrzeugsegmente im Straßenverkehr, eine flankierende Infrastruktur- und Industriepolitik oder die Erstellung detaillierter Finanzpläne.“

Screenshot ev ndc world map
Den Link zur interaktiven Weltkarte finden Sie am Ende des Artikels.
Bild: Screenshot

Aber: Die hier genannten Zahlen und die in der interaktiven Weltkarte von Agora Verkehrswende aufgelisteten Ambitionen bilden sehr wahrscheinlich gar nicht alle Vorhaben ab, die globalen Ambitionen dürften also tatsächlich höher liegen. Denn erfasst wurden lediglich die bei der UN gemeldeten NDCs. Viele Länder – unter anderem auch der weltgrößte Elektroauto-Markt China – „haben zusätzliche nationale Strategien, Ziele und Maßnahmen beschlossen, die sie gar nicht oder nicht vollumfänglich in ihren NDCs abgebildet haben“.

Das andere Extrem bilden die USA, die weder bei der UN ein Ausbauziel im Bereich der Elektromobilität eingereicht, noch ein national gesetztes Ziel haben. In den USA gibt es allerdings Ambitionen seitens einiger Bundesstaaten, ab 2035 keine Pkw und leichten Nutzfahrzeuge mit Verbrennungsmotoren mehr zu verkaufen – allen voran Kalifornien.

Und selbst das Elektroauto-Vorzeigeland Norwegen hat nicht im Rahmen des Pariser Klimaschutzabkommens aber anderweitig international erklärt, die Elektromobilität ausbauen zu wollen. Sprich: Die norwegischen Ambitionen wurden nie als NDC formuliert und sich daher auch nicht auf der „EV NDC World Map“ gelistet.

Die Analyse von Agora Verkehrswende zeigt aber auch, dass Länder mit spezifischen Zielen für Elektromobilität in ihren NDCs nur 34 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen des Verkehrssektors verursachen. Bisher haben 62 Staaten noch keine konkreten Ziele in ihren Klimaschutzbeiträgen vorgelegt, darunter neben den USA auch weitere große Automärkte und CO2-Emittenten wie Brasilien und Russland. Indien hat noch keinen aktuellen NDC eingereicht.

„Es ist ermutigend zu sehen, wie der Umstieg vom Verbrenner- auf den Elektromotor weltweit forciert wird, damit der Klimaschutz im Verkehr Fahrt aufnimmt“, sagt Christian Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende. „Die Bundesregierung und die EU sollten alles daransetzen, um die Entwicklung zum Leitmarkt und Leitanbieter für Elektromobilität zu beschleunigen – zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit auf den Weltmärkten.“

Linda Cáceres Leal, Projektmanagerin für Internationale Zusammenarbeit bei Agora Verkehrswende, ergänzt: „Der Übergang zum klimaneutralen Verkehr ist keine hypothetische Zukunftsvision, sondern ein völkerrechtlicher Auftrag. Vor allem die großen Emittenten, die bislang keine Zusagen zum Ausbau der Elektromobilität gemacht haben, sind aufgerufen, schnell konkrete und mit Maßnahmen und Finanzen hinterlegte Ziele zu verabschieden. Um die Klimaziele des Pariser Vertrages zu erfüllen, wird die Elektromobilität allein nicht reichen, aber ohne sie wird dies auf keinen Fall gelingen.“

sefep.eu, agora-verkehrswende.org (Weltkarte)

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