Spinoff der Fraunhofer FFB will mobilen Rein- und Trockenraum kommerzialisieren
Für die Herstellung von Batteriezellen gelten hohe Anforderungen an Sauberkeit und Trockenheit, die aktuell durch große Rein- und Trockenräume mit Taupunkten bis -60 °C erfüllt werden. „Der dafür notwendige Energieaufwand ist erheblich: Je nach Skalierungsgrad entfällt rund ein Drittel der Produktionskosten von Batteriezellen allein auf die Luftkonditionierung“, ordnet die Fraunhofer-Einrichtung Forschungsfertigung Batteriezelle (FFB) ein.
Die Wissenschaftler in Münster haben sich genau mit diesem Teil der Zellproduktion beschäftigt und eine Intralogistiklösung ersonnen, um eine Alternative zu den großen Rein- und Trockenräumen zu bieten. In der Ausgründung Syvairo soll das patentierte System nun kommerzialisiert werden. Als wichtige Etappe auf diesem Weg meldet die Fraunhofer FFB, dass das Vorhaben nun durch den EXIST-Forschungstransfer des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gefördert wird.
Oliver Krätzig, Mitgründer von Syvairo, kommentiert: „Wenn Europa im globalen Batteriemarkt wettbewerbsfähig werden will, muss die Zellfertigung energie- und kosteneffizienter werden. Genau in dieser Problemstellung liegt unsere Gründungsmotivation.“ Syvairo entwickelt, fertigt und vertreibt konkret „modulare Intralogistiklösungen, die [… ]für den industriellen Einsatz von Mini-Environment-Konzepten in der Batteriezellfertigung ausgelegt sind.“
Heißt konkret: Anstatt komplette Produktionsbereiche aufwendig zu klimatisieren, werden nur einzelne Prozessschritte eingehaust und gezielt unter Trocken- und Reinraumbedingungen betrieben. In der industriellen Praxis ist der Einsatz solcher Konzepte bislang jedoch begrenzt: „Der Knackpunkt liegt im Transport empfindlicher Halbzeuge, etwa beschichteter Elektrodenfolien, zwischen den einzelnen Prozessschritten“, erklärt Marius Heller, ebenfalls Mitgründer von Syvairo. „Damit der restliche Produktionsbereich normal klimatisiert werden kann, müssen diese Materialien klimastabil und kontaminationsfrei von einem gekapselten Prozessschritt zum nächsten überführt werden.“
Das Startup adressiert diese Lücke mit einem modularen Baukastensystem aus Transport-, Schleusen- und Einhausungskomponenten. Als Herzstück bezeichnen die Verantwortlichen eine gasdichte, mikroklimatisierte Transportbox mit integrierter Sensorik, die wie ein mobiler Trockenraum fungiert. Über kompakte Schleusensysteme dockt die Transportbox in der Praxis direkt an die Prozessanlagen an, sodass der Materialtransfer ohne Unterbrechung der Klimabedingungen erfolgen kann. „Dieser Ansatz ermöglicht es, die Energiekosten für die Luftkonditionierung, um über 50 Prozent zu reduzieren und damit die Herstellungskosten von Batteriezellen nachhaltig zu senken“, so die Forscher. Der vordergründige Einsatz der Technologie liege in der Batteriezellfabrik vom Pilot- bis zum Giga-Factory-Maßstab, insbesondere für die Fertigung von Next-Gen-Batteriezellen.
Darüber hinaus plant Syvairo aber, weiteres Know-how aus der Forschung in das Startup zu transferieren und so das Leistungsportfolio gezielt zu erweitern:
- Perspektivisch ist der Mini-Environment-Ansatz auch für weitere Industrien relevant, in denen sensible und/oder kritische Materialien unter kontrollierten Atmosphären gehandhabt werden müssen, etwa in der pharmazeutischen Industrie, Photovoltaik und Luft- und Raumfahrt.
- Ein weiterer Entwicklungsansatz liegt in der Nutzung der Transportbox über den innerbetrieblichen Materialfluss hinaus. Perspektivisch ist auch der klimastabile Transport sensibler Materialien zwischen verschiedenen Produktionsstandorten vorgesehen.
- Ergänzend plant Syvairo den Einsatz eines autarken Messwürfels, der auf Basis drahtloser IIoT-Datenkommunikation eine schnelle und präzise Überwachung und Bewertung von Performance und Sicherheit von Trocken- und Reinraumbedingungen ermöglicht.
Die technologische Basis von Syvairo entstand innerhalb der öffentlich geförderten Forschungsprojekte FoFeBat und QueEn der Fraunhofer FFB. Nach einer Weiterentwicklung im Fraunhofer-Programm AHEAD wird das Vorhaben nun durch besagtes EXIST-Programm bezuschusst. Dieses unterstütze forschungsbasierte Ausgründungen gezielt in der kritischen Phase zwischen validiertem Prototyp und marktfähiger industrieller Anwendung, heißt es.
„Die Förderung gibt uns die entscheidende Grundlage, um technologische Weiterentwicklung und Unternehmensaufbau parallel voranzutreiben“, betont Oliver Krätzig. In der Förderphase soll der Lösungsansatz in der Fraunhofer „FFB PreFab“ zu einem industrietauglichen Gesamtsystem weiterentwickelt und erstmals unter realen Produktionsbedingungen demonstriert werden.
Die Fraunhofer FFB begrüßt die Förderung ebenfalls: „Die Ausgründung Syvairo ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie aus anwendungsorientierter Produktionsforschung konkrete industrielle Lösungen entstehen können“, äußert Prof. Dr. Achim Kampker, Institutsleiter der Fraunhofer FFB. „Mithilfe der Innovationsmodule der FFB PreFab schaffen wir bewusst ein Umfeld, in dem Startups ihre Technologien unter industrienahen Bedingungen erproben und in Richtung Marktreife weiterentwickeln können. Wir gratulieren dem gesamten Team von Syvairo zur EXIST-Förderung und freuen uns darauf, diesen Weg zum marktfähigen Produkt gemeinsam zu begleiten.“
ffb.fraunhofer.de





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