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Wie wollen zwei Rebellen aus der Autoindustrie das Aus vom Verbrenner-Aus stoppen?

Das geplante Aus für den Verbrennungsmotor ab 2035 erhitzt weiter die Gemüter. In Brüssel könnte die Aufweichung der CO₂-Flottengrenzwerte deutlich schneller durch die EU-Gesetzgebung getrieben werden als gedacht. Doch ausgerechnet aus der deutschen Automobilindustrie selbst kommt nun Widerspruch – laut, organisiert und überraschend klar pro Elektromobilität. In dieser Folge spricht electrive-Chefredakteur Peter Schwierz mit Christian Eder und Gregor Schmitt. Beide haben eine Petition gestartet, mit der sie die Politik zur Besinnung bringen wollen – weil deutsche eMobility-Jobs gefährdet sind!

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Christian Eder und Gregor Schmitt waren viele Jahre bei Auto-Zulieferern wie Continental tätig und haben an Schlüsseltechnologien der Elektrifizierung gearbeitet – und beide haben eine Petition gestartet, die sich explizit gegen eine deutsche Abkehr vom EU-weiten Verbrenner-Aus 2035 richtet. Mehr als 27.000 Menschen haben bereits unterschrieben – vor allem aus der Autobranche.

Warum setzen sich erfahrene Brancheninsider gegen politische Verwässerungen ein, während Teile der Industrie öffentlich auf Plug-in-Hybride und synthetische Kraftstoffe setzen? Eder und Schmitt sprechen offen über Investitionen, die auf dem Spiel stehen, über verlorene Planungssicherheit – und über Elektromobilitäts-Arbeitsplätze, die ausgerechnet jetzt unter Druck geraten.

Diese Transformation ist seit Jahren beschlossen – sie jetzt aufzuweichen, bringt genau die Unsicherheit, die wir nicht brauchen“, sagt Christian Eder mit Blick auf den politischen Kurswechsel. Gregor Schmitt wird noch deutlicher: „Wir reden hier von Elektromobilitäts-Arbeitsplätzen, die abgebaut werden, weil der politische Rahmen nicht klar ist.“

Das Gespräch geht weit über die Petition hinaus. Es geht um die Realität in Zulieferer-Clustern wie der Region Nürnberg, um gescheiterte Skalierung, um chinesische Wettbewerber – und um die Frage, warum Plug-in-Hybride aus Sicht der Ingenieure eher ein Feigenblatt als eine Zukunftstechnologie sind. „Wenn man Elektromobilität wirklich voranbringen will, bringt der Ausbau der Ladeinfrastruktur mehr als jede Plug-in-Förderung“, so Schmitt.

Am Ende steht ein Appell, der selten so aus der Branche selbst zu hören ist: Elektromobilität braucht kein weiteres Zögern, sondern klare Entscheidungen. Oder, wie Eder es formuliert: „Planungssicherheit ist kein ideologischer Wunsch – sie ist die Grundlage dafür, dass Industrie funktioniert.“

Eine Episode über politischen Mut, industrielle Verantwortung und die Frage, ob Deutschland aus früheren Technologiebrüchen gelernt hat. Viel Spaß beim Hören! Wenn Sie die Petition der beiden Profis zeichnen wollen, hier entlang.

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8 Kommentare

zu „Wie wollen zwei Rebellen aus der Autoindustrie das Aus vom Verbrenner-Aus stoppen?“
Paul-Gerhard Fenzlein
11.02.2026 um 08:36
Die aktuelle Debatte um „Technologie-Offenheit“ bremst den Standort Deutschland. Während Länder wie China, Norwegen, Schweden oder Äthiopien sich explizit zur Elektromobilität bekennen, verharrt der deutsche Markt in einer gefährlichen Unentschlossenheit. Dabei hat der Weltmarkt seine Entscheidung längst getroffen: Die Neuzulassungen von Verbrennern sinken global kontinuierlich. Der deutsche Autokäufer ist heute verunsichert – nicht durch die Technologie selbst, sondern durch politisches Zögern, unklare Förderstrukturen und mediale Scheindebatten über Wasserstoff oder E-Fuels im Pkw-Sektor. Was wir brauchen, ist: • Eine klare Technologie-Fokussierung statt diffuser Offenheit. • Breite Aufklärungsarbeit, die über die bestehende E-Auto-Bubble hinausreicht. • Verlässliche politische Signale, die Investitionssicherheit für Bürger und Industrie schaffen. Die europäische, insbesondere die deutsche Automobilindustrie, leidet unter einer massiven Überkomplexität. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, ist eine Straffung des Portfolios zwingend erforderlich: • Status Quo: Viele Hersteller bieten über 30 Modelle mit unzähligen Motor- und Ausstattungsvarianten an. Dies führt zu ineffizienten Prozessen und hohen Fixkosten. • Zielbild: Reduktion auf maximal 10 bis 12 Kernmodelle mit jeweils höchstens 3 Varianten. Nur so können OEMs und Zulieferer ihre Produktion skalieren und Margen generieren, die den Wettbewerb aus China bestehen können. Der Erfolg von Newcomern wie Xiaomi oder NIO zeigt, wie moderne Produktion funktioniert: • Xiaomi: Erzielte mit nur zwei Modellen rund 400.000 Neuzulassungen. • NIO: Produziert in den Werken F2 und F3 hocheffizient reine Premium-E-Autos mit Fahrzeugmargen von 18 % bis über 20 %. Diese Skaleneffekte und vereinfachten Lieferketten sind der Maßstab, an dem sich die deutsche Industrie messen lassen muss. Damit die E-Mobilität den Massenmarkt vollends durchdringt, muss die Bundesregierung an den wirtschaftlichen Stellschrauben drehen: 1. Steuerliche Entlastung: Senkung der Abgaben auf Ladestrom, um die Betriebskosten unter die von Verbrennern zu drücken. 2. AFIR-Konkretisierung: Die EU-Verordnung AFIR muss in den nationalen Ausführungsbestimmungen klar definieren, was „unangemessene“ Preise an öffentlichen Ladesäulen sind. Fazit: Wenn wir die industrielle Basis in Europa erhalten wollen, müssen wir aufhören, den Wandel zu verwalten, und anfangen, ihn durch radikale Fokussierung und klare Rahmenbedingungen zu gestalten.
Stephan K.
23.02.2026 um 14:30
Völlig richtig, lieber 'Derek Finke'. Grundsätzlich ist es aber legitim, dass die Politik aufgrund eines sinnvollen Zieles (Klimawandel bekämpfen) neue 'bessere' Technologien fördert und 'schlechte' Technologien bremst. Das ist Aufgabe der Politik. Leider tut sich die Politik bislang schwer, den Verbrenner teurer zu machen. So wird schon wieder diskutiert, die CO2-Bepreisung zu verschieben, da das sicher Wählerstimmen kostet. Hier ist die Politik nicht konsequent und ehrlich. Immer nur E-Autos fördern ist m.E. nicht zielführend, und wenn dann die Ladeinfrastruktur und nicht die Anschaffung. Was mich aber noch viel mehr stört ist das Verständnis vieler E-Fans, dass Elektroautos so viel besser sind als Verbrenner - siehe oben 'Energisch Joe's Kommentar "Das Bessere ist des Guten Feind". Das sehen viele Menschen einfach anders, Thema Reichweite, Laden insb. bei Klein- und Mittelklassewagen. Ich fahre seit fünf Jahren E-Auto. Mein Corsa-e hat noch 91% SoH. Wenn ich auf der Autobahn unterwegs bin, habe ich im empfohlenen Ladefenster von 10% bis 80% gerade mal knapp 29 kWh zur Verfügung. Das reicht bei 130 km/h auf der Autobahn für rund 130 km - im Winter weniger. Die offizielle WLTP-Reichweite ist 324 km. Ein alter Polo schafft da weiter locker über 400 km. Ich bin daher sehr gespannt, was die neue Kleinwagen-Flotte des VW-Konzerns mit der großen 52-kWh-Batterie an Autobahn-Reichweite bietet - und kostet.
Stephan K.
11.02.2026 um 16:10
Norwegen, Schweden und Äthiopien sind doch wirklich nicht relevant - einzig China. Das ist der klar größte, aber derzeit auch einzig relevante Markt weltweit, der neben der EU stark auf BEVs setzt. China tut dies aber nur bedingt, um dem Klima zu helfen. China macht das aus macht-/wirtschaftspolitischen Interessen und hat Anbieter lange Zeit massiv subventioniert, Zulassungen erleichtert, bietet zudem Strom sehr preiswert bis umsonst an. Die haben einen klaren Masterplan. Auch in China wird es noch lange Zeit Verbrenner geben, in allen anderen relevanten Märkten wie Indien, Japan, Korea, ganz Amerika sowieso. Wenn Europa den Verbrenner auf Null setzt, werden alle Verbrenner-Arbeitsplätze in der EU verloren gehen, in Fertigung und Entwicklung. Deutsche und europäische Unternehmen werden die Technik dann in ihren regionalen Niederlassungen weiterentwickeln, u.a. auch in China. Ich kenne nun keine genaue Zahl, aber die Beschäftigungswirkung von Benzin-/Dieselmotoren ist vermutlich zehnmal so groß wie beim elektrischen Antrieb - und liefert damit zehnmal so viele Arbeitsplätze. Schauen sie sich die Fertigungslinie eines Benzinmotors und einer Hochvoltbatterie einfach mal an und zählen sie die Menschen. Auch der Verbrenner kann sauber - mit erneuerbaren Kraftstoffen. Ja, die sind teu(r)er. Wenn die EU aber eine echte Well-to-Wheel-Betrachtung entsprechend der RED-Richtlinien zulassen würde und eine ehrliche CO2-Bepreisung einführt, würde sich ein solides Marktsegment für Verbrenner auch über 2035 hinaus ausbilden, gerade im Nutzfahrzeugsegment. Das sind dann vielleicht nur 10 bis 30 Prozent aller Neuzulassungen, aber genug, um viele gut bezahlte Arbeitsplätze und Know-how zu halten sowie Abhängigkeiten zu reduzieren. Auch dem Klima wäre geholfen, und die Politikverdrossenheit würde nicht weiter befeuert werden.
Energisch Joe
13.02.2026 um 20:52
Guten Tag! Ist klar, das geht einfach nicht! In jedem größeren Dorf gibt es Kutschenbauer sowie Landwirte die stärkenden Hafer für die Pferde anbauen! Und wer denkt an die armen Pferdezüchter denen der Markt wegbricht wenn diese lauten, stinkenden, mörderisch schnellen Benzinkutschen wie eine Pest um sich greifen! Und wer will den Markt für Putzbenzin (Ligroin ;o)) , Bertha Benz, schau herunter...) in den Apotheken zu extrem hohen Preisen leerkaufen? Das geht sich doch nie aus die Verbrenner alle zu betanken, stoppt diesen zerstörerischen Trend SOFORT...Oh, verdammt, 100 Jahre zu spät dran mit dem Wutausbruch? Oh, in 10 Jahren war der Umstieg geschafft?Das kommt davon wenn das Bessere des Guten Feind ist, mögen die Frösche im fossilen Sumpf noch so laut quaken, besonders die ehemals orange bekopften.Reden wir in 10 Jahren mal wieder ernsthaft darüber...mit freundlichen Grüßen
Willi Hennes
11.02.2026 um 15:02
Gut geschrieben. Wenn das nur in der Politik erkannt und berücksichtigt würde.
Derek Finke
13.02.2026 um 08:31
„Diese Transformation ist seit Jahren beschlossen…“ (Kopfschüttel) Die Kollegen mögen in Ihrem Fach E-Mobilität exzellent sein. Es fehlt ihnen aus meiner Sicht jedoch der Blick darüber hinaus. Eine Transformation beschließen zu wollen, kommt dem Bestellen besseren Wetters gleich. Hat irgendwer die industrielle Revolution beschlossenu? Oder die Erfindung der Dampfmaschine? Oder, oder, oder… Ich denke, es ist genau diese Hybris, von oben herab bestimmen zu wollen, wie die Welt zu funktionieren hat, die für Skepsis und Ablehnung sorgt.
T. Pietsch
23.02.2026 um 16:26
Nun Ja natürlich muss man das bestimmen. Menschen sind alle Dumm. Weil sie das aber wissen gibt es Gesetze. Alle Menschen sind gierig , Machtbesessen, egoistisch und unvernünftig. Warum schreibt man eigentlich vor wie man zu fahren hat ? Warum hat man FCKW verboten ? Warum Asbest ? Sie verstehen. Fortschritt wird es immer geben. Menschen haben viele Ideen. Überwiegend jedoch ohne sich über die möglichen Konsequenzen Gedanken zu machen. (Woher hätten wir das Wissen sollen ?) Es gibt nur eine Kugel zum Leben. Drumherum ist nur der Tod. Mann muss Menschen zwingen eine Gurt anzulegen. Kopfschüttel....
R. Boberg
23.02.2026 um 14:13
Herr Finke, sie wollen doch nicht allen Ernstes behaupten, Politiker seinen überflüssig. Die Menschen (Märkte) machen das schon unter sich aus? Ich finde das naiv.

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