Niederländische Flottenkunden erwarten über 400 Kilometer Reichweite
Die Niederlande gelten bei neuen Technologien als recht aufgeschlossener Markt. Ohne eigene Autobauer ist die Meinung der Unternehmen nicht so wichtig, mit steuerlichen Regelungen haben etwa Hybridautos recht früh eine hohe Verbreitung gefunden. Und auch bei den Elektroautos zählen die Niederlande nicht zu den Nachzüglern, das zeigen auch die Zulassungszahlen, die der europäische Branchenverband ACEA veröffentlicht. Das eher kleine und flache Land bietet dafür auch gute Voraussetzungen und es wurde dank Playern wie Fastned früh ein dichtes Netz an Schnellladern aufgebaut – um der viel zitierten „Reichweitenangst“ zu begegnen.
Eine Umfrage von BMW Niederlande unter 655 Leasingfahrern hat nun einige interessante Einblicke in den dortigen Markt für Flottenkunden gegeben. „Auf die Frage nach der gewünschten Reichweite ihres nächsten Elektro-Leasingwagens gaben fast alle Befragten dieser Gruppe mindestens 400 km an. Ein Drittel wünscht sich sogar mehr als 500 km“, teilt BMW mit. „Die Hauptgründe hierfür sind kurze Ladezeiten, die Vergleichbarkeit mit dem aktuellen Fahrzeug und die Flexibilität für Beruf und Urlaub.“
Zum Vergleich: Die 400 Kilometer entsprechen grob der Fahrstrecke (nicht Luftlinie) zwischen dem nördlichsten und südlichsten Punkt des Landes, in Ost-West-Ausdehnung sind die Niederlande kleiner. Mit 400 Kilometern könnte man also einmal ohne Ladestopp durch das ganze Land fahren – wobei es auf dem Weg unzählige Ladepunkte gibt. Auf Pendelstrecken im Alltag kann das im individuellen Fall aber natürlich anders aussehen. Zudem geht aus der BMW-Mitteilung nicht hervor, ob es sich bei den genannten Kilometer-Angaben um die erwartete reale Reichweite oder den WLTP-Wert handelt – 400 Kilometer nach WLTP schaffen bereits viele E-Autos, bei 400 oder gar 500 realen Kilometern muss es sich schon um ein recht reichweitenstarkes E-Auto handeln.
Interessant sind auch die Hintergründe, vor denen sich die befragten Kunden für oder gegen ein Elektroauto entschieden haben. Vier von zehn Firmenfahrern fahren mittlerweile vollelektrisch. „Arbeitgeber haben einen erheblichen Einfluss auf die Entscheidung ihrer Angestellten. Mehr als ein Drittel der Leasingfahrer ist verpflichtet, vollelektrisch zu fahren“, so BMW. Neben der Vorgabe des Arbeitgebers sind vor allem der Leasingpreis und der Fahrkomfort wichtige Faktoren, gefolgt von der Eignung für den privaten Gebrauch (ausreichend Platz für eine Familie), der zusätzlichen Steuerbelastung und der Reichweite. „Umweltaspekte spielen bei der Fahrzeugwahl kaum eine Rolle; weniger als jeder Zehnte berücksichtigt sie“, so BMW.
Die Umfrage hat auch ergeben: Vier von zehn Befragten gaben an, dass sie keinen vollelektrischen Leasingwagen als Ersatz für ihr aktuelles Fahrzeug wählen würden. „Diese Gruppe fährt überwiegend Benzin- oder Plug-in-Hybridfahrzeuge. Praktikabilität spielt für sie eine große Rolle. Sie befürchten Reichweitenbeschränkungen und häufiges Laden“, heißt es in der Mitteilung. „Rund 15 Prozent dieser Gruppe, die noch Vorbehalte haben, möchten ihren Antriebsstrang selbst wählen und bevorzugen Unabhängigkeit von Lademöglichkeiten.“
Eine weitere Erkenntnis fasst BMW unter dem Schlagwort „Einmal elektrisch, immer elektrisch“ zusammen: „Von denen, die sich für ein Elektroauto entscheiden würden, besitzen jedoch bereits 70 Prozent eines. Offenbar muss man das elektrische Fahren selbst erleben, um davon überzeugt zu sein.“
bimmertoday.de, bmwgroup.com (Mitteilung auf Niederländisch)





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