Lyten schließt Übernahme der schwedischen Northvolt-Einheiten ab
Als Lyten, ein auf Lithium-Schwefel-Zellen spezialisierter Batterieentwickler, Anfang August 2025 angekündigt hatte, die Standorte von Northvolt in Schweden und Deutschland übernehmen zu wollen, galt das weithin als Überraschung. Schließlich war das 2015 gegründete Unternehmen aus San Jose in Kalifornien bis dato deutlich kleiner als Northvolt – und die Schweden hatten sich auf NMC-Batterien und nicht Lithium-Schwefel-Zellen fokussiert. Dennoch hatte Lyten Ende September 2025 alle wichtigen Genehmigungen für den Deal erhalten und wollte die Übernahme bis Ende Oktober abschließen.
Weshalb sich der Abschluss um mehrere Monate verzögert hat, gibt Lyten in der Mitteilung nicht an – klar ist nur, dass der Deal mit einem Gesamtwert von fast fünf Milliarden Dollar nun doch abgeschlossen wurde. Northvolt Ett und Northvolt Labs sollen jetzt den Betrieb wieder aufnehmen und im Falle der Batteriefabrik in Skellefteå in der zweiten Jahreshälfte 2026 kommerziell hergestellte Zellen ausliefern, wie es heißt. Derzeit laufe ein Wiedereinstellungsprogramm in Skellefteå und Västerås, über 600 Menschen sollen wieder zu Northvolt/Lyten zurückkehren.
Derzeit geht es nur um die Northvolt-Standorte in Schweden. Zur geplanten Übernahme der im Bau befindlichen Fabrik im norddeutschen Heide gibt es noch keinen neuen Stand. Man „schreitet mit der Akquisition der Northvolt-Anlagen in Heide (Deutschland) voran“, heißt es dazu nur im vorletzten Absatz der Mitteilung.
Lyten produziert vorerst NMC-Zellen
Die Übernahme von Northvolt Sweden umfasst 16 GWh bestehende Batterieproduktionskapazität, mehr als 160 Hektar Land, Infrastruktur und Gebäude zur Unterstützung erweiterter Fertigungs- und Industrieaktivitäten sowie ein Batterieforschungs- und -entwicklungszentrum. Wichtig ist, dass Lyten auch genau diese bestehenden Produktionslinien nutzt, wenn die Fertigung wieder anläuft – mit Blick auf die Zellchemie. „Ett wird Lithium-Ionen-NMC-Batterien für einen erweiterten Kundenkreis produzieren, darunter stationäre Batterie-Energiespeichersysteme, die Automobilindustrie und verschiedene Mobilitätsmärkte“, teilt der neue Eigentümer mit.
Zu den Abnehmern gehören verschiedene Unternehmen, etwa Scania, aber auch die elektrischen 718-Nachfolger von Porsche und das Schwestermodell Audi Concept C (bzw. die Serienversion der Studie mit diesem Namen) sollen Nothvolt-Zellen nutzen. Lyten wird die in Skellefteå hergestellten Zellen aber auch selbst nutzen: Schon vor der Übernahme der schwedischen Northvolt-Unternehmen hatte die US-Firma den polnischen Standort Northvolt Dwa übernommen, wo stationäre Energiespeicher (BESS) hergestellt werden.
Vorerst führt Lyten also die NMC-Produktion von Northvolt weiter, später soll der Standort in Schweden aber auch zur Produktion der eigenen Lithium-Schwefel-Zellen genutzt werden. „Northvolt Labs in Västerås wird die Entwicklung langlebiger Lithium-Ionen-NMC-Zellen fortsetzen und mit dem Lyten Silicon Valley-Team zusammenarbeiten, um die Lithium-Schwefel-Batterietechnologie von Lyten für die Gigascale-Fertigung zu industrialisieren“, teilt Lyten mit.
Künftig könnte das Speichergeschäft im Vergleich zu den Mobilitätskunden eine zunehmend wichtige Rolle spielen, denn Lyten hat außerdem die Gründung des Lyten Industrial Hub in Skellefteå auf dem Gelände von Northvolt Ett angekündigt. „Der Industriestandort nutzt die von Northvolt errichtete Infrastruktur und den Zugang zu reichlich vorhandener, sauberer Wasserkraft, um die Batterieproduktion mit KI-Rechenzentren und ergänzenden Industrieanlagen von strategischer Bedeutung für Schweden und die Europäische Union zu vereinen. Lyten plant, seine Batterien und Energiespeichersysteme als Teil der Infrastruktur des Industriestandorts einzusetzen“, so das Unternehmen. Und: Mit EdgeConneX, einem weltweit führenden Entwickler von Rechenzentren, steht offenbar schon ein Partner parat, der die Übernahme eines Rechenzentrumsgeländes von Lyten in Skellefteå plant.
„Mit dieser Akquisition betreibt Lyten nun einen der größten Produktionsstandorte für Batterien in Europa und das größte Forschungs- und Entwicklungszentrum für Batterien in Europa“, sagt Lyten-CEO Dan Cook. „Wir verfügen über die Infrastruktur, die Fachkräfte und die Technologie, um ein florierendes Batterie-Ökosystem in Nordamerika und Europa aufzubauen, unterstützt durch lokale Lieferketten und lokale Talente, um den schnell wachsenden globalen Bedarf an dezentraler Strominfrastruktur zu decken.“
Matthias Arleth, CEO von Lyten Sweden, ergänzt: „Nach dem erfolgreichen Abschluss der Transaktion freuen wir uns darauf, die Produktion wieder aufzunehmen und den Produktionshochlauf in Schweden schrittweise, Linie für Linie, zu starten. In Skellefteå haben wir bewiesen, dass wir in der Lage sind, konstant hochwertige Batteriezellen herzustellen, die den aktuellen Kundenbedürfnissen entsprechen. Die Forschungs- und Entwicklungsarbeit in Västerås wird ein Eckpfeiler unseres Bestrebens sein, die zukünftige Marktnachfrage mit sowohl leistungsstarken NMC-Batterien als auch Lithium-Schwefel-Batterien der nächsten Generation zu bedienen.“





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