TotalEnergies und BayWa prüfen Verkauf von Lade-Geschäft
TotalEnergies hatte Anfang 2023 schon sein deutsches Tankstellennetz (und das in den Niederlanden) an das kanadische Unternehmen Couche-Tard mit seiner Marke Circle K verkauft. Damals hieß es, dass sich der französische Ölkonzern in Ländern, in denen TotalEnergies nicht Marktführer ist, auf Wasserstoff und Ladestationen konzentrieren wolle. In Deutschland steht das einem Bericht zufolge nun aber auch auf der Kippe.
Nach Informationen von „The Pioneer“ sucht TotalEnergies nun Interessenten für sein Ladesäulengeschäft in der Bundesrepublik. Teil des Angebots sind demnach rund 190 Ladeparks, von denen aber erst rund ein Drittel in Betrieb ist. Im Paket will der Energiekonzern wohl auch staatliche Fördergelder „in dreistelliger Millionenhöhe“ für die noch zu bauenden Standorte abgeben, wie es in dem Bericht unter Berufung auf Verkaufsunterlagen heißt. Die Unternehmensberatung Roland Berger soll damit beauftragt worden sein, potenzielle Käufer für das Ladegeschäft zu finden. Bisher gab es in dem Bereich nur Verluste, ein positives EBITDA wird für 2027 angestrebt – wie überall in der Branche sind die Investitionen in den Ausbau derzeit sehr hoch.
Offiziell hat das Unternehmen die Informationen aus dem Verkaufsprospekt nicht kommentiert. „The Pioneer“ schreibt aber unter Berufung auf Unternehmenskreise, dass derzeit „Sondierungen im Markt stattfänden, aber noch nichts entschieden“ sei. Ein möglicher Strategiewechsel hatte sich aber bereits angedeutet: Im September 2025 hatte Konzern-CEO Patrick Pouyanné angekündigt, den weiteren Rollout und Ausgaben im Lade-Bereich „dem Tempo der Marktdurchdringung von E-Mobilität“ anzupassen. Im Februar 2025 hatte Pouyanné auch schon weitere Investitionen in die Batteriefertigung in Frage gestellt – TotalEnergies ist zusammen mit Stellantis und Mercedes-Benz an ACC beteiligt.
Möglicher Käufer übernimmt Standorte, aber auch Verpflichtungen
Welchen Preis der französische Konzern für die deutsche TotalEnergies Charging Solutions erzielen will, wird in dem Bericht nicht genannt, auch mögliche Interessenten werden nicht erwähnt. Der Kreis der Unternehmen, der dafür in Frage kommen, ist allerdings begrenzt. Denn in der Phase, als TotalEnergies nach dem Verkauf des deutschen Tankstellen-Geschäfts voll auf die Elektromobilität gesetzt hat, hat sich das Unternehmen auch an der Ausschreibung zum Deutschlandnetz beteiligt – und den Zuschlag für etwa 1.100 der 9.000 geplanten Schnellladepunkte erhalten. 2023 hatten sich die Franzosen drei Regionallose mit insgesamt 134 Standorten gesichert und auch bei den Autobahn-Losen hat TotalEnergies einen Zuschlag erhalten.
Das Ziel des Deutschlandnetzes mit den verschiedenen Losen ist es, eine lokale Machtkonzentration zu vermeiden, weshalb die Hürden für andere Deutschlandnetz-Betreiber wohl hoch wären – aus diesem Bereich dürfte aber die Mehrheit der staatlichen Fördergelder und der geplanten oder im Bau befindlichen Standorte kommen. Zudem würde ein potenzieller Käufer alle Verpflichtungen übernehmen, bis die Ladeparks in Betrieb genommen sind, einschließlich der Dauer ihrer Netzbindung.
Couche Tard bzw. Circle K als Käufer des Total-Tankstellennetzes haben dem Bericht zufolge schon mehr oder weniger abgesagt. Nach dem Erwerb des Tankstellennetzes für über drei Milliarden Euro und Investitionen in den Ausbau der Tankstellen-Shops sind offenbar im Moment keine weiteren Investitionen geplant. „Da überlegt man sich zweimal, ob man jetzt Ladesäulen aufbaut“, soll ein Manager gegenüber „The Pioneer“ gesagt haben.
Was die Käufersuche vermutlich weiter erschweren könnte: Es sind nicht nur die Standorte von TotalEnergies auf dem Markt, auch zumindest ein anderer Deutschlandnetz-Betreiber will sein Ladegeschäft offenbar abstoßen. So hat der deutsche Agrarkonzern BayWa mit BayWa Mobility Solutions ein Nebengeschäft in der Elektromobilität aufgebaut und sich auch an der Ausschreibung zum Deutschlandnetz erfolgreich beteiligt. Der Konzern ist aber aufgrund von Managementfehlern in eine finanzielle Schieflage geraten und durchläuft derzeit eine umfassende Sanierung.
Und diese dürfte auch die Lade-Tochter betreffen. „Ja, die BayWa verkauft im Rahmen der mehrjährigen Sanierung Beteiligungen und Tochterunternehmen. So unter anderem auch das Geschäft mit Elektroladesäulen“, bestätigte das Unternehmen auf Anfrage von „The Pioneer“. Die Deutschlandnetz-Beteiligung ist bei der BayWa mit nur einem Los und 20 Standorten zwar deutlich kleiner als bei TotalEnergies, es gibt aber auch zahlreiche Ladesäulen der BayWa, die unabhängig davon entstanden sind. Teilweise befinden sie sich auf dem Gelände von BayWa-Tankstellen, die der Agrarkonzern vorrangig im ländlichen Raum betreibt.





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