Donut Lab veröffentlicht Daten zur Ladungserhaltung
Bei der ersten Veröffentlichung der Ergebnisse der vom finnischen Institut VTT durchgeführten Tests rund um die umstrittene Feststoffbatterie von Donut Lab ging es um das Schnellladeverhalten der Zelle, bei der zweiten Testreihe stand das Verhalten bei hohen Temperaturen von bis zu 100 Grad Celsius im Fokus.
In der dritten Testreihe hat sich VTT (im Auftrag von Donut Lab) die Ladungserhaltung bei Nichtgebrauch genauer angeschaut. Die Ladungserhaltung ist relevant, da Batteriezellen hierbei ein anderes Verhalten zeigen als Superkondensatoren. Da Donut Lab nach der Ankündigung der eigenen Feststoffzelle mit einigen Eckdaten im Januar 2026 kaum weitere Informationen veröffentlicht hatte, kamen Spekulationen auf, dass es sich bei der Donut-Entwicklung nicht um eine Batterie, sondern um einen leistungsfähigen Superkondensator handle – nur so seinen die angekündigten Eigenschaften wie eine Energiedichte von 400 Wh/kg, eine Lithium-freie Chemie und die enorme Lebensdauer von 100.000 Zyklen zu erklären, so die Kritiker.
Der Test hierzu an sich ist denkbar simpel: Die Donut-Zelle (dieses Mal mit der Kennung DL-1) wurde (nach der üblichen Kapazitätsprüfung mit 1C auf 50 Prozent geladen und dann für zehn Tage bei Raumtemperatur gelagert – die bisherigen Tests fanden alle in einer Klimakammer statt. In dieser Zeit war die Zelle an ein Prüfgerät von VTT angeschlossen, dass alle zehn Sekunden die Zellspannung gemessen hat. Anschließend wurde die Zelle entladen und die verbleibende Energiekapazität erfasst.
Superkondensator-Theorie scheint widerlegt
Zum Beginn des Zehn-Tages-Tests lag die in die Zelle geladene Kapazität laut dem VTT-Protokoll bei 13,335 Ah, am Ende des Prüfzeitraums konnten noch 13,029 Ah entladen werden. Die Zelle hat also nach zehn Tagen oder 240 Stunden noch 97,7 Prozent der ursprünglichen Kapazität gehalten – oder 2,3 Prozent verloren. Gleichzeitig ist die gemessene Spannung der Zelle von 3.861 mV auf 3.733 mW gefallen. Der zeitliche Verlauf ist aber nicht linear: Bereits innerhalb der ersten zehn Sekunden ist die Spannung um 60 mV gefallen, nach 10 Stunden um insgesamt 116 mV. In den weiteren 230 Stunden war der zusätzliche Spannungsverlust aber eher gering, zum Testende lag die Spannung 128 mV unter dem Ausgangswert.
Zur Einordnung: Für moderne Zellchemien sind 0,5 bis 1,0 Prozent Kapazitätsverlust in diesem Zeitraum üblich. Dass die Zelle von Donut Lab 2,3 Prozent verloren hat, ist an sich kein schlechtes Zeichen, denn es handelt sich um Prototypen-Zellen, die sehr wahrscheinlich von Hand hergestellt wurden. Die 0,5 bis 1,0 Prozent Kapazitätsverlust gelten für mit enormer Präzision hergestellte Großserien-Batterien mit hochautomatisierten Fertigungslinien. Bei Prototypen sind bis zu fünf Prozent Kapazitätsverlust erwartbare Werte. Und dass die Spannung über den Zeitraum vom 240 Stunden nur von 3,861 Volt auf 3,773 Volt gesunken ist, entspricht dem erwartbaren Verhalten einer Batteriezelle – ein Superkondensator hätte über diesen Zeitraum etwa 50 Prozent der ursprünglichen Spannung verloren.
„Seit der Bekanntmachung der Donut-Batterie gab es viele Spekulationen und Theorien darüber, ob es sich um einen Superkondensator handelt. In aller Einfachheit beweist diese Prüfung nun, dass es eine Batterie ist“, bestätigt Ville Piippo, CTO bei Donut Lab. „Superkondensatoren laden und entladen sich zwar schnell, verlieren aber auch schnell ihre Ladung, wenn sie in Betrieb sind. Die Donut-Batterie verhält sich wie eine Batterie und kann ihre Ladung signifikant länger halten.“
Diese Behauptung ist auf den ersten Blick von den Daten gedeckt. Alle Zweifel kann Donut Lab auch mit dem dritten Test aber weiterhin nicht ausräumen – es steht immer noch nicht fest, was genau sich in den getesteten Zellen befindet. So schreibt auch VTT erneut: „Dieses Projekt umfasste einen unabhängigen Selbstentladungstest an dem vom Kunden bereitgestellten Energiespeichergerät, das der Kunde als Festkörperbatteriezelle identifizierte.“ Der Kunde hat gesagt, dass es eine Festkörperbatteriezelle ist, VTT hat diesen Teil nicht unabhängig geprüft.
Aber immerhin mit einem weiteren, bisher geäußerten Verdacht kann die dritte Testreihe aufräumen: Da die drei bisherigen Tests jeweils mit unterschiedlichen Zellen (DL1, DL2 und DL3) durchgeführt wurden, kam der Verdacht auf, dass es sich dabei um unterschiedliche Zellen handeln könnte, die auf die jeweiligen Testkriterien Schnellladung, Hitzeverhalten und Ladungserhaltung optimiert gewesen sein könnten. Das jeweils von VTT ermittelte Verhalten beim Spannungsverlauf während der 1C-Kapazitätsprüfungen deutet aber darauf hin, dass es sich um mehr oder weniger identische Zellen handelt. Wie gesagt: Es deutet darauf hin. Endgültige Klarheit, etwa zur Dauerhaltbarkeit, dem Kälteverhalten oder dem Gewicht bzw. der Energiedichte der Zelle gibt es derzeit immer noch nicht.
Quelle: Info per E-Mail, idonutbelieve.com, r2.dev (VTT-Report als PDF)





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