BYD erwägt Werk in Kanada sowie Kauf eines globalen Autoherstellers

BYD-Vizechefin Stella Li liebäugelt damit, eine neue Autofabrik in Kanada zu bauen. Zudem erwägt der chinesische Konzern auch, einen westlichen Autohersteller zu kaufen. Zwar steht ein Abschluss laut Stella Li noch nicht kurz bevor, doch das Unternehmen überprüfe bereits potenzielle Assets.

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Stella Li (Archivbild)
Bild: BYD

BYD hatte 2024 seine Pläne auf Eis gelegt, Elektroautos von China nach Kanada zu exportieren, nachdem Kanada 2024 den USA gefolgt war und zusätzliche Einfuhrzölle in Höhe von 100 Prozent auf Elektrofahrzeuge aus China festgesetzt hatte. Doch mittlerweile hat Kanada einen E-Auto-Deal mit China ausgehandelt und will zunächst bis zu 49.000 chinesische Elektrofahrzeuge pro Jahr zu einem Zollsatz von 6,1 Prozent ins Land lassen. Diese Menge entspricht dem Jahresvolumen an tatsächlichen chinesischen E-Auto-Importen vor den jüngsten Handelskonflikten. Später könnte die Anzahl der Importe mit niedrigem Zollsatz noch steigen.

Diese politische Entscheidung hat BYD zum Anlass genommen, seine Pläne für den Markteintritt seiner E-Autos in Kanada wieder aufzunehmen. Nun, da der Markt wieder offen ist, erwägt BYD aber neben einfachen Importen auch gleich noch die lokale Produktion. Allerdings: Ein Joint-Venture-Modell mit einem kanadischen Unternehmen, wie es sich die kanadische Regierung von chinesischen Herstellern wünscht, kann sich BYD eher nicht vorstellen: „Ich glaube nicht, dass ein Joint Venture funktionieren wird“, sagte BYD-Vizechefin Stella Li während eines Besuchs in São Paulo. Und wie die Nachrichtenagentur Bloomberg weiter berichtet, erwäge BYD vielmehr eine mögliche eigene Produktionsstätte in Kanada. Allerdings sei noch keine Entscheidung gefallen, so Stella Li weiter.

Befragt zu den Plänen in den USA, gab Stella Li zu Protokoll, dass diese auf Eis lägen. Die USA seien ein „kompliziertes Umfeld“. Damit dürften einerseits die hohen Zölle gemeint sein und andererseits das kommende Verbot von vernetzter Fahrzeugtechnologie aus China in den USA, das die meisten chinesischen Modelle vom Markt hält. Dieses Verbot hat die Biden-Regierung vergangenes Jahr wenige Tage vor der Amtsübergang an Donald Trump erlassen.

Dafür könnte sich BYD aber ein Beispiel am chinesischen Autokonzern Geely ein Vorbild nehmen, der einst den schwedischen Hersteller Volvo und den britischen Hersteller Lotus übernommen hatte und zudem 50 Prozent von Smart gekauft hat. Denn auch Stella Li hält es für spannend, einen westlichen Hersteller zu übernehmen: „Wir sind für jede sich bietende Gelegenheit offen“, sagte sie. Zwar stehe bislang noch kein konkreter Abschluss bevor, ihr Unternehmen prüfe aber potenzielle Vermögenswerte. „Wir werden sehen, was für uns von Vorteil ist“, zitiert Bloomberg die BYD-Topmanagerin.

Ein Übernahme eines etablierten Herstellers sei zum jetzigen Zeitpunkt durchaus interessant, zumal amerikanische, europäische und japanische Hersteller durch ihre zeitgleichen Investitionen in Verbrenner und Elektroautos Probleme hätten, wettbewerbsfähig zu bleiben, so Stella Li.

Zuletzt war BYD ziemlich unter die Räder geraten: Der größte Autohersteller Chinas verkaufte im Februar 2026 nur 190.190 E-Fahrzeuge und Plug-in-Hybride, das waren 41 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Zugleich war es der erste Monat, in dem der Übersee-Absatz höher lag als im chinesischen Heimatmarkt, denn dieser wuchs zeitgleich um 41,4 Prozent auf 100.151 Fahrzeuge. Fürs Gesamtjahr peilt BYD einen Auslandsabsatz von 1,3 Millionen Fahrzeugen an.

bloomberg.com, electrek.co

10 Kommentare

zu „BYD erwägt Werk in Kanada sowie Kauf eines globalen Autoherstellers“
Jörg
16.03.2026 um 11:57
fragt doch mal bei Honda nach, die haben ihre Zukunft gerade erst aufgegeben und sind vielleicht froh wenn jemand anderes weiter macht….
simon
16.03.2026 um 12:17
Mal bei Stellantis nachfragen was dort entbehrlich ist.
Dieter Bruppach
16.03.2026 um 13:52
Stellantis: bezahle eins, erhalte fünf Die sind grad froh, wenn sie's los sind…
Robert
16.03.2026 um 13:33
"zumal amerikanische, europäische und japanische Hersteller durch ihre zeitgleichen Investitionen in Verbrenner und Elektroautos Probleme hätten, wettbewerbsfähig zu bleiben, so Stella Li." genau so ist es man kann nicht auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig tanzen das kann nicht funktionieren das sieht man ja wie europäische Hersteller immer mehr ins Hintertreffen geraten weil sie nicht wettbewerbsfähig sind
Sinas K.
16.03.2026 um 17:34
Ja. Chinesische Weitsichtigkeit trifft auf die Kurzsichtigkeit etablierter Automobilhersteller und ihrem Renditedenken. :-)
sebastian
17.03.2026 um 18:31
Warum sind chinesische Autohersteller wohl nicht so renditeorientiert? Da sie allesamt massive Überkapazitäten geschaffen haben und in keinem Wettbewerb mithalten könnten. Sie werden von der diktatorischen chinesischen Regierung am Leben gehalten, die die Party finanziert. Überall anders auf der Welt wären sie pleite. Wenn man, ähnlich wie Beamter, vom Staat leistungslos finanziert wird, braucht man sich auch um Rendite keine Sorgen machen.
Volker
16.03.2026 um 13:40
Die deutschen Autohersteller laufen ja weiter mit Unterstützung der kurzsichtigen Politik in die falsche Richtung und können dann bald alle übernommen werden. Die Frage ist nur ob die überhaupt noch einer will!
Uwe Walter Bosse
16.03.2026 um 16:50
Stellantis haben es wenigstens mit ein bisschen Flexibilität versucht, im Rahmen der Marktumgestaltung wettbewerbsfähig zu bleiben. Daß die Manager durch Unflexibilitaet das Unternehmen vor die Wand fahren, trifft am ehesten in Deutschland zu. Einem heimischen Unternehmen würde ich Erfolg gerne gönnen. Aber wenn ein chinesischer Konzern in Deutschland Arbeitsplätze schafft, habe ich kein schlechtes Gewissen, dort zu arbeiten. Und wenn ich bei den heimischen Herstellern kein E-Auto finde, das mir gut gefällt, habe ich kein schlechtes Gewissen, ein chinesisches E-Auto zu kaufen.
C
16.03.2026 um 23:47
Man muss sich eher Fragen wo das angehäufte Kapital von über einem Jahrhundert sich befindet was die Deutschen Autokonzerne sich angehäuft haben. Normalerweise dürften die niemals Kapitalprobleme aufweisen bei diesen Milliardengewinnen.
Helmut
17.03.2026 um 08:54
Natürlich bei den Familien, die noch große Anteile von den deutschen Autobauern halten. Quant usw. Die interessieren mehr für die Ausschüttung als die Zukunft der Unternehmen und noch weniger für die Umwelt. Wie alle Superreichen und wählen AfD.

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