UK analysiert Debütjahr seiner strengen E-Auto-Politik
Aus dem Report geht hervor, dass der Pkw-Neuwagenmarkt unter Berücksichtigung aller Flexibilitäten 2024 einen Erfüllungsgrad von 24,3 Prozent erreicht hat – bei einem vorgeschriebenen Ziel von 22 Prozent. Der Markt für Transporter erreichte 11,5 Prozent gegenüber einem Zielwert von 10 Prozent. Das Verkehrsministerium folgert, dass die Vorgaben im betreffenden Jahr übererfüllt wurden. Und sieht daher auch keinen Grund, an den Programmen etwas zu ändern. Dazu gleich mehr.
Ausgewertet wurden konkret das sogenannte ZEV-Mandat, das Herstellern jährlich steigende Verkaufsquoten für E-Autos auferlegt, und die CO2-Emissionsregeln, die sich auf den Ausstoß von CO2 bei allen anderen Fahrzeugen beziehen. Als allgemein angestrebtes Ziel gilt in Großbritannien dabei, den Verkauf neuer Benzin- und Dieselautos bis 2035 einzustellen. Beide Programme – bei Pkw und Transportern – sollen den Pfad zum Verbrenner-Aus ebnen.
Der Report geht nun ins Detail, welche Instrumente die Hersteller 2024 konkret herangezogen haben, um die Vorgaben einzuhalten. Denn neben dem höheren Absatz von E-Autos und dem niedrigeren Absatz von Verbrennern stehen den Unternehmen mehrere „Flexibilitätsmechanismen“ zur Auswahl, etwa der Handel untereinander mit Emissionszertifikaten, die Sammlung von Gutschriften für künftige Jahre und die Umwandlung von CO2-Einsparungen in zusätzliche ZEV-Gutschriften. Außerdem gewährt das UK eine Art „Kreditaufnahme“: Hersteller können Zertifikate aus zukünftigen Jahren zur Einhaltung der aktuellen Vorschriften verwenden, vorbehaltlich der Rückzahlung zuzüglich 3,5 % Zinsen.
Das Ministerium stellt nun fest: Emissionsfreie Fahrzeuge machten 2024 genau 19,8 Prozent des Absatzes im Gesamtmarkt aus. Bei den Transportern entfielen 6,8 Prozent der Zulassungen auf emissionsfreie Fahrzeuge. Die Emissionen aller anderen Fahrzeuge fielen im Flottendurchschnitt um 7,3 Prozent bei den Pkw und um 7,6 Prozent bei den Transportern. Vor allem durch den vermehrten Verkauf von Hybriden und Fahrzeugen mit sparsamen Verbrennern. Hinzu kommt:
- Die Pkw-Hersteller in Großbritannien nutzten 2024 den Mechanismus zur Umwandlung von CO2-Emissionen in ZEV-Gutschriften, um das Äquivalent von 4,7 Prozent zusätzlicher ZEV-Zulassungen zu generieren. Bei den Transportern wurden so 5,3 Prozent zusätzliche ZEV-Zulassungen erwirkt.
- Pkw-Hersteller „liehen“ sich durch die oben erwähnte Kreditaufnahme das Äquivalent von 1,2 Prozent ZEV-Zulassungen aus. Transporter-Hersteller liehen sich 0,2 Prozent aus.
- Die Hersteller handelten rund 39.000 Pkw-Zertifikate, was 2,1 Prozent der gesamten Pkw-Zulassungen entspricht. Bei den Transportern wurden rund 200 Zertifikate gehandelt, was 0,1 Prozent der Transporter-Zulassungen entspricht.
Zählt man die real verkauften Fahrzeuge und die Äquivalente zusammen, kommt man auf den eingangs genannten Erfüllungsgrad von 24,3 Prozent Zero Emission Vehicles bei den Pkw und 11,5 Prozent bei den Transportern. „Kein Hersteller musste Ausgleichszahlungen leisten“, resümiert das Verkehrsministerium. Außerdem ist es dem Bericht zufolge einigen Herstellern gelungen, Emissionsgutschriften zur Nutzung in zukünftigen Programmjahren anzusparen. Die Bilanz steht im Kontrast zu den dauernden Forderungen der Hersteller in Großbritannien, die Programme zu lockern bzw. früher als geplant zu überprüfen. Denn der Druck auf die Autobauer – die teils mit hohen Rabatten künstlich Nachfrage erzeugen müssen – ist immens.
Wie das Portal „Auto Express“ schreibt, lehnte die Regierung dieser Tage jedoch ab, die Überprüfung der Programme nochmals vorzuziehen. Und zwar nur wenige Stunden, nachdem die Automobilindustrie eine dringende Überprüfung der „zu optimistischen“ und immer schneller steigenden vorgeschriebenen Quoten für die Zulassung neuer Elektroautos gefordert hatte.
Ursprünglich sollte die Überprüfung 2027 stattfinden, doch Ende vergangenen Jahres erklärte sich die Regierung bereits bereit, diese schon Ende 2026 zu beginnen und 2027 zu veröffentlichen. Dabei soll es nun bleiben, auf einen noch früheren Zeitpunkt will sich das Ministerium für Luftfahrt, Seeverkehr und Dekarbonisierung nicht einlassen.
„Sie beginnt zwar in diesem Jahr, aber wir halten Anfang 2027 für den richtigen Zeitpunkt, um sicherzustellen, dass wir gründlich prüfen können, wo die Schwachstellen der ZEV-Vorgabe liegen, und um sicherzustellen, dass sie für die Hersteller weiterhin funktioniert“, wird Minister Kier Mather zitiert. Und: „Die Regierung macht unmissverständlich klar, dass wir den Übergang zu Elektrofahrzeugen entschlossen unterstützen.“ Die Überprüfung soll also nichts an der für 2035 geplanten Ausmusterung neuer Verbrennungsmotoren ändern, höchstens den Weg dorthin modifizieren.
Bereits vor rund einem Jahr zeigte die Regierung, dass sie für Anpassungen offen ist, aber die grundsätzliche Politik weiterverfolgen will: Im April 2025 senkte sie u.a. die Bußgelder für Hersteller, die die Zwischenziele nicht erreichen. Denn zwischenzeitlich machte die Industrie ihren Einfluss geltend: Stellantis drote beispielsweise damit, sein Transporterwerk in Luton zu schließen, anstatt dort in die geplante Produktion von E-Transportern zu investieren – und tatsächlich wurde das Werk Ende März 2025 geschlossen.
am-online.com, assets.publishing.service.gov.uk (PDF), autoexpress.co.uk





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