Ford präsentiert elektrischen Transit City als günstigen E-Transporter
Ford Pro ist im Segment der Elektro-Transporter eigentlich recht gut aufgestellt: Vom großen Transit über den Transit Custom bis hin zum Kastenwagen Transit Courier hat die Nutzfahrzeug-Sparte des Autobauers in unterschiedlichen Größenklassen bereits elektrisch angetriebene Modelle im Angebot, stets an dem vorangestellten „e-“ zu erkennen.
Der jetzt vorgestellte Transit City kommt ohne dieses „e-“ aus, er heißt nicht e-Transit City – eine Unterscheidung ist hier nicht nötig, denn der Transit City wird nur rein elektrisch angeboten, nicht mit Verbrennern. Bei den Abmessungen ist der neue Transporter in etwa auf dem Niveau des e-Transit Custom angesiedelt, richtet sich aber an eine andere, preissensible Zielgruppe.
„Wir kennen unsere kostenbewussten Kunden und ihre Bedürfnisse ganz genau, speziell wenn es um den Einsatz in Innenstädten geht. Für sie haben wir zielgerichtet einen preisgünstigen, auf das Wesentliche reduzierten Elektro-Transporter konzipiert“, erklärt Simon Robinson, Leitender Ingenieur des neuen Transit City. Gemeint sind Ausliefer- und Kurierdienste, Handwerker und Dienstleister im städtischen Bereich, die andere Anforderungen an ihre Fahrzeuge stellen als an Fahrzeuge für die Langstrecke.
Antriebsseitig verfügen alle Varianten des neuen Modells über einen 110 kW starken Elektromotor an der Vorderachse, eine 56 kWh große LFP-Batterie im Unterboden (laut Ford ist das der nutzbare Netto-Energiegehalt) und bis zu 254 Kilometer WLTP-Reichweite. Das sei „mehr als die doppelte Distanz die 90 Prozent aller Nutzfahrzeuge dieses Segments durchschnittlich pro Tag zurücklegen“. Heißt also, dass es für Tagestouren ausreicht, aber häufig geladen werden muss. Mit einem 11 kW starken AC-Ladepunkt dauert es 4,5 Stunden, bis der Akku von zehn auf 80 Prozent geladen ist – über Nacht ist er also komplett voll. An einer DC-Ladestation kann der Akku mit bis zu 87 kW laden, der Standard-Ladevorgang von zehn auf 80 Prozent soll dann 33 Minuten dauern – ist also in einer typischen Mittagspause möglich. Ford Pro unterstützt seine Kunden bei der Konfiguration und der Installation entsprechender Lademöglichkeiten daheim oder am Firmenstandort.









Bei einem Transporter sind aber auch die Karosserie und der Nutzwert entscheidend. Das frontgetriebene Nutzfahrzeug kommt Ende des Jahres als Kastenwagen mit zwei verschiedenen Radständen und Höhen sowie als Fahrgestell mit Einzelkabine auf den Markt. In der größeren L2H2-Version (5,29 Meter Länge, 3,36 Meter Radstand) bietet der Transit City eine Ladelänge von mehr als drei Meter, eine zulässige Nutzlast von 1.275 Kilogramm und einen Stauraum von ca. acht Kubikmeter. Ebenso wie die kleinere L1H1-Variante (4,99 Meter Länge, 3,06 Meter Radstand) kann er drei Euro-Paletten gleichzeitig transportieren. „Ford Pro bietet den neuen Transit City in drei verschiedenen Karosserievarianten an, die unterschiedliche Einsatzprofile abdecken. Der kürzere L1H1-Kastenwagen eignet sich besonders für beengte Innenstadtbereiche, wenn Parkraum rar ist“, schreibt das Unternehmen. „Trotz seiner kompakteren Abmessungen kann er in seinem rund 6 m3 großen Laderaum drei Euro-Paletten aufnehmen und bis zu 1.085 kg aufladen.“
Eine Anhängerkupplung wird es bei dem Budget-Modell jedoch nicht geben. Wer mit seinem Elektro-Transporter auch Lasten ziehen will, muss Ford-intern zum e-Transit Custom greifen. Dort sind bis zu zwei Tonnen Anhängelast möglich.
Um die Kosten niedrig zu halten, verfügen die beiden Kastenwagen-Versionen über eine „universale“ Ausstattung, wie es Ford Pro bezeichnet – aufpreispflichtige Extras wird es nicht geben. Die einheitliche Konfiguration hält die Komplexität gering, soll aber nicht an den wesentlichen Elementen sparen. Sie beinhaltet zum Beispiel einen strapazierfähigen Frachtraumboden, halbhohe Seitenwandverkleidungen und sinnvoll angeordnete Verzurrösen. Ab Werk ist etwa auch eine Sitzheizung verbaut, da diese laut Ford Pro im innerstädtischen Stop-and-Go-Verkehr „sich bei kühlen Temperaturen als wirkungsvoller erwiesen hat als die Kabinenheizung“ – bis zu 200 Mal steigen Kurier- und Auslieferungsfahrer pro Tag in ihren Transporter ein und wieder aus. In der Kabine gibt es auch einen zwölf Zoll großen Touchscreen mit Apple Carplay und Android Auto.
Was Ford in der Mitteilung nicht angibt, ist die Herkunft des Modells. Denn es handelt sich nicht um eine abgespeckte Version des e-Transit Custom mit LFP-Akku und einfacherer Ausstattung, sondern um ein gänzlich anderes Modell, das im Kern nicht einmal von Ford stammt: Laut der „Auto, Motor und Sport“ stammt der neue Transit City „von einem chinesischen Partner“ – und zwar Jiangling Motors, an dem Ford 32 Prozent der Anteile hält. Mit dem in Fernost eingekauften Modell will Ford Pro jene Kunden erreichen, denen der e-Transit Custom (ab 58.905 Euro brutto) zu teuer ist. Die genauen Preise des Transit City nennt Ford zwar noch nicht, das Modell soll aber zwischen dem e-Transit Custom und dem kleinen e-Transit Courier liegen – was also rund 47.000 Euro Brutto-Listenpreis ergeben würde.
So will Ford Pro, derzeit europaweiter Marktführer im Transporter-Segment, die Kunden in der eigenen Markenwelt halten können. Denn im Elektro-Segment haben chinesische Marken bereits günstigere Modelle im Angebot und Kia hat mit dem PV5 Cargo – hier unser Fahrbericht der Passenger-Version – ebenfalls ein sehr gut eingepreistes Modell. Die Bestandskunden will Ford auch damit locken, dass der Transit City wie die bestehenden Modelle in das eigene Ökosystem eingebunden werden kann, etwa mit Ford Pro Telematics.
Der Bestellstart soll im zweiten Quartal erfolgen, die Auslieferungen dann gegen Ende des Jahres anlaufen. Dazwischen, im September, soll auf der IAA Transportation in Hannover die Publikumspremiere erfolgen.





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