VW-Vorstand will mittelfristig offenbar vier deutsche Werke schließen
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Das Manager Magazin berichtet, dass weltweit in den nächsten Jahren im Volkswagen-Konzern bis zu 100.000 der aktuell rund 657.000 Stellen wegfallen sollen – bisher war von 50.000 wegfallenden Arbeitsplätzen in Deutschland die Rede. In diesem Zuge könnten die eingangs genannten vier Fabriken geschlossen werden. Auch gibt es die Überlegung, die Marke VW in eine neue Gesellschaft auszugliedern. Bei diesem Gesamtszenario beruft sich das Wirtschaftsmagazin auf einen Plan, den Volkswagen-Chef Oliver Blume seinen Topmanagern bei der jüngsten Vorstandssitzung am Mittwoch präsentiert haben soll – und zwar unter dem Titel „Group Target Picture“ für 2030. Dem Manager Magazin selbst liegt diese Präsentation nicht vor, es beruft sich auf Insider, die die Inhalte weitergegeben haben. Der NDR erklärte heute im Laufe des Tages allerdings, dass ihm entsprechende Pläne des Vorstandes vorliegen.
Wird alles umgesetzt, „würde die Volkswagen AG ein neues Unternehmen“, so die Schlussfolgerung. Ein Siebtel aller weltweiten Stellen fiele weg. Der Konzern würde sich dem Kapitalmarkt öffnen – „und der Einfluss der Arbeitnehmer würde radikal beschnitten“, wie es weiter heißt. Wichtig: Wir verwenden hier viel Konjunktiv, schließlich handelt es sich bisher um ein internes Dokument. Dem Aufsichtsrat will Blume das radikalere Sanierungsprogramm offenbar am 9. Juli vorstellen. Unabhängig davon verfügt die Arbeitnehmerschaft des Konzerns über einen einflussreichen Betriebsrat, der hart gegen einen solchen Kurs kämpfen würde.
Zu den Werken: Angezählt wurden die deutschen VW-Fabriken in Hannover, Zwickau und Emden sowie das Audi-Werk in Neckarsulm bereits im April in einer Aufsichtsratssitzung – „wegen hoher Kosten“, wie das Manager Magazin schreibt. Der Vorstand soll nun bereit sein, alle vier mittelfristig zu schließen und in diesem Zuge dessen jeweils nur noch die aktuelle Modellgeneration dort bauen zu lassen. Danach soll Schluss ein, so die Insiderberichte. „Die bislang für die Werke geplanten Folgemodelle würden gestrichen oder in günstigeren Standorten gebaut.“
Zur Dimension dieser potenziellen Werksschließungen: „Allein an den vier Standorten arbeiten aktuell insgesamt gut 40.000 Männer und Frauen […]. Die Fabriken kommen auf eine jährliche Kapazität von rund 750.000 Autos“, heißt es in dem Bericht. Und was die Zeitschiene angeht: „Die Werke dürften die Produktion zumindest zum großen Teil erst nach 2030 einstellen, falls Blume die Modelle nicht früher auslaufen lässt. Das sei aber nicht geplant.“
Bei Zwickau und Emden handelt es sich um reine Elektroauto-Produktionsstandorte. Die Belegschaft in Zwickau produziert den VW ID.3, VW ID.4 und VW ID.5 sowie den Cupra Born und den Audi Q4 e-tron. Im Werk Emden laufen der VW ID.4, VW ID.7 und der VW ID.7 Tourer vom Band. In beiden Städten reduzierte Volkswagen bereits von je zwei auf eine Linie (mit je zwei Schichten), um Überkapazitäten abzubauen.
Das Volkswagen-Werk Hannover ist Hauptsitz von VW Nutzfahrzeuge und bringt die vollelektrische Baureihe ID. Buzz bzw. ID. Buzz Cargo sowie die Modelle der T-Baureihe (Multivan) hervor. Vor Ort gibt es zudem eine Batteriemontage. Und im Audi-Werk in Neckarsulm werden zurzeit vor allem Verbrenner- und Hybridmodelle von Audi gefertigt. In den Böllinger Höfen läuft mit dem Audi e-tron GT aber auch ein vollelektrischer Sportwagen vom Band. Wir erinnern uns: Im Februar 2025 wurde bereits das Audi-Werk in Brüssel geschlossen.
Als dritte nach außen gedrungene Sanierungs-Säule neben dem Jobabbau und den drohenden Werksschließungen nennt das Manager Magazin eine völlige Neuordnung des Konzerns: Sowohl die Kernmarke VW als auch die in der Einheit „Komponenten“ zusammengefassten Werke zur Teilefertigung sollen demnach „aus dem aktuellen Konzernverbund herausgelöst und in eigene Gesellschaften eingebracht werden“. Diese seien wiederum „einfacher am Kapitalmarkt zu platzieren“. Nähere Details liegen zu diesem Punkt noch nicht vor.
Klar ist: Der durchgesickerte Plan würde die bisherigen Sanierungs-Roadmap des Volkswagen-Konzerns massiv verschärfen. Dabei hat der Wolfsburger Konzern unter Blume schon in den vergangenen beiden Jahren einen strikten Sparkurs verfolgt. 2024 sollen so 15 Milliarden Euro, 2025 18 Milliarden Euro auf an Einsparungen zusammengekommen sein. Grundlage dafür war eine historischen Einigung zwischen der Konzernspitze und dem Betriebsrat, die sich Ende 2024 zunächst darauf verständigt hatten, bis 2030 rund 35.000 Jobs zu streichen. Später wurden daraus vor allem durch angekündigte Sparkurse bei Audi, Porsche und der Softwaretochter Cariad 50.000 Konzern-Stellen.
Dass Blume und sein Team den Rotstift nun nochmal wesentlich radikaler ansetzen wollen, soll damit zusammenhängen, dass die Kosten massiver runter sollen: Ziel des CEO sei, die Sachgemeinkosten im Konzern bis 2030 um 11 Milliarden Euro zu senken, sagte ein Insider dem Manager Magazin. Allein das mache eine deutlich fünfstellige Zahl an Jobs aus und beträfe vor allem Verwaltung und Entwicklung. Dass Volkswagen seinen Sparkurs noch einmal verstärken und dabei auch an Grundlagen rütteln würde, zeichnete sich übrigens ab. Schon im April berichtete die Automobilwoche von einer Aufsichtsratssichtung, in der offenbar unisono die Einschätzung herrschte, dass das eigene Geschäftsmodell trotz der laufenden Sparbemühungen „nicht mehr zukunftsfähig ist“.
Inzwischen liegt auch eine Stellungnahme der IG Metall vor. Sie kritisiert die Unruhe, die der Bericht das Manager Magazins auslöse. In einem gemeinsamen Statement äußern die sich die Erste Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, die VW-Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo und der für den VW-Haustarif zuständige IG Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger wie folgt: „Die erneuten Medienberichte verunsichern unsere Belegschaft und unsere Standortregionen zu Recht. Aber: Angriffe auf das VW-Gesetz, die Mitbestimmung und unsere Standorte sind unverantwortliche Drohungen. Sollten solche Pläne vorangetrieben werden, würden wir sie mit aller Macht verhindern.“ Entscheidend sei ohnehin etwas ganz Anderes: „Statt blinden Aktionismus zu zeigen, sollte der Vorstand endlich seinen Job machen und sich auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren: wettbewerbsfähige Produkte, Technologien, Konzernstrukturen und -synergien und damit auch sichere Beschäftigung.“
Darüber hinaus will sich das Trio interne, vertrauliche Unterlagen nicht kommentieren: „Die zu Grunde liegenden Sachverhalte werden in den zuständigen Gremien besprochen und verabschiedet. Diesem Prozess werden wir nicht vorgreifen.“ Richtig sei, dass die gesamte Automobilindustrie und die Volkswagen Group eine tiefgreifende Transformation durchlaufen. Auch der gesamte Konzern – inklusive Marken und Gesellschaften – müsse sich tiefgreifend verändern.





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