VW-Konzern arbeitet wohl an neuer Strategie für 2030

Dass Volkswagen sparen muss, ist schon lange bekannt. Der verschärfte Sparkurs soll nun wohl in einer neuen Strategie für 2030 münden, denn sowohl der Vorstand als auch der Aufsichtsrat sind offenbar zu der Einschätzung gekommen, dass das aktuelle Geschäftsmodell des Konzerns nicht mehr zukunftsfähig sei.

Volkswagen werk wolfsburg logo vw produktion montage
Bild: Volkswagen

Wie etwa die Automobilwoche unter Berufung auf Konzernkreise berichtet, seien beide Gremien bei einer Sitzung des Aufsichtsrats zu dieser „übereinstimmenden Einschätzung“ gekommen. Zwar habe es bei dem Treffen der Vorstände und Aufsichtsräte keine formalen Beschlüsse gegeben. Aber die Einschätzung, dass das eigene Geschäftsmodell trotz der laufenden Sparbemühungen nicht mehr zukunftsfähig ist, ist bemerkenswert. „Die Botschaft ist dennoch eindeutig: So wie bisher kann es nicht weitergehen“, schreibt die Automobilwoche.

„Wir müssen unser Geschäftsmodell grundlegend verändern und strukturelle, nachhaltige Verbesserungen erzielen“, zitiert auch die DPA Finanzvorstand Arno Antlitz aus einer internen Information des Vorstands an das weitere Top-Management. „Die Volkswagen-Group hat eine starke Substanz“, wird Konzernchef Oliver Blume (57) in der Management-Information zitiert. „Allerdings verdienen wir heute nicht genügend Geld mit unseren Fahrzeugen, um unsere Zukunft nachhaltig zu finanzieren.“

Mit dem nicht mehr zukunftsfähigen Geschäftsmodell ist nicht der Bau und Verkauf von Autos an sich gemeint, sondern die auf Deutschland fokussierte Ausrichtung des Konzerns: Modelle und Plattformen werden vorrangig hierzulande entwickelt und in Deutschland oder Europa gebaut – China ist mit seiner Historie und dem früheren Joint-Venture-Zwang anders gewachsen. Zwar betreiben die Wolfsburger auch in anderen Ländern Werke und eher kleinere Entwicklungsabteilungen, der jahrzehntelange Erfolg des Unternehmens fußt aber auf dem Export von in Europa gebauten Autos.

Dieses Geschäftsmodell ist in den vergangenen zehn Jahren zunehmend unter Druck geraten – der technologische Wandel hin zu Software, autonomen Fahren und elektrischen Antrieben, Handelsbarrieren durch Zölle, geopolitische Spannungen zwischen Regierungen mit Auswirkungen auf die Wirtschaft. Dabei haben sich Tempo und Intensität bei all diesen Faktoren spürbar verschärft.

Laut dem Bericht soll nun in den kommenden Wochen und Monaten „nach Wegen gesucht werden, dem Konzern wieder eine tragfähige Basis zu geben“. Es wird also über die bisher von VW-Chef Oliver Blume angekündigten Sparbemühungen hinausgehen, es wird wohl auch über „strukturelle Anpassungen und tiefgreifende Sparmaßnahmen“ diskutiert – was auch immer das am Ende für die Marken, Werke, Beschäftigten und Antriebs-Strategien bedeutet. Es zeichnet sich aber schon ab, dass eine stärkere Lokalisierung in großen Absatzmärkten Teil dieser neuen Strategie sein wird – gerade Audi und Porsche leiden besonders unter den US-Zöllen, da alle Fahrzeuge für den dortigen Markt aus Europa eingeführt werden müssen.

Während also die Frage nach einer US-Produktion von Audi und eventuell auch Porsche wieder aufkommen wird, gilt zudem als sicher, dass die globalen Fertigungskapazitäten von rund zwölf Millionen Fahrzeugen pro Jahr reduziert werden müssen. In einem Interview mit dem „Manager Magazin“ hatte Blume bereits eine realistische Absatzerwartung von rund neun Millionen Fahrzeugen jährlich als Zielmarke gesetzt – Werksschließungen wollte er damals aber nicht bestätigen, sondern sprach von „intelligenteren Methoden“ wie etwa den Plänen für die deutschen VW-Werke in Osnabrück und Dresden. Die Werke in Zwickau (ID.3, Born, Q4 e-tron), Emden (ID.4, ID.7) und die Fabrik von VW Nutzfahrzeuge in Hannover (ID. Buzz) stehen der Automobilwoche zufolge jedoch weiter unter Druck.

Auch Audi hat schon seine Fertigungskapazitäten in Ingolstadt und Neckarsulm gesenkt. Will Audi aber mit einem eigenen US-Werk in Nordamerika wachsen, könnte das die Auslastung in den deutschen Werken negativ beeinflussen. Zuletzt hatte Audi-CEO Gernot Döllner schon angedeutet, dass die im März 2025 vereinbarten Maßnahmen nicht ausreichen könnten. Wie erwähnt gibt es derzeit noch keine Beschlüsse, aber Audi sah sich dennoch genötigt, Gerüchte über eine mögliche Schließung des Werks Neckarsulm zu dementieren: „Aktuell gibt es keine Entscheidung zu weiteren Sparmaßnahmen oder gar Werkschließungen.“

Bis zum Sommer will der Konzern die immer wieder verschobene „Planungsrunde“ abschließen, also die wichtige Belegung der Werke. Dann wird sich vielleicht rückblickend zeigen, wie wichtig in dem Audi-Statement das Wort „aktuell“ ist.

automobilwoche.de, manager-magazin.de (DPA-Meldung)

4 Kommentare

zu „VW-Konzern arbeitet wohl an neuer Strategie für 2030“
Musicman
29.04.2026 um 09:26
Die Einschätzung ist schwer nachvollziehbar in der gegenwärtigen Marktsituation. Wenn Händler aufgrund der starken Nachfrage nicht einmal mehr schaffen interessierte Kunden zurück zu rufen wird es wohl nicht mehr lange dauern bis Lieferzeiten auch im VW Konzern mal wieder steigen. Bei Audi Elektromodellen soll wohl die Lieferzeit bereits auf über 12 Monate gestiegen sein. Ich habe immer mehr den Eindruck man will gar keine Autos verkaufen.
Maik
29.04.2026 um 13:38
Leider nur eine subjektive Wahrnehmung von dir, der mit der aktuellen Faktenlage nicht übereinstimmt. Wäre die Nachfrage so überwältigend, wie in deinen Kommentator beschrieben, müsste der Konzern keine Kapazitäten abbauen, sondern sie ausweiten. Aktuell will VW 1 Millionen weniger Autos in Zukunft herstellen. Das Problem ist aktuell eher die mangelnde Rentabilität pro Fahrzeug und ein harter Wettbewerb, nicht ein Übermaß an Kundenanfragen, das nicht bewältigt werden kann.
Realist
30.04.2026 um 07:52
Verkaufen koennen und verkaufen wollen sind komplett verschieden.
erFahrer
30.04.2026 um 08:14
Im direkten Geschäftsmodell geht auch zuviel Kraft ins Marketing. Die Händler in den großen Städten lehnen sich seit Jahren zurück (vereinzelte Ausnahmen) und nehmen das Ergebnis freudig in IHREN Absatz - hier wäre die Kündigungswelle wirkmächtig(er). Insgesamt ist der Sparkurs wirklich nicht die Lösung bis 2030 ff. Das alte Modell „wir stellen die Maschine her und die anderen machen Rendite mit dem Verbrennen von Öl darin“, ist eben nicht mehr zukunftsfähig. Der Aktienanteil von Öl-Konzernen bei Autoproduzenten ist eh schon hoch. Auch ein Grund weshalb man am Verbrenner festhalten (muss). Umgekehrt sieht das völlig anders aus. VW hat mit Elli einen winzigen Anfang gemacht. Doch fehlen ihnen die wirklich Strommengen. Für die EU sollten Dimensionen von 100 TWh schnellst möglich erklommen werden. Logistic wie auch Privatkunden sollten günstigen Strom beziehen den nur der VW-Group Kunde erhält. Der Konzern hat hierfür alles in der Hand. Hardware incl Material für Großspeicher im fehlen lediglich das „Gold der Energiewirtschaft“ die Netze und hier ist zu investieren - Renditen von 25 % sind heute schon üblich. >> Mobilität bedeutet mehr und mehr, - Fahrzeug incl Energie. <<

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