VW-Chef Blume will eine Million Autos Kapazität abbauen
2019 bezeichnet Blume als „das letzte Jahr in einer berechenbaren Welt vor Corona“. Damals hat der VW-Konzern über alle Marken hinweg weltweit elf Millionen Autos verkauft. Investiert war der Konzern für zwölf Millionen Fahrzeuge pro Jahr, wie der VW-Chef im Interview mit dem Manager Magazin angibt. Im Schnitt eine sehr ordentliche Auslastung, auch wenn es zwischen den Werken natürlich immer Unterschiede gibt.
Nur: Seit der Corona-Krise verkauft VW nur noch rund neun Millionen Fahrzeuge pro Jahr, „in komplett veränderten Märkten“, wie Blume angibt. Gemäß der jüngsten Planungen muss der Konzern 20 Prozent sparen. „Die Zölle in den USA, der immense Wettbewerbsdruck in China, der geschrumpfte europäische Markt, jetzt der Krieg im Nahen Osten. Wer weiß, was als Nächstes kommt“, so Blume in dem Interview. „Diese Entwicklungen ziehen nicht einfach vorüber. Das ist die neue Normalität. Und der werden wir uns stellen.“
Bei den Produkten sieht der CEO sein Unternehmen „sehr wettbewerbsfähig“. Die operative Umsatzrendite von zuletzt 2,8 Prozent reiche aber nicht aus, „umfangreiche Investitionen aus eigener Kraft zu stemmen“. Daher will Blume an die Kosten, um den Konzern in einem herausfordernden Umfeld „selbst bei geringem Marktwachstum“ besser und robuster aufzustellen.
Das heißt: Bei neun Millionen verkauften Autos und einer Kapazität, um zwölf Millionen Autos zu bauen, gibt es massive und teure Überkapazitäten. „Überkapazitäten sind für unser Unternehmen langfristig nicht tragfähig. Und in der heutigen Markt- und Wettbewerbssituation ist die Volumenplanung der Vergangenheit unrealistisch“, so Blume klipp und klar. In China wurde bereits eine Kapazität von einer Million Fahrzeuge abgebaut, in Europa sollen es bei VW und Audi ebenfalls eine Million werden.
Emden und Zwickau laufen auf nur einer Linie
Zwar benennt Blume in dem Interview nicht einzelne Standorte, die auf der Kippe stehen. Und er unterscheidet nicht zwischen der Verbrenner- und Elektroauto-Produktion. In der Branche sind aber nicht nur die Überkapazitäten im Stammwerk Wolfsburg bekannt, sondern auch die Elektroauto-Fabriken in Emden und Zwickau laufen nicht unter Volllast – zwar wurden die Ende 2024 gefassten Pläne schon wieder leicht angepasst, perspektivisch steht Zwickau jedoch nur noch mit einem E-Modell da. Zuvor haben fünf Baureihen verschiedener Konzernmarken nicht ausgereicht, das Werk gut auszulasten. Und auch bei VW Nutzfahrzeuge in Hannover können die beiden verbliebenen Modelle ID. Buzz und T7 Multivan die Fabrik nicht auslasten.
„In Deutschland senken wir gerade gemeinsam mit dem Betriebsrat die Fabrikkosten – und erzielen dabei Fortschritte, wie es sie nie zuvor bei Volkswagen gegeben hat“, berichtet Blume. „Dennoch belasten uns weiter zu hohe Kapazitäten, die am Ende viel Geld kosten. Wir müssen einen geeigneten Weg erarbeiten, wie wir damit umgehen.“ Werksschließungen will er aber vermeiden und führt in dem Interview etwa das Beispiel Osnabrück an, wo wie beschlossen die Produktion von VW-Fahrzeugen enden, der Standort aber erhalten bleiben soll: „Wir verhandeln mit Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie, die dieses Werk nutzen und die Mitarbeiter weiter beschäftigen könnten. Das meine ich mit intelligent. Wir müssen Pfade entwickeln, auf denen wir auf ähnliche Art eigene Überkapazitäten verringern.“
Den Verkauf eines Werks an einen chinesischen Konkurrenten, der nach Europa drängt und mit einer EU-Produktion die Sonderzölle umgehen will, schließt Blume nicht grundsätzlich aus, dämpft aber auch Erwartungen an einen solchen Deal. Die VW-Werke gelten mit der Auslastung und Tarifverträgen als teuer – und für die chinesischen Unternehmen seien „natürlich die Fabrikkosten sehr relevant“.
Sparen will VW übrigens auch bei den Modellen – also deren Anzahl. Weltweit haben die Wolfsburger etwa 150 verschiedene Modelle im Angebot. Laut Blume sollen es perspektivisch unter 100 Modelle werden. „Das müssen wir zielgerecht über Marken, Regionen und Segmente ausplanen. Bei den Antrieben richten wir uns an den regionalen Märkten aus. Bei den Ausstattungsvarianten werden wir unser Angebot noch stärker fokussieren“, so der VW-Chef.
Mit dieser und vielen weiteren Maßnahmen soll es mit der Rendite wieder nach oben gehen – von zuletzt 2,8 Prozent auf ein „Ambitionsniveau“ von 8 bis 10 Prozent bis 2030, wie es Blume ausdrückt: „Vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen ist dieses Ambitionsniveau deutlich höher zu bewerten als alle bisherigen Ergebnisse und Ziele der Vergangenheit. Mit Blick auf die hohe Risikolage müssen wir uns aber ehrgeizige Ziele setzen.“
manager-magazin.de (Paywall)





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