Porsche enthüllt künftigen Formel-E-Rennwagen 975 RSE
Die Gen4-Rennwagen, die ab der der Saison 2026/27 in der elektrischen Rennserie zum Einsatz kommen werden, hatte die Formel E im vergangenen November vorgestellt. Obwohl das Fahrzeug in allen Belangen deutlich weiterentwickelt ist, bleibt es beim bekannten Konzept der Formel E: Das Auto an sich mit Chassis und den meisten Teilen des Fahrwerks sowie die Batterie sind für alle Hersteller und Teams gleich. Lediglich die Software und der E-Antrieb können frei entwickelt werden – und mit dem hinteren Elektromotor auch die dortige Aufhängungssysteme.
Mit dem 975 RSE hat Porsche Motorsport jetzt seine Interpretation der neuen Gen4-Regeln vorgestellt und das Auto auch schon zu ersten Testfahrten und Foto-Produktionen auf die Strecke geschickt. Die Gen4-Fahrzeuge sollen nichts weniger als „den bislang größten Performance-Sprung im elektrischen Motorsport“ bringen.
Während die Gen3-EVO-Fahrzeuge zumindest zeitweise im Qualifying und im sogenannten „Attack Mode“ mit einem Allradantrieb unterwegs waren (ansonsten wurde die für alle Teams einheitliche Antriebseinheit an der Front zur Rekuperation genutzt), erhalten die Gen4-Rennwagen einen permanenten Allradantrieb. Die von Lucid zugelieferte Front-Einheit bleibt bei 250 kW. Der von den Herstellern entwickelte Antrieb an der Hinterachse erstarkt auf 350 kW – macht 600 kW Systemleistung oder 816 PS.





Wichtig ist auch: Mit dem neuen, einheitlichen Chassis steigt bei den Rennwagen auch der aerodynamische Abtrieb. Die Gen4-Autos können schneller als Formel-1-Rennwagen beschleunigen und erreichen Geschwindigkeiten von mehr als 300 km/h. „Innerhalb von rund einem Jahrzehnt ist die Formel E so schnell geworden, dass wir nun aerodynamischen Abtrieb benötigen. Abtrieb geht jedoch mit Luftwiderstand einher und erhöht den Energieverbrauch“, sagt Olivier Champenois, Technischer Projektleiter Formel E bei Porsche Motorsport. Die Lösung: Es gibt künftig zwei Aero-Pakete: Eines mit weniger Abtrieb (und Luftwiderstand) für die Rennen, um möglichst effizient unterwegs zu sein. Und eines mit viel Abtrieb für die Qualifikation, um die maximale Performance der Gen4-Autos zu demonstrieren.
Die Leistung und Effizienz des Antriebs haben bei der Entwicklung des 975 RSE für Porsche übrigens nur eine untergeordnete Rolle gespielt – schon der „alte“ 99X Electric hatte einen Wirkungsgrad im Antriebsstrang von „weit über 97 Prozent“. „Weil die Wirkungsgrade sich der Perfektion annähern, rückten im GEN4-Lastenheft andere Themen weiter nach oben, darunter Potenziale bei Gewicht, der Dauerhaltbarkeit und den Kosten – ähnlich wie bei EVs für die Straße“, so Champenois. „Der 975 RSE produziert 71 Prozent mehr Maximalleistung als sein Vorgänger. Gleichzeitig konnten wir viele Teile leichter machen.“
Porsches Motorsport-Chef Thomas Laudenbach geht zur Vorstellung des neuen 975 RSE nicht auf technische Details des neuen Rennwagens ein, sondern erinnert an die rasante Entwicklung der Formel E seit 2014. „Als die Meisterschaft im Jahr 2014 startete, brauchte jeder Fahrer zwei Autos pro Rennen. Eine Batterie allein reichte nicht für die gesamte Renndistanz. Das ist lange vorbei“, so Laudenbach. „Seit 2024 entwickeln wir einen Rennwagen, der uns auf Formel-2-Niveau bringt. E-Fahrzeuge rücken nicht nur an gewohnte Standards heran: Auch ihre Stärken und Vorteile werden immer deutlicher sichtbar – auf der Strecke und auf der Straße.“
Florian Modlinger, Gesamtprojektleiter Formel E bei Porsche, ergänzt: „Das Konzept bleibt gleich: Das Reglement fordert uns, die Effizienz unserer Fahrzeuge in allen Belangen zu maximieren. Die Rennen dürften aber noch attraktiver werden, weil die neuen Fahrzeuge deutlich schneller sind. Die Beschleunigung ist beeindruckend, und wir rechnen mit Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 335 km/h. Ich bin sehr gespannt, wie die Fans darauf reagieren werden.“





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