MAN und MVG bereiten Pilotbetrieb für autonomen E-Bus vor
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Dass in München einer autonomer Linienbus von MAN getestet werden soll, ist bereits seit 2023 bekannt: Damals wurde das Forschungsvorhaben MINGA (Münchens automatisierter Nahverkehr mit Ridepooling, Solobus und Bus-Platoons) vorgestellt, das vom Mobilitätsreferat der Landeshauptstadt München verantwortet und mit rund 13 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Verkehr (BMV) im Rahmen der Förderrichtlinie „Autonomes und vernetztes Fahren in öffentlichen Verkehren“ unterstützt wird.
Ursprünglich bereits für 2025 angekündigt, soll der autonome Solobus nun ab Herbst 2026 wirklich im Linienverkehr der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) im Stadtverkehr erprobt werden. In den vergangenen Monaten hat MAN einen vollelektrischen 12-Meter-Bus vom Typ Lion’s City 12 E zusammen mit seinem neuen Partner Adastec mit einem Automated Driving System (ADS) ausgestattet und dieses in die Elektronikarchitektur des Fahrzeugs integriert.
Interessant ist dabei die Formulierung „neuer Partner“, denn ursprünglich war Mobileye aus Israel als Technologiepartner vorgesehen, wie wir bereits in einem Deep Dive zu den Automatisierungsprojekten von MAN berichtet hatten. Auf Nachfrage von electrive heißt es dazu von MAN: „MAN und Mobileye arbeiten seit 2023 an autonomen Stadtbussen für den öffentlichen Nahverkehr und haben dabei viele wertvolle Erkenntnisse gewonnen. Beide Unternehmen werden ihre Vision über die aktuellen Pilotprojekte hinaus fortsetzen, mit dem Ziel eines industrialisierten AV-Programms, wobei sie die Synergien, die Mobileye mit anderen AV- und ADAS-Programmen innerhalb des VW-Konzerns schafft, voll ausschöpfen werden. Unabhängig davon setzt MAN für die Integration eines ADS-Systems im Rahmen des MINGA-Projekts auf die Zusammenarbeit mit Adastec.“
Bei Adastec, einem Unternehmen mit Wurzeln in der Türkei und den USA, handelt es sich um einen Anbieter, der sich auf Softwarelösungen für automatisiertes Fahren auf SAE-Level 4 für Busse und Nutzfahrzeuge spezialisiert hat. Adastec ist u.a. auch schon am Projekt Albus der Üstra in Burgdorf bei Hannover beteiligt. Dabei ist es für Adastec geübte Praxis, seine Technik in bereits vorhandene Fahrzeuge nachzurüsten. Dagegen fokussiert sich Mobileye – wie oben von MAN erwähnt – direkt auf die Industrialisierung seiner Lösungen. Das ist zum Beispiel beim Volkswagen ID. Buzz AD, der seit März in der Vorserienproduktion in Hannover direkt mit der Technologie von Mobileye ausgerüstet wird. Allein in diesem Jahr sollen so 500 Fahrzeuge mit der Technik ab Werk ausgestattet werden.

Der Lion’s City 12 E wurde für das MINGA-Projekt in jedem Fall mit fünf LiDAR -Sensoren, sechs Radaren, acht Kameras und GNSS (Global Navigation Satellite System) ausgestattet. Im Zusammenspiel mit der Software von Adastec wird der Elektrobus dadurch technisch in der Lage, automatisiert zu fahren. Aktuell finden bereits erste Erprobungsfahrten auf dem MAN-Gelände in München statt, bei denen unter anderem spezifische Fahrmanöver wie das Heranfahren an Bushaltestellen getestet werden. Ziel dieser Phase ist laut MAN die Feinjustierung des Systems, die Gewinnung von wichtigen Betriebsdaten sowie die weitere Optimierung der automatisierten Fahrfunktionen.
Der offizielle Pilotbetrieb der MVG soll im Herbst dann mit einer geschlossenen Nutzergruppe starten. „Das Fahrzeug wird dabei unter anderem eigenständig lenken, Gas geben, bremsen und blinken. Ein Sicherheitsfahrer ist an Bord, um die Systeme zu überwachen“, erklärt Dr. Michael Roth, Leiter Bus-Strategie und Produktstrategie Bus bei MAN. Dabei ist auch vorgesehen, das Feedback der Testnutzerinnen und -nutzer systematisch auszuwerten. Wann und unter welchen Voraussetzungen die Mitfahrt möglich ist, wollen die Partner rechtzeitig bekanntgegeben.
Automatisierte Busse sollen den Verkehr perspektivisch sicherer machen und zugleich auch das Problem des Personalmangels lösen. So sagte der scheidende Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) vor einiger Zeit zum Thema, die Stadt habe viele Busse, „aber niemanden, der sie fährt“. Autonome Busse könnten dieses Problem lösen.
Unterdessen will MAN die Erkenntnisse aus dem MINGA-Projekt direkt in die Weiterentwicklung zukünftiger Fahrzeuggenerationen einfließen lassen. MAN arbeitet bereits seit Jahren an fahrerlosen Bussen und plant, in der nächsten Dekade ein vollautomatisiertes Serienfahrzeug auf SAE-Level 4 auf den Markt zu bringen – für eine urbane Mobilität, die emissionsfrei, vernetzt und automatisiert ist. 2024 hatte MAN in unserem oben erwähnten Deep Dive dafür übrigens noch konkret 2030 als Zieljahr genannt.





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