
Erste Ausfahrt im neuen Cupra Born: Mehr als nur ein kompaktes Elektro-Sportmodell?
Der Cupra Born war schon zum damaligen Marktstart der emotionale Gegenentwurf im Konzernumfeld: gleiche Plattform, gleiche Technik – aber ein anderer Anspruch. Mit dem Facelift möchte Cupra genau das weiter zuspitzen. Mehr Design, mehr Leistung, mehr Gefühl. Die entscheidende Frage: Wie viel davon kommt im Alltag wirklich an?
Madrid liefert dafür die passende Bühne. Dichtes Stadtgewusel, Schnellstraßen und kurvige Abschnitte im Umland zeigen schnell, wie breit das Einsatzspektrum ist. Und sie zeigen auch: Der neue Born bleibt im Kern ein typisches MEB-Auto, interpretiert das bekannte Layout aber spürbar eigenständiger.
Das ist auch auf den ersten Blick zu sehen: Die neue „Sharknose“-Front, die prägnantere Lichtsignatur mit dreieckigen Elementen und das beleuchtete Logo am Heck sorgen für einen deutlich selbstbewussteren Auftritt. Während andere Vertreter der Plattform bewusst sachlich auftreten, sucht der neue Born klar die emotionale Bühne.
Während sich der Cupra beim Design sichtbar abheben will, ist das bei der Technik natürlich nur begrenzt möglich. Zwar wechselt der Born als erstes der bestehenden MEB-Modelle auf den überarbeiteten MEB+ und gibt so einen ersten Eindruck davon, was künftig auch der ID.3 Neo bieten wird. Aber am Ende ist Cupra an das gebunden, was die Konzern-Plattform hergibt. Zwar bietet Cupra (wenn möglich) die leistungsstärkeren Varianten, aber das ist eben der schon aus dem ID.3 GTX Performance bekannte Antrieb.









Beim Antrieb bietet Cupra weiterhin mehrere Leistungsstufen: vom Einstieg mit 140 kW und 58-kWh-Batterie über 170 kW mit großer 79-kWh-Batterie bis hin zur 240-kW-VZ-Version. Der Basisantrieb verfügt über den neuen Elektromotor APP350, der mehr Drehmoment und eine höhere Effizienz verspricht. Und es kommen wie berichtet erstmals LFP-Zellen zum Einsatz. In den anderen Varianten mit über 600 Kilometern Reichweite bleibt es aber bei den bekannten NMC-Batterien.
Die VZ-Version markiert die fahrdynamische Spitze der Baureihe – und stand für eine erste Testfahrt zur Verfügung. Mit dem 240 kW starken Antrieb reagiert der neue Born spürbar direkt auf Fahrpedalbewegungen. Schon nach den ersten Metern fällt mir auf, wie wenig Pedalweg nötig ist, um kräftigen Vortrieb zu erzeugen. Per Launch Control legt er beim Start noch einmal deutlich nach – der Antritt ist dann spürbar schärfer und unterstreicht den sportlichen Anspruch. Wie oft man das im Alltag nutzt, bleibt eine persönliche Entscheidung – Spaß macht es in jedem Fall.
Neu ist zudem das One-Pedal-Driving. Über die stärkste Rekuperationsstufe lässt sich der Born im Alltag weitgehend über das Fahrpedal steuern. Nach kurzer Eingewöhnung funktioniert das im dichten Stadtverkehr erstaunlich gut und sorgt für einen gleichmäßigeren Fahrfluss und ist gerade im Stop-and-Go ein echter Komfortgewinn.
Auf Schnellstraßen überzeugt der neue Born mit souveränem Durchzug und stabilem Geradeauslauf. Ein kurzer Tritt aufs Pedal genügt und Überholmanöver sind schnell erledigt. Das Fahrverhalten bleibt auch bei höheren Geschwindigkeiten ruhig und kontrolliert. Seine Stärken spielt er jedoch auf kurvigen Landstraßen aus: Der Heckantrieb sorgt für eine ausgewogene Balance und die Lenkung ist direkt abgestimmt. Zusammen mit den adaptiven Dämpfern ergibt sich ein Fahrverhalten, das Komfort und Sportlichkeit angenehm verbindet – mit einer klar sportlicheren Auslegung als im sachlicher abgestimmten Pendant innerhalb der Baureihe.
Die Fahrmodi verändern den Charakter spürbar. Während „Range“ und „Comfort“ auf Effizienz ausgelegt sind, wirkt der Born in den sportlicheren Modi deutlich schärfer. Die akustische Inszenierung über das optionale Soundsystem unterstützt diesen Eindruck, wirkt stellenweise aber auch bewusst erzeugt. Ein Teil der Sportlichkeit entsteht also nicht nur technisch, sondern auch über die Inszenierung.
Beim Verbrauch bewegt sich der neue Born VZ mit offiziell rund 14 bis 16 kWh pro 100 Kilometer auf einem ordentlichen Niveau für diese Leistungsklasse. In der Praxis hängt vieles von der Fahrweise ab: Wer das Leistungsplus regelmäßig abruft, wird deutlich darüber liegen, während eine zurückhaltende Fahrweise Werte nahe der Norm ermöglicht. Reichweiten von bis zu rund 600 Kilometern (je nach Variante) und eine DC-Ladeleistung von bis zu 185 kW sorgen dafür, dass auch längere Strecken problemlos möglich sind.
Endlich wieder echte Tasten am Lenkrad
Nicht nur beim Antrieb, sondern auch im Innenraum fallen die Verbesserungen im Alltag sofort auf. Die Rückkehr zu echten Tasten am Lenkrad und klassische Fensterheber machen die Bedienung wieder deutlich intuitiver – ein Schritt, der derzeit fast überall im VW-Konzern so durchgezogen wird. Der zentrale 12,9-Zoll-Touchscreen bleibt das Steuerungszentrum, reagiert aber schneller und wirkt ausgereifter als in frühen Ausbaustufen. Ergänzt wird das durch ein größeres Digitalcockpit und – je nach Ausstattung – ein Head-up-Display.
Auch bei den Materialien legt Cupra nach – das Hartplastik-Feeling der ersten MEB-Generation war bekanntlich ein großer Kritikpunkt. Recycelte Stoffe und neu gestaltete Oberflächen werten den Innenraum spürbar auf, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Die serienmäßigen Schalensitze der VZ-Version bieten guten Seitenhalt bei weiterhin ordentlichem Komfort, die Sitzposition ist angenehm tief und sportlich. Im Fond sorgt der flache Fahrzeugboden für viel Platz, auch wenn der Einstieg für größere Personen etwas Aufmerksamkeit verlangt.
Der Einstieg beim neuen Born liegt bei 35.990 Euro, die VZ-Version startet bei 46.990 Euro.
Fazit
Am Ende zeigt sich: Der neue Cupra Born bleibt technisch eng mit dem bekannten Konzernbaukasten verwandt, nutzt den Spielraum aber konsequent aus. Er fühlt sich nicht komplett anders an – aber anders genug, um sich klar zu positionieren. Der Born möchte kein nüchternes Elektroauto sein, sondern ein emotionales. Die Optik, die direktere Abstimmung und die bewusst gesetzten Design- und Soundelemente heben ihn klar hervor.




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