VW arbeitet wohl an neuem Produktionssystem

Der Volkswagen-Konzern arbeitet laut einem Bericht an einem neuen Produktionsverfahren mit dem vielsagenden Namen „Gamechanger“. Damit wollen die Wolfsburger ihre Wettbewerbsfähigkeit in der Elektromobilität deutlich steigern. Doch noch sind die Umfänge unklar.

volkswagen wolfsburg 2019 01
Bild: Volkswagen

Dass Volkswagen sein europäisches Produktions-Netzwerk umkrempelt, Kapazitäten abbauen und vor allem die Kosten der Werke senken will, ist seit Monaten eines der großen Themen in Wolfsburg. Ein Hebel, um günstiger zu produzieren, ist natürlich der Abbau der Überkapazitäten. Doch mit der Einführung der kommenden Elektro-Plattform SSP und der Verlagerung der Golf-Fertigung nach Mexiko will Volkswagen laut einem Medienbericht die Chance nutzen, und im Stammwerk Wolfsburg gleich ein neues Produktionsverfahren etablieren, um schneller und effizienter zu werden.

Wie die Automobilwoche berichtet, sollen mit dem Großprojekt „Gamechanger“ die Kosten deutlich sinken, um günstigere Elektroautos auch in Deutschland zu bauen. Noch werde das Projekt hinter den Kulissen vorangetrieben, laut Konzernkreisen arbeiten aber schon viele Mitarbeiter daran.

Nur: Wie groß das Projekt wirklich ausfällt und wie tiefgreifend die Veränderungen dann tatsächlich werden sollen, steht noch nicht fest. „Die Investition ist gigantisch. Daher wird noch überlegt, wie tief das Projekt gehen soll“, zitiert die Automobilwoche einen Insider. „,Gamechanger‘ wird kommen. Nur die Ausmaße sind noch unklar.“

Aktuell soll etwa die genaue Höhe des Investitionsvolumens noch nicht final beschlossen sein. Das Projekt ist aber – schließlich ist das Stammwerk Wolfsburg betroffen – auf höchster Ebene angesiedelt. Im Vorstand soll Christian Vollmer als Produktionsvorstand der Treiber von „Gamechanger“ sein. Auf der anderen Seite achtet Finanzvorstand Arno Antlitz genau auf die Kosten. Diese Verhandlungen im Top-Management könnten darüber entscheidend, wie umfassend und schlagkräftig „Gamechanger“ tatsächlich wird – allerdings bedeutet ein höheres Budget nicht zwingend schlechtere Ergebnisse.

Details, was „Gamechanger“ alles umfassen wird, sind noch nicht bekannt. Als gesichert gilt aber, dass Produktionsverfahren wie der Großguss dazugehören werden. Das auch als Megacasting bezeichnete Verfahren ermöglicht es, weite Teile der Karosserie aus nur wenigen großen Gussteilen zusammenzusetzen, die bisher aus vielen ineinander gefügten Einzelteilen bestehen. Als Pionier dieses Ansatzes in der Autobranche gilt Tesla, inzwischen haben aber viele Hersteller ähnliche Produktionstechniken eingeführt – etwa Volvo beim neuen EX60.

Bei VW soll „Gamechanger“ eine „fundamentale Neuausrichtung“ werden, wie die Automobilwoche schreibt. Auf Basis der SSP sollen in Wolfsburg ein elektrischer Golf und ein SUV-Pendant gebaut werden. Gemäß der aktuellen Logik würde der E-Kompaktwagen dann den Namen „ID. Golf“ erhalten. Da aus dem kleineren VW T-Cross der elektrische ID. Cross wird, könnte das Golf-SUV statt T-Roc also „ID. Roc“ heißen – bestätigt ist das aber nicht.

In der vergangenen Woche hatten der VW-Aufsichtsrat und der Vorstand bei einer gemeinsamen Sitzung zu der bemerkenswerten Einschätzung gekommen, dass das aktuelle Geschäftsmodell des Konzerns nicht mehr zukunftsfähig sei. Der verschärfte Sparkurs soll wohl auch in einer neuen Strategie für 2030 münden, wozu auch ein effizienteres und schnelleres Produktionsverfahren passen würde. Welche Auswirkungen „Gamechanger“ jedoch auf die Beschäftigung haben wird, geht aus dem Bericht noch nicht hervor.

automobilwoche.de

9 Kommentare

zu „VW arbeitet wohl an neuem Produktionssystem“
Hans Wurst
04.05.2026 um 12:07
Ob wir dann in Deutschland auch irgendwann mal ein normales E-Auto für 10-20k€ bekommen wie China? Unwahrscheinlich...
EdgarW
05.05.2026 um 18:29
Wie viele (anteilig) Fabrikarbeiter in China können sich das Auto, das sie selbst herstellen leisten, und wie viele sind das in Deutschland? Der Preis besteht halt nicht nur aus der blanken Summe in einer bestimmten Währung, sondern auch aus der Relation zum eigenen Einkommen. Und Freizeit hat auch ihren Wert.
Philipp
05.05.2026 um 11:05
wenn wir dann auch alle 12 Stunden am Tag, 6 Tage die Woche für ein viertel bis die Hälfte unserer heutigen Löhne Arbeiten, ist das sicher möglich. Aber im Verhältnis zum Einkommen sind die Autos dann trotzdem teurer als heute ...
Robert
04.05.2026 um 13:46
"Abbau der Überkapazitäten" das heißt wohl vor allem massiver Abbau von Arbeitsplätzen in Deutschland
Jörg
05.05.2026 um 05:10
wohl ein bisschen spät oder? Das Game haben bereits andere gechanged.....
tisi
05.05.2026 um 08:02
Der Erfinder des Big Casting kam von VW. Im kleineren Umfang bzgl. der Teilegröße, aber gleiches Prinzip und riesige Jahresstückzahlen. Für größere Teile hat es dann der Ami genutzt. Typisch... https://ethz.ch/content/dam/ethz/special-interest/mtec/pom-dam/POM_Network/ERFA_Rueckblicke/prozessinnovation.pdf
dare100em
07.05.2026 um 11:43
"Gigacast" hat Vor- und Nachteile, grundsätzlich bessere Autos produziert es eher nicht, insbesondere steigen die Scahdenskosten exorbitant.Es macht in bestimmten Bereichen (Hinterwagen) durchaus Sinn, weil ich komlexe Karrobauketten reduziere.Der alleinige "Gamechanger" ist es sicher nicht. Für hochwertige Fahrzeuge wird es aufgrudn mangelnder Verwindungssteifigkeit E-Modil 70 GPa Alu-Guss zur 210 GPa Stahl ganz schwierig .
Peter Kass
05.05.2026 um 10:54
Höchste Zeit, wenn nicht schon zu spät, dass VW aufwacht. Die Themen der effizienten flexiblen Produktion, Minimierung der Varianten-Vielfalt wurde in meinem Arbeitsumfeld schon seit den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts diskutiert. Seit den 2010er Jahren ist die IT eigentlich schon bestens gerüstet, und Tesla setzt das schon seit Jahr(zehnt)en um. Und das Thema hat ja gar nichts mit der Elektro-Mobilität zu tun. Dass Europa hier auch zu spät dran ist, ist nur ein zusätzliches Erschwernis. Dass die Marge bei einem Golf nur ein paar hundert Euro betrug, war egal, weil eh so viel davon verkauft wurden. Aber wenn alles gut läuft, dann lässt es sich leicht bequem zurücklehnen. Zukunftsgerichtet oder gar visionär ist das leider nicht. Mal sehen, ob VW bzw. Europa die Kurve kratzen kann. VW hat zumindest genug Geld, um durch einige Krisen zu kommen. Es braucht jetzt nur die richtigen Entscheidungen.
Birne
06.05.2026 um 17:33
VW hat vorallem sehr viele Schulden und kann dadurch Geld ausgeben. Wenn die Zinsen weiter steigen wirds mit dem ausgeben schwerer. 34,2 Mrd free Cashflow ist nicht viel für so ein großen Konzern wo gleichzeitig 265 Mrd Schulden gegenüber stehen.

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