VW arbeitet wohl an neuem Produktionssystem
Dass Volkswagen sein europäisches Produktions-Netzwerk umkrempelt, Kapazitäten abbauen und vor allem die Kosten der Werke senken will, ist seit Monaten eines der großen Themen in Wolfsburg. Ein Hebel, um günstiger zu produzieren, ist natürlich der Abbau der Überkapazitäten. Doch mit der Einführung der kommenden Elektro-Plattform SSP und der Verlagerung der Golf-Fertigung nach Mexiko will Volkswagen laut einem Medienbericht die Chance nutzen, und im Stammwerk Wolfsburg gleich ein neues Produktionsverfahren etablieren, um schneller und effizienter zu werden.
Wie die Automobilwoche berichtet, sollen mit dem Großprojekt „Gamechanger“ die Kosten deutlich sinken, um günstigere Elektroautos auch in Deutschland zu bauen. Noch werde das Projekt hinter den Kulissen vorangetrieben, laut Konzernkreisen arbeiten aber schon viele Mitarbeiter daran.
Nur: Wie groß das Projekt wirklich ausfällt und wie tiefgreifend die Veränderungen dann tatsächlich werden sollen, steht noch nicht fest. „Die Investition ist gigantisch. Daher wird noch überlegt, wie tief das Projekt gehen soll“, zitiert die Automobilwoche einen Insider. „,Gamechanger‘ wird kommen. Nur die Ausmaße sind noch unklar.“
Aktuell soll etwa die genaue Höhe des Investitionsvolumens noch nicht final beschlossen sein. Das Projekt ist aber – schließlich ist das Stammwerk Wolfsburg betroffen – auf höchster Ebene angesiedelt. Im Vorstand soll Christian Vollmer als Produktionsvorstand der Treiber von „Gamechanger“ sein. Auf der anderen Seite achtet Finanzvorstand Arno Antlitz genau auf die Kosten. Diese Verhandlungen im Top-Management könnten darüber entscheidend, wie umfassend und schlagkräftig „Gamechanger“ tatsächlich wird – allerdings bedeutet ein höheres Budget nicht zwingend schlechtere Ergebnisse.
Details, was „Gamechanger“ alles umfassen wird, sind noch nicht bekannt. Als gesichert gilt aber, dass Produktionsverfahren wie der Großguss dazugehören werden. Das auch als Megacasting bezeichnete Verfahren ermöglicht es, weite Teile der Karosserie aus nur wenigen großen Gussteilen zusammenzusetzen, die bisher aus vielen ineinander gefügten Einzelteilen bestehen. Als Pionier dieses Ansatzes in der Autobranche gilt Tesla, inzwischen haben aber viele Hersteller ähnliche Produktionstechniken eingeführt – etwa Volvo beim neuen EX60.
Bei VW soll „Gamechanger“ eine „fundamentale Neuausrichtung“ werden, wie die Automobilwoche schreibt. Auf Basis der SSP sollen in Wolfsburg ein elektrischer Golf und ein SUV-Pendant gebaut werden. Gemäß der aktuellen Logik würde der E-Kompaktwagen dann den Namen „ID. Golf“ erhalten. Da aus dem kleineren VW T-Cross der elektrische ID. Cross wird, könnte das Golf-SUV statt T-Roc also „ID. Roc“ heißen – bestätigt ist das aber nicht.
In der vergangenen Woche hatten der VW-Aufsichtsrat und der Vorstand bei einer gemeinsamen Sitzung zu der bemerkenswerten Einschätzung gekommen, dass das aktuelle Geschäftsmodell des Konzerns nicht mehr zukunftsfähig sei. Der verschärfte Sparkurs soll wohl auch in einer neuen Strategie für 2030 münden, wozu auch ein effizienteres und schnelleres Produktionsverfahren passen würde. Welche Auswirkungen „Gamechanger“ jedoch auf die Beschäftigung haben wird, geht aus dem Bericht noch nicht hervor.





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