Depotcharge: Schweiz ebnet Weg für Lkw-Ladedepot-Sharing im großen Stil
Mit dem Utopia-Projekt initiieren der Schweizer Netz- und Energiekonzern Repower und die beiden Logistikspezialisten DPD und G. Leclerc Transport einen offenen Rollout von Depotcharge, um das Depotladen bei Partnerunternehmen zu etablieren. Parallel lanciert der Schweizerische Nutzfahrzeugverband ASTAG mit ASTAG Charge ein geschlossenes Netzwerk, über das Verbandsmitglieder ihre Ladeinfrastruktur untereinander zugänglich machen können.
Technische und kommerzielle Basis beider Initiativen ist Depotcharge, ein von der Evolve Energy GmbH betriebene Plattform. „Depotcharge vernetzt Standortbetreiber, die über freie Ladekapazitäten verfügen, mit Flottenbetreibern, die kostengünstiges Laden abseits ihres eigenen Depots benötigen“, teilt das Münchner Unternehmen mit. Die neue Sharing-Plattform ging in der Schweiz Anfang des Monats ans Netz, seitdem können sich Logistiker mit Ladeinfrastruktur oder Bedarf für ihre Flotten bei Depotcharge registrieren. In Deutschland ist die Registrierung schon länger möglich.
Der Schweizer Auftakt erfolgt im Rahmen des gemeinsamen Projekts von Evolve Energy mit dem Utopia-Trio Repower, DPD, G. Leclerc Transport und ist Teil der Roadmap „Elektromobilität 2030“ des Schweizer Bundesamts für Energie. Insofern ist der Vorstoß auch vom Staat gefördert. Hintergrund ist, dass die Elektrifizierung von Lkw-Flotten in der Schweiz schnell voranschreitet – schneller als im Rest Europas. Die kleine Alpennation verzeichnete laut der neuesten ACEA-Statistik im ersten Quartal dieses Jahres 218 neu zugelassene E-Lkw ab 16 Tonnen (+137% YoY) und erreichte damit in dieser Gewichtsklasse einen E-Anteil von 25 Prozent (!). Das ist in Europa die Pole Position.
Doch: „Die neu entstehende Ladeinfrastruktur bleibt heute häufig unter ihrer möglichen Auslastung. Gleichzeitig laden Flottenbetreiber an öffentlichen Ladesäulen zu Preisen, die meist deutlich teurer sind als am Depot“, vergegenwärtigt Evolve Energy. Die neue Sharing-Plattform soll helfen, diese Lücke zu schließen. Das Prinzip ist einfach: „Depotcharge ermöglicht Unternehmen der Schwerverkehrs- und Logistikbranche, ihre Ladepunkte gemeinsam zu nutzen. Nicht ausgelastete Ladeslots können anderen registrierten Flottenbetreibern zur Verfügung gestellt werden. Diese schließen mit den Standortbetreibern Nutzungsvereinbarungen, buchen die gewünschten Zeitfenster und erhalten Zugang zu den Ladepunkten. Zugangszeiten und Preise
legen die Standortbetreiber individuell fest“, skizzieren die Verantwortlichen den Vorgang. Depotcharge übernehme die Zugangsabwicklung, Reservierung und vollautomatisierte Abrechnung.
Die Plattform ist herstellerunabhängig und lässt sich laut Evolve Energy in ein bis zwei Wochen in bestehende Ladeinfrastruktur integrieren, ohne dass Hardware- oder Software-Änderungen am Standort notwendig sind. „Die Vorteile liegen auf der Hand: eine höhere Auslastung bestehender Ladepunkte, eine bessere Wirtschaftlichkeit der Investitionen und Fahrzeugflotten sowie mehr Sicherheit in der Tourenplanung“, zählen die Münchner auf. Zugleich sinke der Bedarf an zusätzlichem Netzausbau deutlich.
Depotcharge ist in Deutschland bereits verfügbar und wird von Evolve Energy als europaweite Plattform für das geteilte Laden von E-Lkw am Depot aufgebaut. Ziel des gemeinsamen Utopia-Projekts ist nun aber erst einmal der Aufbau eines flächendeckenden und partnerschaftlich genutzten Depot-Ladenetzwerks in der Schweiz. Cornelia Eltrich, Marketing & Kommunikation Manager E-Mobility bei Projektteilnehmer Repower, äußert sich dazu wie folgt: „Repower begleitet seit Jahren den Aufbau von Ladehubs für den Schweizer Schwerverkehr. Damit sich diese Investitionen wirtschaftlich tragen, muss die vorhandene Kapazität bestmöglich genutzt werden. Depotcharge schafft den kommerziellen Rahmen dafür und eröffnet unseren Kunden eine zusätzliche Einnahmequelle aus bereits getätigten Infrastrukturinvestitionen.“
Und Ville Heimgartner, Senior Project & Sustainability Manager bei DPD Schweiz, ergänzt: „Für DPD Schweiz ist die Elektrifizierung unserer Flotte ein klarer strategischer Kurs. Entscheidend ist dabei die Kosteneffizienz im Ladebetrieb und die Planbarkeit unserer Touren. Mit Depotcharge erhalten wir Zugang zu Ladepunkten entlang unserer Routen zu deutlich günstigeren Konditionen als im öffentlichen Netz.“
Ein zweites Projekt ist in der Schweiz ebenfalls schon angestoßen: Der Schweizerische Nutzfahrzeugverband ASTAG setzt für sein Mitgliederangebot ASTAG Charge ebenfalls auf Depotcharge als Plattform. Hier können sich aber nur Mitglieder vernetzen. Auf seiner Webseite gibt der ASTAG an, auf 3.700 Mitglieder und Partnerorganisationen in der ganzen Schweiz zu kommen, die insgesamt 30.000 Nutzfahrzeuge im Güter- und Personentransport betreiben.
Mit dem Sharing-System auf Basis von Depotcharge sollen laut ASTAG für Standortbetreiber durch die Öffnung ihrer Ladeinfrastruktur „50 Prozent zusätzliche Einnahmen durch Monetarisierung ungenutzter Ladekapazität“ drin sein. Flottenbetreibern wiederum stellt der Verband „50 Prozent Kostenersparnis gegenüber öffentlicher Ladeinfrastruktur“ in Aussicht. Damit verbunden ruft der Verband die Logistiker und Spediteure im Land auf, „Teil eines wachsenden Netzwerks von ASTAG-Mitgliedern in der ganzen Schweiz zu werden, um „gemeinsam die Zukunft des Ladens zu gestalten“.
Quelle: Infos per E-Mail, depotcharge.com (PDF), astag-charge.ch (ASTAG Charge)





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