Alpitronic erhöht CCS-Ladeleistung des HYC1000-System auf 1.000 kW
Mit dem Marktstart des HYC1000 im vergangenen Jahr hatte Alpitronic erstmals ein dezentrales Ladesystem mit bis zu einem Megawatt Gesamtleistung eingeführt. Die acht 125-kW-Power-Stacks mit einer Granularität von 62,5 kW sitzen dabei nicht in der Ladesäule, sondern in einem zentralen Power Cabinet. Von dort aus wird die Leistung dynamisch auf die angeschlossenen Ladepunkte verteilt.
Bisher konnten die dazugehörigen Ladesäulen, die sogenannten Dispenser, mit bis zu zwei CCS-Steckern mit jeweils maximal 600 A und 600 kW, einem MCS-Stecker mit maximal 1.500 A und 1.000 kW oder mit je einem CCS- und einem MCS-Stecker geordert werden. Die volle Megawatt-Leistung stand bislang an einem einzelnen Ladepunkt also nur über den MCS-Anschluss bereit.
Der neue High Performance Dispenser, kurz HP Dispenser, soll dies ändern. Über einen einzelnen CCS-Anschluss stellt er laut Alpitronic Ströme von mehr als 1.000 A und Ladeleistungen von bis zu einem Megawatt bereit. Der Dispenser arbeitet in einem Spannungsbereich von 150 bis 1.000 Volt. Auf der Produktseite nennt Alpitronic zudem 800 A ohne Derating.
Welchen CCS-Stecker der italienische Ladesäulenhersteller im neuen HP Dispenser nutzt, wird nicht mitgeteilt. Die genannten Leistungsdaten passen grundsätzlich zu dem 2025 vorgestellten CCS-Stecker von Phoenix Contact, der im Boost-Modus bis zu 1.000 kW und dauerhaft 800 kW ermöglichen soll. Ob genau dieses „Charx connect professional“-System zum Einsatz kommt, bleibt unklar. Dafür sprechen neben den Leistungsdaten jedoch auch die Renderings, auf denen neben dem für Phoenix Contact typischen Design auch das Logo des Unternehmens zu erkennen ist.

Das grundlegende Konzept des HYC1000 bleibt dabei erhalten: Das Power Cabinet verfügt über acht Ausgänge. Ein HP Dispenser belegt zwei dieser Ausgänge, sodass an einem Power Cabinet bis zu vier dieser Dispenser betrieben werden können. Die maximale Systemleistung bleibt aber bei einem Megawatt und wird zwischen den parallel ladenden Fahrzeugen aufgeteilt.
Auch gemischte Konfigurationen sollen möglich sein. Alpitronic nennt als Beispiel drei EV Dispenser mit jeweils zwei CCS-Steckern mit bis zu 600 kW sowie einen HP Dispenser mit CCS und bis zu 1.000 kW. Damit wären an einem Standort sieben Ladepunkte verfügbar, darunter eben jener CCS-Ladepunkt mit einer Ladeleistung von bis zu einem Megawatt.
Eine Vorstufe dieser Technik hatte Alpitronic bereits im vergangenen Jahr unter Extrembedingungen in Nardò erprobt. Bei der Rekordfahrt zweier Mercedes Concept AMG GT XX kam ein Prototyp des Ladesäulenherstellers zum Einsatz, der auf einem ursprünglich für Elektro-Lkw entwickelten MCS-Dispenser basierte. Alpitronic ersetzte dessen MCS-Kabel durch ein CCS-Kabel mit verbesserter Kühlung. So konnten die beiden Sportwagen bei mehreren Ladestopps mit durchschnittlich rund 850 kW geladen werden. In einem anschließenden Test erreichte der Prototyp laut Alpitronic eine Spitzenladeleistung von 1.041 kW bei einem Spitzenstrom von 1.176 A. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse seien in die Serienentwicklung des neuen HP Dispensers eingeflossen.
„Mit dem neuen HP Dispenser erweitern wir unseren HYC1000 um eine Lösung, die hohe Ladeperformance mit der Flexibilität eines verteilten Ladesystems kombiniert“, sagt Philipp Senoner, CEO von Alpitronic. „Kurze Ladezeiten sind für viele eine zentrale Voraussetzung für den Umstieg auf Elektromobilität. Wir sind stolz darauf, als europäisches Unternehmen das ultraschnelle Laden weiter voranzubringen und damit zusätzliche Argumente für elektrisches Fahren zu liefern.“
Die neue Variante wurde eigenen Angaben zufolge „für Elektro-Pkw mit besonders hoher Ladeleistung entwickelt“. Erste Modelle, die in der Spitze mehr als 400 kW abrufen können, gibt es bereits – auch wenn sie noch in der Minderheit sind. Dazu zählen unter anderem der neue Zeekr 7 GT, der mit bis zu 450 kW laden kann. Noch deutlich darüber liegt der Denza Z9GT: Das Modell der BYD-Premiummarke kann an den Flash Chargern des Konzerns mit bis zu 1.500 kW laden. BYD hat diese Technik kürzlich auch in Europa über CCS demonstriert. Mit mehr als 600 kW soll der vom Concept AMG GT XX inspirierte Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé laden können.
Auch wenn Alpitronic dies nicht explizit anspricht, könnte der neue HP Dispenser zudem in der Nutzfahrzeugbranche auf Interesse stoßen. Zwar setzen die Hersteller zunehmend auf MCS, um höhere Ladeleistungen zu ermöglichen. In der Breite ist diese Technik bei Fahrzeugen und Infrastruktur aber noch nicht angekommen. Für Nutzfahrzeuge, die vorerst weiterhin CCS nutzen, wären 1.000 kW damit zumindest infrastrukturseitig erreichbar.
Der HP Dispenser soll zunächst in Europa verfügbar sein. Einen Marktstart in den USA und Kanada kündigt Alpitronic für 2027 an.





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