Produktoffensive ab 2028: Stellantis will Volkswagen bei E-Kleinwagen herausfordern
Stellantis will sich verstärkt im Markt für kleine und erschwingliche E-Autos positionieren. Damit zielt der Mehrmarken-Konzern auf ein Segment, das der Volkswagen-Konzern ab diesem Jahr bekanntlich mit seiner E-Kleinwagenfamilie rund um den VW ID. Polo erschließen will. Noch geht Stellantis nicht ins Detail, aber fest steht, dass die Produktion elektrischer Kleinwagen mehrerer Stellantis-Marken 2028 im Werk in Pomigliano bei Neapel beginnen soll. Der Hersteller nennt die künftigen Fahrzeuge gemäß dem Projektnamen auch tatsächlich E-Cars.
Die technische Details bleiben noch im Verborgenen, wenngleich die Entwicklung angesichts des Startjahrs 2028 schon fortgeschritten sein dürfte. Die Baureihen „werden Technologien nutzen, die mit ausgewählten Partnern entwickelt werden, was die Fahrzeuge erschwinglicher machen und die Zeit bis zur Markteinführung verkürzen soll“, schreibt Stellantis ledglich und verweist ausdrücklich darauf, mit dem Projekt auf Pläne der EU zu reagieren, kleine und preiswerte E-Autos besonders zu fördern. Die EU-Kommission arbeitet zudem an einem Gesetzentwurf, wonach E-Autos für eine staatliche Förderung innerhalb der EU montiert werden und mindestens 70 Prozent ihrer Teile aus Europa beziehen müssen.
Entsprechend betont Stellantis, dass die E-Cars ab 2028 in Europa für Europa gebaut werden. Sie sollen „klein, innovativ, erschwinglich und vollelektrisch“ ausfallen und sich durch ein modernes Design abheben. Auch sollen sie „ganz in der europäischen Tradition entwickelt werden, allen Menschen individuelle Mobilität anzubieten.“ Hier versteckt sich ein Hinweis auf die Partner bei der Entwicklung. Denn Stellantis schreibt nicht von europäischer Entwicklung, sondern nur von einer Entwicklung gemäß der europäischen Tradition. Zusammen mit den Hinweisen auf die angestrebten niedrigen Kosten und die verkürzte Markteinführung, spricht viel dafür, dass Stellantis‘ Projektpartner also außerhalb Europas sitzen – möglicherweise in China.
Das wäre keine Überraschung, schließlich hat Stellantis erst diese Woche eine engere Kooperation mit Dongfeng angekündigt, bei der es um die Produktion von Jeep- und Peugeot-Modellen bei Dongfeng in China geht. Und noch keine zwei Wochen ist es her, dass offiziell bestätigt wurde, dass erstmals bei Opel die E-Auto-Technik von Stellantis-Partner Leapmotor verbaut werden soll. Auch zu den europäischen Stellantis-Marken Fiat und Peugeot gibt es ähnliche Gerüchte, diese wurden aber noch nicht bestätigt.
Später im Mai dürfte Stellantis-CEO Antonio Filosa seine neue Strategie bei einem Investoren-Tag präzisieren. Zuletzt gab es Insider-Berichte, wonach sich der internationale Mehr-Marken-Konzern auf vier Lead-Marken fokussieren will, in Nordamerika Jeep und Ram, in Europa Fiat für Kleinwagen und Peugeot als Allrounder-Marke. Von den von diesen Lead-Marken entwickelten Fahrzeugen sollen die anderen Marken dann ihre Modelle ableiten, so die Gerüchte. Ob dann auch Peugeot und Fiat als Lead-Marken Fahrzeuge von Leapmotor-Modellen ableiten oder ob das vorerst Opel überlassen wird, ist noch nicht bekannt.
Zurück zu den E-Cars: Stellantis bezeichnet deren Entwicklung als eine Antwort auf „den beispiellosen Rückgang des Segments der kleinen, erschwinglichen Autos in Europa in den letzten Jahren“. In den Worten von Stellantis-CEO Filosa klingt das wie folgt: „Das E-Car passt perfekt zum Erfolg im Kleinwagen-Segment, der tief in unserer europäischen Stellantis-DNA verwurzelt ist. Unsere Kunden wünschen sich eine Renaissance kleiner, stilvoller Fahrzeuge, die mit Stolz in Europa produziert werden und die zudem erschwinglich und umweltfreundlich sind. Stellantis kommt diesem Wunsch mit neuen spannenden Modellen mehrerer Marken nach. Die Produktion soll 2028 in unserem Werk im italienischen Pomigliano beginnen.“
In Pomigliano baut Stellantis aktuell den Fiat Panda/Pandina und den Alfa Romeo Tonale. Elektroautos laufen dort bisher nicht vom Band. Zum Zuschlag an das Werks äußert sich das Management nur insofern, als dass man damit „auch mit Blick auf das große Potenzial der Produktionsmengen an die lange Geschichte des Werks anknüpft“. So würden an dem Standort einige der bekanntesten und erschwinglichsten Fahrzeuge Europas zu produziert. Diese Aussage lässt sich dahingehend interpretieren, dass das „E-Cars“-Projekt neue Stromer in großem Umfang hervorbringen soll. Nicht umsonst spricht Stellantis auch von einem „bahnbrechenden Projekt“.





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