Stellantis fokussiert sich angeblich auf vier Kernmarken
Noch handelt es sich dabei nicht um vom Unternehmen bestätigte Informationen, sondern um einen Reuters-Bericht, der sich auf fünf anonyme Quellen bezieht. Klarheit dürfte es im kommenden Monat geben, denn es handelt sich bei den durchgestochenen Informationen angeblich um Inhalte des strategischen Plans von Stellantis-CEO Antonio Filosa, der im Mai offiziell bekannt gegeben werden soll.
Dem zufolge will Stellantis bei seinen 14 Marken offenbar ein Leader-Follower-Prinzip etablieren. Jeep, Ram, Peugeot und Fiat sollen den Insidern zufolge ein „erheblich“ aufgestocktes Budget erhalten, um die Entwicklung neuer Modelle voranzutreiben. Die anderen Marken sollen dann mit deutlich kleineren Budgets ihre Fahrzeuge von den Entwicklungen der jeweils passenden Kernmarke ableiten, so die Logik. Sie sollen „Mittel erhalten, um Modelle unter Verwendung der Technologie der vier Kernmarken zu bauen“, wie es in dem Reuters-Bericht ausgedrückt wird.
Bisher haben auch die Konzernmarken mit geringeren Absatzzahlen über eine gleichmäßigere Verteilung einen höheren Anteil des internen Investitionsbudgets erhalten. Das soll sich der angeblich neuen Marken-Ordnung nach ändern: Laut den Insidern sollen diese Marken „zu regionalen oder nationalen Marken in bestimmten Märkten, in denen sie bereits stark vertreten sind oder Potenzial haben“, umgebaut werden.
Was das für die einzelnen Marken – darunter Opel, Citroen, Alfa Romeo und Maserati – genau bedeuten wird, geht aus dem Bericht noch nicht hervor. Möglicherweise wird es hier erst die Details geben, wenn Antonio Filosa im Mai die neue Strategie vorstellt. Stellantis erklärte gegenüber Reuters lediglich, dass seine Marken seine Stärke seien – äußerte sich aber nicht direkt zu der offenbar geplanten Umstrukturierung. Wie Reuters weiter schreibt, soll der Plan bereits die Unterstützung mehrerer Großinvestoren wie Exor erhalten haben.
Es ist aber nicht die Rede davon, dass eine oder mehrere Marken in diesem Zuge eingestellt werden könnten. In der Vergangenheit hatten Investoren und Analysten immer wieder das große Markenportfolio mit teils überschneidenden Kundengruppen kritisiert, gerade in Europa. Der 2021 aus der Fusion der PSA-Gruppe und FiatChrysler hervorgegangene Konzern hat sich zwar in den vergangenen Jahren viel Mühe gegeben, Volumenmarken wie Peugeot, Citroen, Opel und Fiat voneinander zu differenzieren, das fand aber meist auf der Marketing- und Vertriebsebene statt. Denn um Synergien zu schaffen, wurden die meisten neuen Modelle auf einheitliche, technische Plattformen gestellt, womit sich die Fahrzeuge bei ihren Daten kaum voneinander unterscheiden – und eben Faktoren wie das Design oder die Marke (je nach Land) wichtiger werden.
Sollte die Umstrukturierung tatsächlich so stattfinden wie nun berichtet, würden für Europa also wohl Peugeot und Fiat die neuen Modelle entwickeln, in Nordamerika Jeep und Ram. Eine Marke wie Opel würde dann zum Beispiel ein von Peugeot entwickeltes Fahrzeug anpassen. In welchen Umfängen dann noch Änderungen möglich wären, dürfte eine wichtige Frage werden – ob dann noch das Fahrwerk eigens abgestimmt werden kann oder ob es sich auf kosmetische Anpassungen an die Designsprache beschränkt. Zwar unterliegt Opel schon heute einigen Vorgaben wie zum Beispiel bei den STLA-Plattformen, kann aber noch zahlreiche Entscheidungen selbst treffen. Derzeit ist zudem unklar, wie früh dann die Opel-Entwickler in die Arbeiten an einem neuen Modell eingebunden werden.
Schon Mitte April war bekannt geworden, dass Opel das eigene Entwicklungszentrum in Rüsselsheim zu einem „effizienten Tech Center“ umbauen will. Von den derzeit 1.650 Stellen sollen danach nur noch rund 1.000 übrig bleiben – „bei strategischen Themen“, wie Opel betont. Ob diese Reduktion an Entwicklungs-Kapazitäten bei Opel bereits im Zusammenhang mit den neuen Plänen auf Konzernebene steht, ist nicht bekannt.
Dass der neue CEO Filosa einen größeren Umbruch plant – wie genau dieser am Ende auch ausfällt – hat sich schon angedeutet. Anfang Februar hatte Filosa über 22 Milliarden Euro abgeschrieben, vorrangig auf das nordamerikanische E-Auto-Geschäft, nachdem die einst ambitionierten Elektro-Pläne dort aufgrund der neuen US-Politik keine Perspektive mehr hatten. In diesem Zuge hatte Filosa auch eine neue Strategie in Aussicht gestellt, mit der Stellantis zum „Leuchtturm der Wahlfreiheit“ werden solle.





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