Sany meldet Auslieferstart seines E-Fernstrecken-Lkw in Deutschland

Sany hat mit der Vermarktung seiner E-Sattelzugmaschine e263 in Europa begonnen. Erste Kundenfahrzeuge sind in Deutschland unterwegs. Wir haben alle Infos zu dem E-Lkw aus China – jetzt auch zu Nutzlast, Netto-Kapazität und Batterie-Garantie. Und: Für die IAA Transportation kündigt Sany schon einmal an, "groß mit neuen Modellen und einem Ausblick für 2027" anzurücken.

E lkw sany e
Bild: Sany

Sany ist einer von mehrere chinesischen Herstellern, die sich im europäischen Markt für Elektro-Lkw etablieren wollen. Vor einem Dreivierteljahr kündigte der Konzern an, in Regie der Sparte Sany eTrucks hier eine E-Sattelzugmaschine für den Fernverkehr zu launchen. Bei den ersten Auslieferungen war zunächst die Rede von Anfang 2026. Das kam am Ende nicht ganz hin, inzwischen ist der Auslieferstart aber vollzogen.“Erste Fahrzeuge sind seit Frühling 2026 auf deutschen Straßen im Einsatz“, meldet Kevin Eichele, Leiter der Produkt- und Geschäftsentwicklung bei Sany eTrucks Europe, auf electrive-Anfrage. Erste Zielmärkte seien der DACH-Raum und Spanien. An wen die ersten Trucks gegangen sind, will Eichele aber nicht verraten.

Zum Hintergrund: Sany ist in unseren Breitengraden kein unbekannter Player: Der chinesische Hersteller ist in Europa allen voran mit Baumaschinen und Baufahrzeugen im Geschäft, darunter auch elektrischen Exemplare wie die Fahrgestelle 8×4 408P und e435. In China gilt der Konzern als landesweit größter Hersteller von Schwermaschinen. Seit Sany 2012 den deutschen Betonpumpen-Spezialisten Putzmeister aufgekauft hat, bildet Deutschland ein wichtiges Standbein innerhalb Europas. Sany betreibt hierzulande die Standorte Bedburg und Aichtal.

China-Fahrzeuge werden bei Putzmeister angepasst

Mit der Sparte Sany eTrucks will der Hersteller nun in den Markt für elektrische Fernstrecken-Lkw expandieren. Die Einheit führt den Namenszusatz „supported by Putzmeister“, was auf die europäische Stoßrichtung dieser Sparte hindeutet. Putzmeister verantwortet für Mutter Sany konkret die Anpassung der Fahrzeuge an die hiesigen Gegebenheiten, den Kundensupport und die Service-Infrastruktur in ganz Europa. Speziell zur Einführung von neuen E-Trucks holt sich Sany aber zusätzlich noch den Mehrmarken-Werkstattspezialisten Alltrucks an die Seite. Alltrucks soll für Sany in Europa die Wartung, Diagnose und Reparatur von E-Lkw übernehmen.

Etliche technische Daten des e263 hat Sany bereits vergangenes Jahr publik gemacht. Seitdem wissen wir, dass das 4×2-Modell von einer in-house entwickelten Elektroachse mit Doppelmotor angetrieben wird, die 420 kW Dauer- und 730 kW-Spitzenleistung bietet. Das Drehmoment beziffert der Hersteller auf 1.000 Nm bzw. 1.760 Nm in der Spitze. Weiter verfügt der Lkw über eine 800-Volt-Systemarchitektur und eine 636-kWh-LFP-Batterie von Eve Energy für „mehr als 500 Kilometer Reichweite“. Neu ist die Info, dass von der genannten Brutto-Kapazität 623 kWh nutzbar sind („98% des Brutto-Energiegehalts“). Und dass Sany eine Batteriegarantie über acht Jahre bzw. 1,2 Millionen Kilometer gewährt. Garantiert wird dabei ein Batterie-SoH (State of Health) von mindestens 70 Prozent.

Weiter macht Sany auch erstmals eine Verbrauchsschätzung: „Die Verbräuche liegen bei 40 Tonnen bei 0,9 bis 1,2 kWh/km, abhängig von Topographie und Außentemperatur und damit auf dem Niveau zu vergleichbaren Modellen“, äußert Eichele. Den Fokus wolle seine Firma beim Markteintritt zunächst vor allem auf Anwendungen mit Depot-Charging und planbaren Routen legen. Als Beispiele nennt Eichele etwa Systemverkehre oder die Hafen- und Bau-Industrie. „Damit funktioniert auch das Service-Konzept mit Alltrucks und deren 650 Werkstätten in ganz Europa sehr gut“, so der Sany-Manager.

Nutzlast von bis zu 25 Tonnen

Als Maße des e263 nennt das Unternehmen 6,64 x 2,54 x 3,87 Meter bei einem Radstand von glatt vier Metern. Das Leergewicht gibt der Hersteller mit 10,9 Tonnen an, das zulässige Gesamtgewicht mit 42 Tonnen. Was die Achslast angeht, stehen eine technisch zulässige Last von 9 Tonnen auf der Vorder- und 13 Tonnen auf der Hinterachse im Datenblatt. Als Ladeanschluss bietet Sany fahrzeugseitig zunächst einen CCS-Ladeport mit bis zu 400 kW Ladeleistung. „Später“ soll der Sany e263 aber auch das Megawattladen per MCS unterstützen. Interessant noch: Das Modell verfügt links und rechts über einen CCS-2-Ladeport – und beherrscht so fahrzeugseitig das sogenannte Dual-Gun-Charging. Eine Funktion, die in China viel genutzt wird. Voraussetzung ist allerdings, dass auch die Ladesäulen das Dual-Gun-Laden softwareseitig beherrschen. Und daran mangelt’s in Europa noch.

Als weitere Merkmale des E-Lkw werden drei optionale Nebenabtriebe genannt. Erstens ein mPTO als separater E-Motor mit 45 kW für kontinuierliche Leistung („um hydraulische oder mechanische Arbeitsgeräte während der Fahrt zu betreiben“), zweitens ein gPTO als Getriebe-Nebenabtrieb an der E-Achse mit 210 kW für beispielsweise Kipp-, Walking-Floor- oder Silo-Anhänger zu betreiben. Und drittens ein ePTO (22kW, 400V Schnittstelle), etwa für Kühlanhänger.

Die für viele Logistiker wichtige Nutzlast variiert je nach Aufbau, wobei Kevin Eichele folgende Beispiele nennt: Unter Rückgriff auf einen Planenauflieger des Typs Kögel Light Plus ergibt sich beim neuen Sany-Truck eine Nutzlast von 25,2 Tonnen („bei gleichmäßiger Beladung und 42 Tonnen Gesamtzuggewicht“), bei dem Mischerauflieger Putzmeister P12 wären es analog 21,8 Tonnen Nutzlast, bei einem Kipperauflieger mit 5,8 Tonnen Eigengewicht 24,7 Tonnen Nutzlast. Die drei Beispiele geben einen ganz guten Eindruck, wie sich der e263 beladen lässt.

Preis bleibt noch unter Verschluss

Zum Preis gibt es hingegen wenig Konkretes. „Den Preis machen wir immer individuell mit unseren Kunden aus“, kommentiert der Leiter der Produkt- und Geschäftsentwicklung bei Sany eTrucks Europe. In den letzten Monaten hat Eichele aber stets betont, dass sich das Fahrzeug „in der Anschaffung und auch über die Nutzungsdauer preislich deutlich unterhalb der aktuell angebotenen Modelle einfinden wird“. Wie weit darunter, bleibt offen.

Produziert wird der e263 im chinesischen Changsha, wo Sany 2019 eine gänzlich neue Fabrik mit einer Jahreskapazität für 300.000 Lkw pro Jahr auf die „grüne Wiese“ gestellt hat. Anschließend werden die Fahrzeuge nach Europa verfrachtet und durch Putzmeister marktspezifischen Anpassungen unterzogen. Wichtig: Im Gegensatz zu weiteren chinesischen Anwärtern für den europäischen E-Lkw-Markt wie etwa die Startups Windrose oder Superpanther handelt es sich bei Sany eTrucks um einen gestandenen Hersteller, der in China die Marktführerschaft in diesem Bereich innehat. „Die Technologie ist ausgereift und vollumfänglich in Serie, weshalb wir nun einen besonderen Fokus auf die TCO und das Aftersales-Netzwerk in Europa legen können“, betonte Eichele bereits vergangenes Jahr im Interview mit electrive.

Allein in China soll Sany im vergangenen Jahr mehr als 21.000 E-Sattelzugmaschinen auf die Straßen gebracht haben, womit der Bestand an elektrischen Sany-Zugmaschinen im Land auf nun 50.000 Einheiten gestiegen sein soll. Exportiert werden laut Eichele zudem bereits verschiedene Modelle nach Südamerika, Südafrika, Vereinigte Arabische Emirate, Indien, Thailand, Indonesien und Australien. Um in Europa den Fuß in die Tür zu bekommen, will Sany sowohl diese Erfahrungen als auch die Skaleneffekte nutzen, die die Massenproduktion in Changsha verspricht.

Hinter den Kulissen laufen bei Sany eTrucks unterdessen die Vorbereitungen für die IAA Transportation vom 15. bis 20. September 2026 in Hannover. Eichele kündigt an, dass sein Unternehmen „groß“ auf der Messe vertreten sein wird und vor Ort nicht nur mit seiner nun gelaunchten 4×2-Elektro-Zugmaschine, sondern auch „mit neuen Modellen und einem Ausblick für 2027“ aufwarten wird.

0 Kommentare

zu „Sany meldet Auslieferstart seines E-Fernstrecken-Lkw in Deutschland“

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert