Nissan prüft Auftragsfertigung für Chery in Sunderland

Die beiden Autohersteller Nissan und Chery haben offiziell bestätigt, über eine mögliche Auftragsfertigung von Chery-Pkw im Nissan-Werk im britischen Sunderland zu verhandeln. Nissan hatte zuvor bereits angekündigt, seine eigene Fertigung in der Fabrik auf eine Produktionslinie zu reduzieren.

Nissan leaf sunderland produktion production min
Produktion des Nissan Leaf in Sunderland
Bild: Nissan

Bereits im April gab es einen damals noch unbestätigten Bericht der „Financial Times“, wonach Nissan und Chery über eine Art „Untermiete“ in Sunderland verhandeln würden. Dort werden aktuell Nissans Verbrennermodelle Qashqai und Juke sowie die dritte Generation des Elektromodells Leaf gebaut, kommendes Jahr sollen dann auch Elektroversionen des Qashqai und Juke hinzukommen. Doch das reicht offenbar alles nicht, um die Jahreskapazität von 500.000 bis 600.000 Fahrzeugen auszuschöpfen, vergangenes Jahr wurden dort nur 273.174 Nissans gebaut. Im Mai kündigte Nissan dann an, in dem somit nur zu rund 50 Prozent ausgelasteten Werk von zwei auf eine Produktionslinie reduzieren zu wollen.

Und an dieser Stelle kommt nun Chery ins Spiel: Der chinesische Konzern ist in einigen europäischen Ländern bereits mit seinen Marken Jaecoo, Omoda sowie der Stammmarke Chery aktiv. Und gerade erst hat der Konzern den polnischen Fußballstar Robert Lewandowski als Werbefigur engagiert.

Um die hohen Ambitionen in Europa voranzutreiben, hat Chery nun mit Nissan eine unverbindliche Vereinbarung (Memorandum of Understanding, MoU) unterzeichnet, um Möglichkeiten einer künftigen Auftragsfertigung von Pkw im Werk Sunderland für Chery International UK zu fertigen.

Noch keine Antriebsarten genannt

Ob die Kooperation dabei auf eine bestimmte der drei Marken beschränkt sein soll und/oder auf eine bestimmte Antriebsart wie etwa Batterie-elektrisch, bleibt aktuell unklar – vermutlich dürfte eine solche Auftragsfertigung aber „technologieoffen“ gestaltet sein.  Schließlich sind die Produktionsanlagen in Sunderland schon lange darauf ausgelegt, Fahrzeuge mit verschiedenen Antriebsarten auf einer Linie zu fertigen. Und Chery selbst vertreibt in Europa ebenfalls Fahrzeuge vom Verbrenner über Hybrid bis zum E-Auto. Jedoch bietet ausgerechnet die Stammmarke Chery, die in Großbritannien bereits recht erfolgreich ist, bislang nur Verbrenner und Hybride an, während z.B. der Omoda 5 und Jaecoo 5 als vollelektrisches Modelle erhältlich sind.

Das Werk in Sunderland würde nach dem aktuellen Stand der Überlegungen vollständig im Besitz von Nissan verbleiben. Auch die Belegschaft vor Ort würde weiterhin bei Nissan beschäftigt sein. Die Vereinbarung umfasst dabei die Option, dass Nissan die Produktion von Fahrzeugen für Chery International UK ab dem Geschäftsjahr 2027 auf Produktionslinie eins aufnehmen könnte. Besagtes Geschäftsjahr läuft beim Nissan-Konzern vom 1. April 2027 bis 31. März 2028, sodass der Start der Chery-Produktion in Sunderland damit auch erst Anfang 2028 erfolgen könnte.

Nissan-Topmanager Massimiliano Messina erklärt: „Dies ist ein wichtiger Schritt für unsere Fertigungsaktivitäten in Europa. Wir freuen uns darauf, in den kommenden Monaten gemeinsam mit Chery International UK an einer für beide Partner optimalen Lösung zu arbeiten.“

Sicherung von Arbeitsplätzen in Sunderland

Die Absichtserklärung beider Unternehmen ist rechtlich nicht bindend, die Verhandlungen laufen noch und könnten jederzeit platzen. Doch wenn der Deal gelingt, so dürfte er einen großen Teil oder sogar alle der aktuell rund 6.000 Arbeitsplätze im größten Automobilwerk Großbritanniens sichern.

Steve Bush, Funktionär der britischen Gewerkschaft Unite, sagte: „Das sind sehr gute Nachrichten für die Nissan-Beschäftigten in Sunderland und die britische Automobilindustrie im Allgemeinen in einer Zeit der Unsicherheit für den Sektor. Chinesische Fahrzeuge sind auf britischen Straßen immer häufiger zu sehen, daher ist es sinnvoll, dass britische Arbeiter sie auch hier bauen.“

David Bailey, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Birmingham, sagte gegenüber dem „Guardian“, dies wäre ein „historisches Abkommen“. Vor zwanzig Jahren hätten chinesische Marken erstmals versucht, in den europäischen Markt einzudringen. „Jetzt werden sie Autos in Großbritanniens größtem Autowerk bauen. China konkurriert nicht mehr nur mit westlichen Autoherstellern, sondern wird Teil der industriellen Basis“, so Bailey.

nissannews.com, theguardian.com

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