Nissan soll mit Chery über „Untermiete“ in Sunderland verhandeln

Nissans zentrales Europa-Autowerk im britischen Sunderland soll aktuell nur zu etwa 50 Prozent ausgelastet sein. Deshalb laufen laut einem Medienbericht Gespräche mit dem chinesischen Hersteller Chery über die Produktion von dessen Fahrzeugen vor Ort. Auch mit Dongfeng soll es Verhandlungen geben.

nissan sunderland 2024 01 min
Bild: Nissan

Die Meldungen mehren sich, dass Autokonzerne für ihre schlecht ausgelasteten Europa-Werke mit chinesischen „Untermietern“ liebäugeln. Erst gestern meldete Bloomberg unter Berufung auf Insider, dass Stellantis einige seiner Werke bei Dongfeng anpreist. Und auch mit Xpeng und Xiaomi soll es Gespräche geben. Nun schreibt die Financial Times, dass auch Nissan für sein zentrales Europa-Werk in Sunderland auf Partnersuche ist und Gespräche mit Chery aufgenommen hat. Dabei beruft sich die Zeitung auf vier mit den Verhandlungen vertrauten Personen.

Auch mit anderen Unternehmen soll Nissan den Quellen zufolge schon über die Nutzung des Werks in Sunderland verhandelt haben bzw. noch verhandeln. Konkret genannt wird etwa auch hier Dongfeng, wobei gegenüber der Financial Times zwei dem japanischen Konzern nahestehende Personen gesagt haben sollen, ein Deal mit Donfeng sei unwahrscheinlich. Offiziell bestätigt sind die Gespräche nicht. Nissan lehnte gegenüber der Nachrichtenagentur eine Stellungnahme ab. Chery reagierte laut Financial Times „nicht umgehend auf eine Anfrage nach einem Kommentar“.

Klar ist: Das Nissan-Werk in Sunderland verfügt über separate Produktionslinien in verschiedenen Gebäuden, was die Nutzung des Standorts durch mehrere Parteien begünstigt. Zurzeit beschäftigt Nissan vor Ort rund 6.000 Mitarbeiter. Damit gehört die Produktionsstätte zu den größten britischen Arbeitgebern in der Autoindustrie. Nissan baut in Sunderland aktuell den Qashqai, den Juke und die dritte Generation des Elektro-Pkw Leaf. Ab 2027 soll im Werk auch eine Elektroversion des Juke und kurz darauf analog ein Elektro-Qashqai vom Band laufen.

Die Auslastung ist momentan jedoch schwach. Sie soll laut Financial Times bei rund 50 Prozent liegen. Als der alte Leaf bereits aus dem Programm genommen worden war, der neue jedoch noch nicht gebaut wurde, sackte die Auslastung dem Bericht zufolge zwischenzeitlich sogar unter 30 Prozent. Während Nissan die Wirtschaftlichkeit des Standorts durch die Partnersuche im chinesischen Umfeld eigeninitiativ verbessern will, üben die Japaner parallel Druck auf die britische Regierung aus, die Rahmenbedingungen stabil zu halten. So warnte das Unternehmen die britische Regierung vergangenen Monat vor drastischen Folgen für das Werk in Sunderland, sollte Großbritannien von den „Made in EU“-Regeln ausgeschlossen werden.

Dass nun Chery bei Nissan in den Fokus rückt, liegt nahe: Anfang des Jahres unterzeichnete Chery bereits die Übernahme eines Nissan-Autowerks in Südafrika. Außerdem ist das chinesische Unternehmen kürzlich in Barcelona in ein Ex-Nissan-Werk eingezogen. Nun könnte Chery mithilfe von Nissan auch in Großbritannien zu einer lokalen Produktion übergehen. Laut Financial Times ist Chery mit seiner gleichnamigen Kernmarke sowie den Marken Omoda und Jaecoo aktuell der am schnellsten wachsende China-Hersteller im UK. Laut SMMT-Zahlen wuchs der Marktanteil des Unternehmens im März auf 6 Prozent.

ft.com

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