„Made in EU“: Nissan erhöht Druck auf britische Regierung
Wie drei mit den Gesprächen vertraute Personen der Financial Times sagten, soll der japanische Autobauer sogar mit der Schließung des Werks gedroht haben, sollte Großbritannien auf politischer Ebene von den „Made in Europe“-Regeln der EU ausgeschlossen werden. Nissan ist mit seinem britischen Werk einer der größten Arbeitgeber in der Automobilindustrie des Vereinigten Königreichs, in Sunderland sind 6.000 Menschen direkt bei Nissan beschäftigt, die Zuliefererkette umfasst laut der „FT“ rund 30.000 weitere Arbeitsplätze.
Die EU-Kommission hatte in der vergangenen Woche den „Industrial Accelerator Act“ vorgestellt, mit dem nicht nur das Wachstum der EU-Industrie gefördert, sondern auch die Unabhängigkeit von den USA und China in wichtigen Sektoren gestärkt werden soll – auch in der Autoindustrie. Sollte des Gesetzespaket in dieser Form verabschiedet werden, müssten unter anderem Elektroautos und weitere Güter einen hohen Wertschöpfungsanteil in der EU vorweisen, wenn sie in irgendeiner Form Geld von einem Mitgliedsstaat erhalten sollen – etwa in Form einer Förderung oder bei der staatlichen Beschaffung.
Allerdings ist sich die EU-Kommission der Bedeutung des eigenen, offenen Marktes bewusst und will daher auch Produkte von Partnerländern zulassen, mit denen es enge Verbindungen oder Freihandelsabkommen gibt – aber nur dann, wenn es eine „größere Gegenseitigkeit“ gibt, also auch EU-Produkten der freie Zugang in die Partnerländer garantiert wird. Ob eine solche Gegenseitigkeit gegeben ist, wird nun jeweils nach Sektor geprüft – Ausgang offen.
So erklärt sich Nissan laut dem „FT“-Bericht zwar erfreut, dass die Kommission „die Bedeutung der Partner für die EU-Lieferkette anerkannt“ habe. Aber: „Die Verwendung unterschiedlicher Definitionen für Firmenflotten und den Superkredit für Kleinwagen stiftet Verwirrung und führt zu unnötiger Komplexität für die Branche.“ Die britische Regierung, die im Vorfeld stark gegen strikte „Made in EU“-Regeln lobbyiert hatte, betonte die Gemeinsamkeiten mit der EU. „Großbritannien ist ein enger und vertrauenswürdiger europäischer Partner, der sich unserer gemeinsamen Sicherheits- und Wirtschaftskooperation verpflichtet fühlt“, so ein Regierungssprecher. „Jetzt ist es an der Zeit, als gleichgesinnte Partner zusammenzuarbeiten, um Wachstum, Widerstandsfähigkeit und wirtschaftliche Sicherheit zu stärken.“
Der Sektorenprüfung für die Autobranche kommt nun eine enorme Bedeutung für die Unternehmen zu, die in Großbritannien Fahrzeuge für den gesamten europäischen Markt fertigen – also neben Nissan auch JLR und Toyota. Der größte Exportmarkt für die britische Autobranche ist bisher die EU, Branchenvertreter hatten daher vor einer solchen Regelung gewarnt und von einer „existenziellen Bedrohung“ gesprochen.
Nissan fertigt in Sunderland unter anderem das Kompakt-SUV Qashqai und die inzwischen dritte Generation seines Elektromodells Leaf. Um das Werk fit für den neuen Leaf und kommende Elektromodelle zu machen, hatten die Japaner in die Modernisierung investiert, Batterie-Partner AESC hat seine Zellfabrik in der Nähe des Autowerks hochgezogen. Laut dem „FT“-Bericht liegt die Auslastung aufgrund der schwachen Nachfrage aktuell nur bei rund 30 Prozent.
ft.com (Paywall)





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