Nissan reduziert Werk Sunderland auf eine Linie
Ab 2027 soll im Werk auch eine Elektroversion des Juke und kurz darauf analog ein Elektro-Qashqai vom Band laufen, womit das Werk auf drei Elektro-Baureihen kommen würde. Die Produktionsanlagen in Sunderland sind schon lange darauf ausgelegt, Fahrzeuge mit verschiedenen Antriebsarten auf einer Linie zu fertigen. 2025 wurden in Sunderland 273.174 Nissans gefertigt, 2024 waren es laut dem Portal Autocar noch über eine halbe Million Autos.
Die Stilllegung der Produktionslinie soll laut Nissan voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte erfolgen – genauer wird der Termin noch nicht genannt. Mit der Maßnahme will das Management nicht die Produktionskapazität ändern, sondern zwei mäßig ausgelastete Linien zu einer mit hoher Auslastung zusammenlegen. Parallel zur Stilllegung der einen Produktionslinie soll die andere Linie demnach auf einen Drei-Schicht-Betrieb umgestellt werden, um den Kapazitätsverlust auszugleichen. Daher sollen laut dem Unternehmen in der Produktion auch keine Arbeitsplätze wegfallen, wenn Sunderland künftig nur noch mit einer Linie läuft – die Belegschaft wird dann für den Drei-Schicht-Betrieb eingeteilt.
Nissan will sich künftig offenbar auf die Produktionslinie 2 fokussieren. Die Japaner hatten in den vergangenen Jahren fast eine halbe Milliarde Euro in den Standort investiert, um das Werk für die Produktion des aktuellen Leaf fit zu machen – die Serienfertigung läuft seit Mitte Dezember 2025. In diesem Zuge wurde die Produktionslinie 2 für Elektrofahrzeuge ertüchtigt und ist damit die modernere der beiden Linien.
Nissan streicht 900 Jobs in Europa
Zwar sollen die Arbeitsplätze in der Produktion in Sunderland sicher sein, das gilt aber wohl nicht für alle Jobs bei Nissan in Europa. Der Autobauer hat im gleichen Zug bestätigt, dass es Gespräche über einen Stellenabbau von rund zehn Prozent der europäischen Belegschaft gibt. Das würde derzeit rund 900 Arbeitsplätzen entsprechen. Wie unter anderem die BBC unter Berufung auf einen Nissan-Sprecher berichtet, soll unter anderem ein Teil des Lagers in Barcelona geschlossen werden, auch der Import von Fahrzeugen in die nordischen Länder soll neu organisiert werden. Nissan hatte bis 2021 ein eigenes Werk in Barcelona betrieben und nach der Schließung der Produktion dort noch ein Lager unterhalten.
Der geplante Stellenabbau in Europa ist Teil des Sanierungsplans „RE:Nissan“. Die Maßnahmen sollen darauf abzielen, ein „schlankeres, widerstandsfähigeres Unternehmen zu schaffen, das sich schnell an Marktveränderungen anpasst“. Welche Märkte und Abteilungen noch von den Kürzungen betroffen sein werden, ist derzeit noch nicht bekannt – die Gespräche laufen noch.
Gespräche gibt es offenbar auch noch auf anderer Ebene – ein weiterer Autobauer könnte die Kapazitäten der bald stillgelegten Produktionslinie in Sunderland nutzen, um die eigene europäische Fertigung auszubauen, ohne in ein eigenes Werk zu investieren. Die BBC geht nach eigenen Angaben davon aus, dass auch der chinesische Konzern Chery zu jenen Unternehmen gehört, mit denen Nissan über eine Produktion in Sunderland verhandelt – Berichte über eine solche „Untermiete“ rund um Chery gab es schon im April. Die beiden Unternehmen haben in dieser Hinsicht schon eine gemeinsame Historie: Chery richtet bereits eine erste Montage in Europa im stillgelegten Nissan-Werk in der Zona Franca in Barcelona ein.
Chery war für eine Stellungnahme auf Anfrage der BBC nicht zu erreichen. Allerdings beruft sich der britische Sender auf Aussagen von Victor Zhang, Chef von Chery UK, wonach das Unternehmen prüfe, einen Produktionsstandort in Großbritannien zu errichten. Chery ist seit Ende 2024 in Großbritannien aktiv und konnte die Umsätze dort wohl schon „rasant“ steigern. Laut den Daten des SMMT hatten die Chery-Marken Jaecoo und Omoda zuletzt einen Marktanteil von fast fünf Prozent in Großbritannien, womit der chinesische Hersteller Nissan mit 3,7 Prozent in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 bereits überholt hat.





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