24.02.2018

Geely-Chef will Daimler auf Elektromobilität trimmen

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Geely-Chef Li Shufu macht Ernst: Über eine Investmentgesellschaft wird der chinesische Unternehmer mit 9,69 Prozent größter Einzelaktionär von Daimler. Die Beteiligung fällt damit deutlich höher aus als angenommen. Die Schwaben will Li Shufu nun in die Elektromobilität treiben. 

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„Insbesondere freue ich mich, Daimler auf dem Weg zu einem der weltweit führenden Anbieter von Elektromobilität zu begleiten“, lässt sich Li Shufu in einer Mitteilung zitieren. Das darf getrost als Kampfansage verstanden wissen. Weiter sagt der Geely-Chef: „Die Wettbewerber, die uns im 21. Jahrhundert technologisch herausfordern, kommen nicht aus der Automobilindustrie. Den Kampf um die Zukunft des Automobils wird kein aktueller Branchenspieler alleine gewinnen können. Aus dieser Herausforderung ergeben sich aber auch Chancen. Um den Eindringlingen von außen mit vereinten Kräften zu entgegnen braucht es Freunde und Partner. Es ist Zeit für ein Neues Denken. Mein Engagement bei Daimler reflektiert diese Vision.“

Ein Blick in die Shareholder-Statistik von Daimler zeigt, dass das größte Aktienpaket bisher (rund sechs Prozent) vom weltweit mächtigsten Vermögensverwalter Blackrock gehalten wurde. Weitere große Brocken besitzen das Emirat Kuwait sowie auch Renault und Nissan.

Für Daimler selbst ist China mittlerweile der wichtigste Einzelmarkt. Im Zuge der im nächsten Jahr kommenden E-Quote führt auch für die Stuttgarter kein Weg an der Elektrifizierung der Modellpalette vorbei. Gemeinsam mit dem chinesischen Partner BAIC baut Daimler so beispielsweise unter dem Dach des Gemeinschaftsunternehmens BBAC eine Batteriefabrik in Peking. Rund 655 Mio Euro nehmen die Partner dazu in die Hand. Die bestehende China-Kooperation von Daimler mit BYD (Stichwort: Denza) soll von dem Deal unberührt bleiben.

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Und Geely selbst macht bei der Elektrifizierung bekanntlich schon länger ernst: Der chinesische Autobauer – übrigens der einzige ohne staatliche Beteiligung – hatte kürzlich einen Vertrag zum Bau eines 5 Mrd Dollar schweren Produktionskomplexes für Elektroautos und Plug-in-Hybride in der Provinz Zhejiang unterzeichnet. Das Projekt soll ab Oktober in zwei Phasen realisiert werden. Bis zum Jahr 2020 will Geely zudem nicht weniger als 20 neue Elektro- und Hybridmodelle anbieten. Eine Reihe davon soll noch 2018 in China an den Start gehen. Der Einstieg bei Daimler soll Geely nun weiter dabei helfen, die Internationalisierung voranzutreiben.

Zuletzt hatte Geely seine schwedische Tochter Volvo auf Elektromobilität getrimmt. Bei Volvo soll schon ab 2019 kein Auto ohne Elektromotor mehr die Werke verlassen. Soll heißen: Ein Mildhybrid ist das neue Minimum. Die Plattformen der Schweden will Geely dann für die eigenen Fahrzeuge in China nutzen.

Die Zhejiang Geely Holding Group ist mit einem Umsatz von rund 43 Milliarden Dollar in 2017 nach eigenen Angaben der größte private Automobilkonzern in China und auch einer der führenden Anbieter für Elektromobilität weltweit. Zu den wesentlichen Assets der Unternehmensgruppe zählen der chinesische Autohersteller Geely Automobile Holdings Ltd. (46 Prozent), Volvo Cars (100 Prozent), Lotus Motor Cars (51 Prozent), Proton Cars (49,9 Prozent) und die London EV Company (100 Prozent). Zudem stieg Geely erst kürzlich beim separat geführten Lkw-Bauer AB Volvo ein. Zur Geely Group gehört mit Cao Cao (100 Prozent) ebenso einer der größten chinesischen Carsharing-Anbieter, der mit rund 16.000 elektrisch angetriebenen Fahrzeugen heute die umfangreichste E-Flotte weltweit betreibt.

Update vom 26.02.2018: Laut einem Medienbericht ist der Daimler-Vorstand von einer solch hohen Beteiligung des chinesischen Autobauers überrascht worden. „Das ist weitaus mehr, als wir erwartet hatten“, zitiert das „Handelsblatt“ Konzernkreise. So sei das Management von Daimler nur von 5 bis 6 Prozent ausgegangen, nicht aber von fast zehn. Überraschend kam die Entwicklung wohl deshalb, weil Geely offenbar die Meldeschwellen von 3 bis 5 Prozent übersprungen habe. Möglich sei dies durch Derivategeschäfte sowie zwei US-Banken gewesen.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Bernd Westphal hält den Geely-Einstieg bei Daimler allerdings für unproblematisch. „Grundsätzlich sollten wir nicht das Signal senden, dass wir hier ausländische Investoren verprellen“, sagte Westphal. Er forderte allerdings auch, dass ein solches Engagement von China in Deutschland dafür sorgen solle, dass auf Gleichbehandlung deutscher Investoren in China gedrängt werde. „Der Erwerb von 9,7 Prozent des Aktienkapitals an der Daimler AG durch das chinesische Unternehmen Geely ist der Bundesregierung natürlich bekannt, es handelt sich aber um eine unternehmerische Entscheidung“, sagte derweil Regierungssprecherin Ulrike Demmer. Handlungsbedarf sieht jedoch das Bundeswirtschaftsministerium, welches den Einstieg noch einmal genauer beleuchten will. Für die geschäftsführende Ministerin Brigitte Zypries ist die Beteiligung erklärungsbedürftig.

In Stuttgart herrscht derweil Verunsicherung: Denn Li Shufu verfolgt im Gegensatz zu den anderen Großaktionären eine eigene Agenda. Und er stellt Ansprüche stellt: So fordere der Geely-Chef offenbar einen Sitz im Aufsichtsrat von Daimler sowie eine Kooperation zwischen seinem Unternehmen und Daimler beim Thema Elektroautos. Der Daimler-Vorstand will jedoch den Platz im Aufsichtsrat verhindern, weil in dem Gremium auch über künftige Strategien und neue Modelle beraten werde. Es sei schwierig, solche Themen mit einem Vertreter eines Wettbewerbers zu teilen. Derweil musste Volvo-Chef Håkan Samuelsson wegen des Einstiegs von Geely bei Daimler seinen Platz im Aufsichtsrat von Volvo Trucks räumen. Zur Wiederwahl für das Kontrollgremium der Nutzfahrzeugsparte wird er ebenfalls nicht mehr vorgeschlagen. Die Begründung? Volvo-Eigner Geely ist jetzt größter Aktionär von Daimler – einem der größten Konkurrenten der Volvo-Nutzfahrzeugsparte.

Der Analyst Paul Gong sieht den chinesischen Autobauer derwei. langfristig positiv als neuen Investor. Nun könne Geely mit Daimler kooperieren. Geely-Händler könnten somit Fahrzeuge von Daimler anbieten, wie es bereits seit Jahren auch mit Volvo-Fahrzeugen der Fall ist. „Verkomplizieren“ könnte sich hingegen die Kooperation von Daimler und dem chinesischen Autobauer BAIC. Das letzte Wort sei hier aber noch nicht gesprochen. Und dies obwohl Daimler jetzt eine Milliarden-Investition in das mit BAIC geführte Gemeinschaftsunternehmen BBAC bekannt gab. Im Moment ist noch nicht abzusehen, welche Auswirkungen der Einstieg von Geely bei Daimler für die vielfältigen Aktivitäten von Daimler in China haben wird.
spiegel.de, handelsblatt.com, presseportal.de, automobilwoche.de (Update)

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24.02.2018 19:07