19.11.2018

Förderprogramm Ladeinfrastruktur geht in Runde drei

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Das Bundesverkehrsministerium hat seinen dritten Aufruf zur Förderung des Aufbaus von öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur veröffentlicht. Diesmal subventioniert die Behörde die Errichtung von bis zu 10.000 Normal- und 3.000 Schnellladepunkten. Der Fokus liegt auf Lückenschluss im Ladenetz. Auch Tesla könnte vom dritten Call profitieren. Hier sind die Details.

Dafür stehen rund 70 Millionen Euro bereit. Förderanträge können ab dem 22. November gestellt werden. Der Aufruf endet drei Monate später, also am 20. Februar 2019.

Im Detail werden 10.000 Normalladepunkte mit einer Leistung von mindestens 3,7 kW und maximal 22 kW sowie rund 3.000 Schnellladepunkte mit einer Mindestladeleistung von 50 kW gefördert. Es ist ausschließlich der Kauf von Ladeinfrastruktur förderfähig. Das Leasing von Ladeinfrastruktur hingegen nicht. Daneben wird jedoch auch der Netzanschluss gefördert. Neben der Errichtung von neuer Ladeinfrastruktur ist, bei Nachweis eines zusätzlichen Mehrwertes, auch die Aufrüstung oder Ersatzbeschaffung von bestehender Ladeinfrastruktur oder die Ertüchtigung eines zu einem Ladepunkt gehörenden Netzanschlusses förderfähig.

Nach den Worten von Verkehrsminister Andreas Scheuer stößt das Bundesprogramm Ladeinfrastruktur auf sehr große Nachfrage: Aus den dem ersten und dem zweiten Förderaufrufen konnten schon „über 15.000 Ladepunkte bewilligt werden“, alle noch nicht beschiedenen Anträge würden bis Ende des Jahres bearbeitet. Konkret sind laut BMVI bis dato 13.473 Normal- und 2.330 Schnellladepunkte bewilligt worden, was einem Fördervolumen von gut 76 Mio Euro entspreche. Damit sei die Zahl der vorhandenen Ladepunkte in Deutschland mehr als verdoppelt worden. Bei der Umsetzung der bewilligten Förderprojekte zeigt sich aktuell jedoch auch, dass „die ungeklärte Eichrechtsproblematik den laufenden Aufbau verzögert und eine zeitnahe Lösung notwendig ist“, teilt die NOW mit.

Beim dritten Förderaufruf kommt nun erstmals ein bereits angekündigtes webbasiertes Standort-Tool zum Einsatz, das mithilfe von Verkehrs- und Mobildaten sowie Nutzer- und sozio-ökonomischen Daten Versorgungslücken im bundesweiten Ladenetz identifiziert und so einen „flächendeckenden und nachfrageorientierten Aufbau der Ladeinfrastruktur gewährleistet“, wie es heißt. Zur Erinnerung: Beim ersten Aufruf war noch das „Windhundverfahren“ Grundlage der Förderentscheidung, beim zweiten Aufruf gab es lediglich Kontingente je Bundesland, diesmal steuert das BMVI die Subvention also gezielt mit höheren Förderquoten für unterversorgte Regionen.

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Mennekes Eichrecht

Ziel des Bundesprogramms Ladeinfrastruktur ist der Aufbau von bundesweit 15.000 Ladesäulen (nicht Ladepunkten!), dafür ist das BMVI bereit, bis 2020 insgesamt 300 Mio Euro an Fördergeldern locker zu machen. Das Standort-Tool soll dabei nicht nur kurzfristig, sondern auf lange Sicht den Ladeinfrastrukturaufbau in Deutschland begleiten und gestalten.

Antragsberechtigt sind sowohl private Investoren als auch Städte und Gemeinden. Die Förderung umfasst bis zu 50 Prozent der förderfähigen Kosten und neben der Errichtung der Ladesäule auch den Netzanschluss und die Montage. Voraussetzung ist u.a., dass die Ladesäulen öffentlich zugänglich sind und mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden.‎

Mithilfe des neuen Standort-Tools wolle man gezielt die vorhandenen „weißen Flecken“ im Ladeinfrastrukturnetz beseitigen, so Scheuer. „Für die Gebiete mit besonders hohem Bedarf haben wir daher die Förderquote auf 50 Prozent erhöht.“ Wird eine gut ausgestatteten Region bedient, gibt es dagegen nur 30 Prozent. Wer die Errichtung von Ladeinfrastruktur erwägt, kann sich über eine Karte zuvor über die Bedingungen dafür informieren. Parallel liege der Fokus auch auf dem Aufbau der Ladeinfrastruktur auf Autobahnraststätten. Johannes Pallasch, zuständiger NOW-Programmleiter Ladeinfrastruktur, ergämzt: „Wir rechnen, wie bei den vergangenen Förderaufrufen, wieder mit einer sehr starken Nachfrage. Wobei auch klar sein muss: Mit dem Standorttool definieren wir, wo Infrastruktur aufgebaut wird – nicht mehr ausschließlich der Antragssteller.“

Ein interessanter Aspekt am Rande: Tesla könnte gleich in zweifacher Weise von dem neuen Förderaufruf profitieren. Einerseits könnte der komplette Neubau von Supercharger-Standorten gefördert werden, sofern die technischen Anforderungen der Förderrichtlinie und des Förderaufrufs berücksichtigt werden. Andererseits könnte auch die Modernisierung bestehender Supercharger, die vor dem 13. Februar 2017 errichtet worden sind, im Hinblick auf die geplante CCS-Nachrüstung gefördert werden. Man darf gespannt sein, ob Tesla davon Gebrauch macht.
bmvi.de (Pressemitteilung), now-gmbh.de (Förderaufruf als PDF)

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11 Kommentare zu “Förderprogramm Ladeinfrastruktur geht in Runde drei

  1. Sofern das Standorttool berücksichtigt, dass 50kW-Lader schon heute entlang von Hauptverkehrsrouten unterdimensioniert sind, klingt das nach einem vernünftigen Ansatz. In den vergangenen drei Jahren wurde der 50kW-Ansatz durch die rasante Entwicklung in Sachen Ladeleistungen überholt, das sollte in Förderaufrufen berücksichtigt werden – Upgrades sind ja durchaus förderfähig.

    Ein Aufbau von öffentlichen Ladepunkten mit Ladeleistungen 150kW sind prädestiniert für Standorte entlang der Fernstrecken.

    Was mir bei der Ansicht der Karte aufgefallen ist, ist die dünne Planung um Nord-Osten. Erfahrungsgemäß sind hier attraktive Standorte zwar rar gesäht, die A11/A20 sind jedoch gerade im Sommer recht hoch frequentiert. Darin sehe ich durchaus ein hohes Frustpotential.

    Grundsätzlich wird uns das Thema Eichrecht, nachdem was auf den letzten Konferenzen gesprochen wurde, noch für einige Zeit beschäftigen. Ebenso die oben schon erwähnte WEG-Problematik.

  2. Es ist für mich unverständlich, warum auch 50-kW-Lader gefördert werden und nicht 150 kW verlangt wird. In ein bis zwei Jahren wird mit Model 3, EQC, e-tron und VW Neo (oder wie der heißen wird) der Massenmarkt mit 100+ kW Fahrzeugen erschlossen. 50 kW erscheint mir heute bereits wie ein Anachronismus. 150 kW wird voraussichtlich für den überwiegenden Zahl der Fahrzeuge auf einige Jahre hinaus die maximale Ladeleistung bleiben. Und warum fördert man überhaupt noch AC-Ladesäulen, statt mit dem Geld urbane DC-Hubs zu fördern, die vernünftige Auslastungen erzielen können? Ich finde, hier wird staatliches Geld verbrannt.

    • Es ist sehr gut, dass endlich wieder 50 kW-Lader gefördert werden sollen, denn genau diese werden heute und in Zukunft benötigt an den allermeisten Standorten.

      • na an „Standorten“ Arbeitsplatz, Zuhause, Bahnhof!!! da reicht eigentlich die SchuKo Steckdose, da steht man eh lange. An Schnellstrassen sollts allerdings schnell gehen. 120kW am Typ 2 Stecker sind locker möglich, wie Tesla seit 4 Jahren beweist.

      • an „Standorten“ Bahnparkplatz, Arbeitsplatz, Sport, Restaurant, Kino,…da reicht die SchuKo Steckdose, da hat man Zeit.
        an der Schnellstrasse sollt es schnellgehen. 150kw sind real machbar. Tesla funktioniert seit Jahren mit 120kW am Typ 2 Stecker!

  3. Hallo,

    ich habe mir die Karte angeschaut. Anscheinend wird der Ostsee-Urlaub auch in Zukunft nicht elektrisch absolviert. Und dass dort bereits viele S-LP vorhanden wären, kann man nicht gerade behaupten Überhaupt scheinen viele Regionen mit hohem Förderanteil für Schnell-Ladepunkte konzeptlos festgelegt. In einigen Ratern werden mehrere Regionen „blau“ (hohe Förderquote) markiert, aber nur 1 LP gefördert. Teilweise in Ortschaften kleiner 500 Einwohner und ohne Nähe Autobahn. Bsp. Weißendorf und Auma (Thüringen). Auch sieht man man Nordbayern wohl als eher förderwürdig an, als die Regionen um Leipzig, Halle?

    • Dasselbe mit der Strecke Dresden-Berlin. Entlang der gut frequentierten Autobahn in Brandenburg ist schon wieder kein einziger Schnelllader vorgesehen, die bisherigen sind über 100 km entfernt, und wenn der am Lausitzring ausfällt, hat man zwischen den beiden Städten wieder gar keine Lademöglichkeit mehr und muss schleichen, um mit E-Autos der letztjährigen Generation noch anzukommen.

    • Wieso sollte das Tesla ausschließen? Die Supercharger stehen in der Regel an Autohöfen und sind 24/7 öffentlich zugänglich.

Gefunden bei electrive.net
https://www.electrive.net/2018/11/19/foerderprogramm-ladeinfrastruktur-geht-in-runde-drei/
19.11.2018 14:15