25.02.2020 - 10:05

Volkswagen: Verzögern Software-Probleme den ID.3-Start?

Volkswagen hat laut einem Medienbericht weiter mit massiven Software-Problemen beim ID.3 zu kämpfen – demnach droht sogar eine Verschiebung des Marktstarts bei dem ersten MEB-Modell. Auch bei den Konzerntöchtern Audi und Porsche soll es weitere Schwierigkeiten bei den Elektroautos geben.

Wenige Wochen nach einem ersten Bericht über massive Software-Probleme beim VW ID.3 sollen laut dem „Manager Magazin“ viele Probleme immer noch nicht gelöst sein bzw. sogar jeden Tag viele neue hinzukommen. Das Magazin zitiert VW-Experten, laut denen die Grundarchitektur der Software „zu hastig“ entwickelt worden sei, in der Folge würden sich viele Systemteile nicht verstehen, was zu Aussetzern führe.

„Hunderte Testfahrer“, die bei Abend und Nacht Kilometer sammeln, würden jeden Morgen neue Fehler melden, in dem Bericht werden bis zu 300 Fehler täglich genannt – wegen des täglichen Treffpunkts der Technik- und Softwareexperten schreibt das Magazin vom „Showdown in Halle 74“. Die dramatisierende Überschrift wird im Text mit internen Negativszenarien unterlegt, die von bis zu zwölf Monaten Verzögerung ausgehen. Vertraute von Konzern- und Markenchef Herbert Diess würden dies aber als „kompletten Quatsch“ bezeichnen. Gegenüber electrive.net haben hochrangige VW-Experten zuletzt beteuert, dass es bei dem Ziel, den ID.3 „im Sommer“ auszuliefern, bleibe. Allerdings ist die Angabe der Jahreszeit eine sehr weiche. Spätsommerlich ist es auch noch im September. Im Handel plant man derzeit frühestens im August mit ersten Auslieferungen, wie electrive.net aus Gesprächen mit mehreren Autohäusern erfahren hat.

Eine mehrmonatige Verzögerung hätte natürlich auch Folgen für Diess, der als großer Treiber hinter dem MEB und somit dem ID.3 steht. Offen ist die Frage, ob der radikal neue Elektro-Baukasten nur mit einer von Grund auf neu entwickelten Software-Architektur gut funktionieren kann oder ob die neue Software ein Schritt zu viel war. Sogar die Großinvestoren aus den Familien Porsche und Piëch sollen angeblich bei „Gesprächen im kleinen Kreis“ ihren Unmut geäußert haben.

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Die womöglich intern kippende Stimmung gegen die Elektro-Offensive von Diess führt das „Manager Magazin“ zu einer Personal-Spekulation: „Vorausschauend“ habe Diess den VW-Markenvorstand bereits um mehrere Köpfe erweitert – so habe etwa Entwicklungschef Frank Welsch mit Matthias Rabe einen Chief Technology Officer zur Seite gestellt bekommen. „Bei großer ID.3-Verzögerung könnte er diverse Vorstände feuern“, so das Magazin wörtlich. Sprich: Sollte im Fall von Welsch und Rabe einer seinen Hut nehmen müssen, würde in der Entwicklungsabteilung kein Machtvakuum entstehen – und Diess könnte einige Vorstände entlassen, um seine eigene Person zu schützen. So viel aus der „Manager Magazin“-Glaskugel.

Zumindest an einer Front wird aktuell nicht über Probleme beim ID.3 berichtet: die Verfügbarkeit der Batteriezellen. Dieses Problem beutelt derzeit bekanntlich die Tochter Audi und die Produktion des e-tron in Brüssel. Hauptlieferant für die Batteriezellen des e-tron mit der 95-kWh-Batterie ist LG Chem, dort gibt es Probleme beim Produktionshochlauf in dem Werk in Polen. Die Zellen für die kleinere 71-kWh-Batterie kommen von Samsung SDI, sollen laut dem „Manager Magazin“ aber „noch nicht die notwendige Qualität“ aufweisen. Aus diesem Grund hätten sich intern Audi und Porsche um die verfügbaren Batteriekapazitäten gestritten, so das Magazin. Im Konzernvorstand habe sich Diess dann für Porsche ausgesprochen, weshalb derzeit die Produktion des e-tron lahmt und nicht die des Taycan. Bestätigt sind diese Informationen allerdings nicht. Sie decken sich aber mit Angaben von Batterieexperten, mit denen die Redaktion von electrive.net gesprochen hat.
manager-magazin.de (Paywall)

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12 Kommentare zu “Volkswagen: Verzögern Software-Probleme den ID.3-Start?

  1. Gonzo

    ich würde die Programmierer die Testfahrten machen lassen und direkt im Auto die Fehler beheben lassen.

    • senrim

      Nicht die Programmierer sondern die Stakeholder

    • Ralf K.

      Das ist eine schlechte Idee, Gonzo. Denn wer Auto fährt, kann parallel keine Bugs fixen. Außerdem kann man „direkt im Auto“ auch keine Fehler beheben, die irgendwie substanzieller Art sind. Die Organisation an sich ist schon gut: es gibt Tester, die berichten Incidents und dann kümmert sich ein Incident und Problem Management drum. Parallel schauen Leute an den Unit Tests und Modultests und nun eben den Integrationstests.

      Ich kann mir übrigens auch vorstellen, dass die Testfahrer, wenn das die gleichen sind, die sonst auch die Verbrenner testfahren, besonders motiviert sein könnten, die rein batterie-elektrische Mobilität und den Wandel in der Antriebskomponenten-Produktion jetzt nicht zuuuuu schnell kommen zu lassen.

      • Max

        @ Ralf K. Die Testfahrer machen ganz normal ihren Job und melden am Tag bis zu 300 Fehler. Dass die Testfahrer die Elektromobilität hintertreiben würden, halte ich für eine Verschwörungstheorie von Menschen, die in der Elektromobilität einen Kampf „Gut gegen Böse“ sehen. Tatsächlich ist E-Mobilität ein ganz normales Business, in dem sich gute (z. B. e-up) gegen schlechte Produkte (Sion) durchsetzen.

  2. LarsLux

    Herr Diess und sein Umfeld kennen natürlich den aktuell planmäßigen Freigabetermin und all die bereits entschiedenen Maßnahmen .
    Auf untergeordneten Ebenen laufen Anforderungsdefinition, Architekturentwicklung, Ableitung von Arbeitspaketen, Zuordnung zu Projekten, Design und Testkonzepte, Implementierung und Test, Dokumentation.
    Weil es sich für die Organisation um ein neuartiges Produkt handelt und auch viele Mitarbeiter neu sind und natürlich auch Fehler machen (funktionale und nichtfunktionale), verläuft der Prozess iterativ.
    Zudem steht die Organisation vor einer vertikalen funktionalen Integration von Controllern (Embedded), lokaler UI’s, Mobile-App und Cloud. Alles verschiedene Technologien, Dazu auch extrem wichtige nicht-funktionale Anforderungen wie Safety, Security, Echtzeit, Performance, Sizing, Usability, Testability, etc. Diese Aspekte verschlingen einen erheblichen Teil des Budgets. Das wird oft übersehen.

    Die notwendigen Iterationen aber auch eintretende Risiken und der Tribut an die extrem wichtigen nicht-funktionale Anforderungen verzögern das Projekt. Dem Management einer Ebene wird die Verzögerung zeitversetzt bewusst. Der Zeitversatz multipliziert sich mit der Anzahl der Hierarchieebenen.

    Ich hatte Ende 2019 die Werbung von VW um Softwareentwickler zum sofortigen Einsatz zur Kenntnis genommen. Diese werden einige Zeit brauchen, bis sie produktiv eingebunden sind. Mein Gefühl sagt mir, dass nach deren Einarbeitung und nach Abwerfen von substantiellen Anforderungen noch ein Jahr vergehen kann (oder mehr).

    • eCar-Fan und TESLA-Fahrer

      Sehr intelligente Analyse – Kompliment!

  3. Max

    Ich dachte die Autos sollen „voll vernetzt“ und „always online“ sein? Dann könnte man die Fahrzeuge doch quasi blanko mit den nötigsten Systemen ausliefern und die problematischen Programmteile via OTA-Updates später nachreichen sobald sie funktionieren.
    Leute, welche die 1st Edition geordert haben sind höchstwahrscheinlich überwiegend „early adopter“ und als solche sicher darauf vorbereitet als Beta-Tester in gewissen Punkten toleranter zu sein.

  4. Fuchsi859

    Kann mir schon vorstellen wie es läuft. Da werden Termine von Nichtwissenden festgelegt die Module fertig zu stellen und dann will man natürlich nicht zugeben das die nicht zu schaffen sind. Wie es oft heute läuft. Also liefert man unvollständige Module um nichts ins Visier zu geraten. Na und dann knallt es halt später…
    Vielleicht hilft ja noch ein Anruf bei TESLA?
    Oder Windows NT hat auch immer toll funktioniert… 😉

  5. Dieter Schleenstein

    Tja, da ist Tesla wohl einen ganzen Schritt weiter…….

  6. EMlL

    Habe im Sommer 2015 mein model S bekommen.
    Da war vom autonomen Fahren nichts freigeschalten.
    Gerade mal der Bremsassistent und das Abstandsradar.
    Wurde alles langsam per Update eingespielt.
    Das Auto ist jeden Monat perfekter geworden.
    Jetzt nach beinahe 5 Jahren immer noch monatlich Verbesserungen.

    Aber da hat Tesla halt 5 Jahre Vorsprung.
    Hoffe VW kriegt das auf die Reihe….

  7. eCar-Fan und TESLA-Fahrer

    Wenn ich den Artikel und all die genannten Probleme lese, fällt mir eigentlich nur ein, wie sehr TESLA in allen Medien weltweit riesige Schelte und z.T. Häme kassierte, als der Produktionshochlauf des Model 3 sich um ein paar lächerliche Monate verzögert hatte.

    Noch dazu produzierte TESLA seinerzeit (also VOR dem Hochlauf!) schon so viel Elektro-Fahrzeuge je Woche, wie die meisten anderen Autohersteller im Monat gebaut hatten (bzw. heute bauen)!

  8. net

    VW hat die Gerüchte heute dementiert. (Golem, Focus, @vwsachsen_de,…
    Jeder, der sich ein bisschen damit beschäftigt hat, wusste auch, dass die Gerüchte kompletter Schwachsinn waren. Schade halt nur, dass einer vom anderen bzw. in diesem Fall alle vom manager magazin abgeschrieben haben. Die dürften ordentliche Einnahmen mit ihrer paywall generiert haben und haben zum zweiten Mal mit einer Falschmeldung enorme Aufmerksamkeit generiert.

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Gefunden bei electrive.net
https://www.electrive.net/2020/02/25/volkswagen-verzoegern-software-probleme-den-id-3-start/
25.02.2020 10:24