19.03.2020 - 15:59

EnBW nimmt Ionity aus dem Lade-Angebot

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Der Energieversorger EnBW nimmt mit Wirkung zum 2. April 2020 die Ladesäulen von Ionity aus seinem Ladedienst „mobility+“. Hintergrund ist die Preiserhöhung von Ionity aus dem Januar, die EnBW nun nicht mehr mittragen will.

Ionity hatte damals den Preis für Kunden ohne Vertrag auf 79 Cent pro Kilowattstunde erhöht. Auch der B2B-Preis, den andere Ladekarten-Anbieter im Einkauf zahlen, ist offenbar deutlich gestiegen – auch wenn dieser Preis selbst nicht öffentlich kommuniziert wurde. Beobachter vermuten aber, dass er in der Nähe des Endkundenpreises von 0,79 €/kWh liegt. Da das DC-Laden mit der „mobility+“-Karte oder -App jedoch nur 49 Cent je kWh kostet (im Viellader-Tarif für 4,99 Euro pro Monat noch 39 Cent), hat EnBW wohl bei jedem Ladevorgang seiner Kunden an Ionity-Säulen draufgezahlt.

Die Wirtschaftlichkeit alleine war dabei offenbar nicht der einzige Grund. „Einen Preis von 79 Cent je Kilowattstunde halten wir zur Förderung der Marktentwicklung nicht für zielführend“, schreibt EnBW in einer aktuellen Info-Mail. „Wir sind der festen Überzeugung, dass die Elektromobilität zunächst aus Sicht der Verbraucher betrachtet werden muss. Hier braucht es in der aktuellen Marktwachstumsphase vor allem zwei Dinge, um Menschen zu einer nachhaltigeren Mobilität zu bewegen: Einfachheit und Wirtschaftlichkeit.“

Die Entscheidung, die Zusammenarbeit mit „dem Betreiber Ionity“ auszusetzen, sei keine Entscheidung gegen deren Angebot an die Ladeinfrastruktur, „sondern ein klares und ausdrückliches Bekenntnis zu einer alltagstauglichen und einfachen Elektromobilität für alle, bei der E-Autofahrer*innen und ihre Bedürfnisse mitberücksichtigt werden“. Um die eigenen Tarife konstant halten zu können, bittet EnBW seine Kunden, alternative Standorte zu nutzen. Pressesprecher Heiko Willrett stellt aber auch klar, dass EnBW sich die Zusammenarbeit mit Ionity wieder vorstellen kann – wenn die Konditionen stimmen.

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EnBW betreibt selbst Ladeinfrastruktur und hat nach eigenen Angaben das größte Schnellladenetzwerk Deutschlands errichtet – und baue dieses mit hohem Tempo weiter aus. An vielen Autobahn-Raststätten werden derzeit neben den bestehenden 50-kW-Triple-Chargern sogenannte Hypercharger mit bis zu 300 kW installiert. Teilweise sind diese auch schon in Betrieb. Über eine Partnerschaft mit Shell werden derzeit weitere Hypercharger an Tankstellen des Mineralölkonzerns aufgebaut.

„Wir wissen, dass der Ausbau von Ladestationen eine signifikante Zukunftsinvestition bedeutet – und wir wissen, dass solche Investitionen klug und langfristig kalkuliert sein müssen“, so EnBW. Dem Unternehmen sei „mit unserer Erfahrung bei großen Infrastrukturprojekten einerseits und in Sachen Kundenbeziehungen andererseits“ bewusst, dass „alle Beteiligten sinnvoll zusammengebracht werden müssen – anstatt den Blick nur auf die eigenen Belange zu richten“. Ein eindeutiger Seitenhieb in Richtung Ionity.

Noch deutlicher wird die EnBW-Mail an einer anderen Stelle: „Sie (die auf dem Lade-Markt handelnden Akteure, Anm. d. Red.) müssen ihre Produkte a. leicht verständlich, b. einfach nutzbar und c. uneingeschränkt zugänglich machen. Wir sehen beim oben genannten Betreiber von Ladeinfrastruktur keinen dieser Punkte gegeben.“

In Folge der Preiserhöhung hatten andere Ladekarten-Anbieter ihre Preise allgemein erhöht oder zumindest für das Laden an Ionity-Säulen angepasst. Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass sich EnBW so deutlich zu den Ionity-Preisen äußert. Im Februar hatte EnBW angekündigt, die Preise konstant halten zu wollen – aber schon damals den Kunden empfohlen, wenn möglich Alternativ-Standorte zu nutzen. „Wir können die Intention dahinter sowohl in unserer Rolle als CPO sowie als EMP mit Blick auf die Kosten des Ladeinfrastrukturausbaus nachvollziehen“, schrieb EnBW damals. „Gleichzeitig sind wir davon überzeugt, dass eine Preispolitik die Bedürfnisse aller Verbraucher berücksichtigen muss – ganz gleich in welcher Marktrolle die Akteure handeln.“
Quelle: Info per E-Mail, elektroauto-news.net, enbw.com

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11 Kommentare zu “EnBW nimmt Ionity aus dem Lade-Angebot

  1. notting

    Sind ja nicht nur EnBW, sondern auch Allego und Fastned die >=150kW anbieten. Z. B. Polestar 2 und Mustang Mach-E können auch nur max. 150kW (z. T. nicht mit den kleineren Akkus).

    notting

  2. Michael Heck

    Richtig gehandelt. Ionity geht gar nicht. Aber was will man schon von dem dahinter stehenden Konsortium erwarten. Da will doch niemand von ernsthaft eAutos.

  3. Karl Hoppenstett

    Als ich von diesen Preiserhöhungen gehört habe dachte ich mir direkt „was für A… löcher“.
    Ich habe das klar in Verbindung mit VW gebracht. Die wohl die Leute zwingen wollen ihre Autos zu kaufen weil andere nicht mehr bezahlbar zu laden sind. Moralisch hat sich scheinbar auch das neue Management nicht verbessert. Am besten noch Geld machen mit Tarifen und Grundgebühren wie Mobilfunkanbieter.
    Eine sehr gute Entscheidung die ich feiere und den Namen EnBW werde ich mir merken.
    (Ionity auch… )

  4. Hans Gnann

    Recht so ENBW – konsequent die Verbraucher im Blick!

    Ich respektiere die Aufbauleistung von Ionity, aber die Preispolitik erinnert mich an die Deutsche Bahn der 90er Jahre. Vielleicht wollen sie ja ein exklusives Netz für ihre Partner – fragt sich nur für welche Autos? Die paar EQC, e-tron’s oder Taycan’s – vielleicht noch Kona’s die grade Langstrecken fahren, werden die Auslastung nicht grade in die Höhe schrauben.
    Und mit meinem BMW i3 komme ich so selten im Tessin oder in Dänemark vorbei. Wobei, am Gardasee war ich schon und das hat auch dank ChargeNow und ADAC e-Charge (mit ENBW) gut geklappt!

  5. H,C.Thumm

    Gratulation EnBW!

    Seit 2 Jahren lade ich regelmäßig an der Autobahn (BMW i3s) bei EnBW mit einer Ladekarte der Energiegenossenschaft Schönau ( auch bekannt als die „Stromrebellen“ oder EWS ). Funktioniert hervorragend, ist günstig und obendrein auch noch 100% Ökostrom. Kann ich jedem E-Autofahrer nur wärmstens empfehlen.

  6. Ingo+Ultron

    Danke EnBW!
    Das ist die richtige Entscheidung.
    Man kann nur hoffen dass Ionity es irgendwann versteht dass man so keine Kunden gewinnt.

  7. H. Strube

    Mit der ionity Preiserhöhung auf 79 Cent/kWh wird das E-Auto im Vergleich zu einem modernen Dieselfahrzeug zumindest auf Langstrecken völlig unwirtschaftlich – ein fatales Signal, auch für die Zukunft !! Denn wer jetzt schon so willkürlich an den Preisschrauben der E-Mobilität herumdreht, wird das vermutlich auch zukünftig tun, die Kalkulation und Planungssicherheit für die Investition in E-Mobilität wird so nachdrücklich in Frage gestellt. Wer seine Investitionen in Ladesäulen kurzfristig mit überhöhten Preisen zurückgewinnen will, beweist damit nur die erschreckende Inkompetenz seiner verantwortlichen Manager.

  8. Karel e-Golf

    Supporting EnBW. Good and correct move. Not all cars need and can take 350kW I guess for long time 100-150kW will be more than enough.EnBW just add more columns to the charge points so people dont queue for charging.. and there is no issue. At the same time,welcome to the real world. Take Ionity as Tesla Superchargers. They also lock down to their cars only and no one complains..(if EU was stupid enough to give incentives without that condition they are the winners. Same as you get to chose car to buy with gov.incentives.. ) Surely if VW wants to put 30000 cars on road in the summer they dont want those customers queueing in front of their Ionity charger while i3 or Kona charges with 40kW speed if ever. So they use price to dicourage that… gor own customers price seems to be interesting. I guess they just could have waited until the ID3s are really out… if they figure out the software…

  9. Engel

    Habe diese Woche nach langer Recherche und vielen vergleichenden Abwägungen ein Tesla Model 3 bestellt. Die Preisgestaltung von Ionity war dabei nicht der unerheblichste Grund. Übrigens sind die Abomodelle bei einer Ladeleistung an DC-Ladern von ca. 2000 bis 3000 KM/Jahr keineswegs günstig. Bei 10,- Euro/Monat Grundgebühr + 30ct/KWh und 3000km/Jahr (die übrigen Kilometer werden eh zuhause oder an AC geladen) sind das immerhin noch 60ct pro KWh. Beim Tesla SuC sind es nach wie vor ca. 30ct. So schreckt man potentielle Kunden erfolgreich ab. Schade vor allem um VW, die offensichtlich die E-Mobilität vorantreiben wollen. Oder doch nicht …?

    • Bartholomäus Steiner

      Ein Model 3, gute Entscheidung!

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Gefunden bei electrive.net
https://www.electrive.net/2020/03/19/enbw-nimmt-ionity-aus-dem-lade-angebot/
19.03.2020 15:54