15.10.2020 - 18:24

Renault stellt Dacia Spring und E-Mégane vor

Renault hat in Paris das günstige E-SUV Dacia Spring und eine seriennahe Studie des Renault Mégane vorgestellt. Das Fahrzeug trägt zwar noch den bekannten Namen, hat aber mit seinen Vorgängern nicht mehr viel gemeinsam – möglich macht es die neue CMF-EV-Plattform.

++ Dieser Beitrag wurde aktualisiert. Sie finden die neuen Infos ganz unten. ++

Bei der Auftakt-Veranstaltung zu der von Renault veranstalteten „Eways“-Konferenz (bis 27. Oktober) im Hangar Y in Meudon nahe Paris hatte der Autobauer neben dem Dacia Spring „einen konkreten Ausblick auf ein neues Batterie-betriebenes Renault-Kompaktmodell“ angekündigt. Gemäß dem aktuellen Trend wurde ein E-SUV erwartet – mit „Zandar“ kursierte bereits ein möglicher Name für das Modell.

Bei der online übertragenen Veranstaltung stellte der neue Renault-CEO Luca de Meo aber keinen „Zandar“ vor, sondern den Mégane e-Vision. Das erste Modell auf der neuen CMF-EV-Plattform soll also kein SUV, sondern ein klassischer „Hatchback“ werden. Die Studie, die laut de Meo zu 95 Prozent dem Serienstand entspricht, kommt mit einem auffälligen Design daher. Das Renault-Logo an der Front ist illuminiert, vorne prägt ein durchgehendes Leuchtenband das Design. Mit den aufgesetzten Segmenten soll es an das klassische Renault-Logo von 1972 erinnern.

Von der Seite steigt die Fensterlinie über dem hinteren Radkasten nochmals an und mündet so in einem massiven Heck mit einer relativ niedrigen Heckscheibe. Mit dem Design soll das Modell laut de Meo „aus 100 Metern Entfernung als Renault erkennbar sein“. Ob Renault allerdings die Zulassung für das beleuchtete Logo schafft, ist unklar – Mercedes bietet das beim EQC in Europa nicht an.

Geschrieben wird der neue Mégane „mit einem goldenen E“, wie de Meo betont. Das goldene E solle zeigen, wie wichtig E-Tech für Renault sei. Bis 2022 wollen die Franzosen von jedem neuen Modell eine elektrische oder elektrifizierte Version anbieten. „In fünf Jahren werden 50 Prozent aller verkauften Fahrzeuge elektrisch oder ein Hybrid sein“, sagt de Meo. „Deshalb brauchen wir dieses breite Angebot.“

Auf den Mégane soll eine ganze Modellfamilie auf Basis der CMF-EV folgen. Für das Kompaktmodell, das Ende 2021 in Serie gehen soll, nannte de Meo bei dem Event eine Batteriekapazität von 60 kWh, die eine WLTP-Reichweite von 450 Kilometern ermögliche – andere Modelle auf Basis der Plattform sollen noch höhere Reichweiten erzielen. Der Batteriekasten sei nur elf Zentimeter hoch und soll so den „sportiven“ Look und die gute Aerodynamik ermöglichen.

Der vorne verbaute E-Motor soll 160 kW leisten, weitere Fahrleistungen will Renault erst bei der Premiere des Serienfahrzeugs verraten. Grundsätzlich sind bei der CMF-EV auch Versionen mit zweiten E-Motor im Heck möglich. Auch zur Ladeleistung machte de Meo keine genauen Angaben, man solle aber in 30 Minuten Strom für 200 Kilometer nachladen können – was jetzt nicht nach einer überragenden Ladeleistung klingt.

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Interessant ist aber, dass Renault bei dem Mégane einen anderen Weg gewählt hat als VW beim ID.3: Während die Wolfsburger von den Außenabmessungen her ein klassisches Kompaktauto gebaut haben, das im Innenraum wegen der Packaging-Vorteile eines Elektroautos deutlich mehr Platz bietet, hat sich Renault für den umgekehrten Ansatz entschieden. Der neue Mégane soll im Innenraum den Platz eines konventionellen Kompaktwagens bieten, dafür aber außen kleiner sein als bisher. Bilder von dem Innenraum hat Renault aber noch nicht veröffentlicht. Mit 4,21 Metern ist der neue Mégane rund 15 Zentimeter kürzer als das aktuelle Verbrenner-Modell und immerhin noch sieben Zentimeter kürzer als ein VW Golf 8.

Klein ist auch das Stichwort für die zweite Premiere der „Eways“-Auftaktveranstaltung. Über den Dacia Spring als modifizierter Ableger des in China verkauften Renault City K-ZE war bereits einiges bekannt – etwa der 33 kW starke Antrieb oder die 26,8 kWh große Batterie. Nun gibt es aber auch Infos zum Timing – was einige Kunden, die angesichts der Ankündigung zeitnah auf das günstige E-Auto gehofft hatten, enttäuschen dürfte.

Dacia Spring zunächst nur im Carsharing

Der Dacia Spring soll ab Anfang 2021 auf den Markt kommen – aber nur in einer Version für das Renault-eigene Carsharing Zity. Privatkunden sollen das Fahrzeug „noch vor Sommer“ bestellen können, die Auslieferungen sollen dann im Herbst 2021 starten. Preise hierfür nennt Dacia noch nicht, in einer begleitenden Mitteilung ist aber von einem „unschlagbaren Preis-Wert-Verhältnis“ die Rede.

 

Zudem gibt es auch einige weitere Daten zu dem Fahrzeug: Der Spring ist 3,73 Meter lang, 1,62 Meter breit und 1,49 Meter hoch. Der Radstand von 2,42 Metern soll auch größeren Mitfahrern genügend Platz bieten, der Kofferraum fasst bis zu 300 Liter (600 Liter mit umgeklappten Rücksitzlehnen). Eine spezielle Cargo-Version mit 800 Litern Laderaum will Dacia zu einem späteren Zeitpunkt auf den Markt bringen.

An Wechselstrom soll der Spring mit bis zu 6,6 kW laden können. An einer Wallbox mit 3,7 kW liegt die Ladezeit bei weniger als acht Stunden, mit 7,4 kW oder mehr sind es fünf Stunden. Optional soll auch ein 30-kW-DC-Lader verfügbar sein, die Ladeleistung wird angesichts der Batteriegröße aber nicht über den gesamten Ladevorgang verfügbar sein: Dacia spricht in der Mitteilung von „weniger als einer Stunde auf 80 Prozent“.

Keine Aussagen zur wirtschaftlichen Lage

In dem kurzen Livestream beließ es der neue Renault-Chef de Meo bei der Vorstellung der beiden neuen Produkte. Zu einer tiefgreifenderen Elektro-Strategie oder anderen wirtschaftlichen Themen äußerte er sich am Donnerstag nur sehr kurz. Bis 2050 will Renault laut de Meo in Europa CO2-neutral sein. Als Zwischenziel bis 2030 will der Konzern mit den neuen BEV von Dacia und auf der CMF-EV sowie PHEV und HEV gegenüber 2010 seine CO2-Emissionen um 50 Prozent senken.

Zu kurzfristigeren Themen verlor de Meo aber kein Wort. Im Vorfeld des „Eways“-Events war bekannt geworden, dass Renault gegenüber der EU-Kommission seine Absicht angekündigt hat, seinen CO2-Pool zu öffnen. Der Autobauer glaubt „mit Zuversicht“, seine CO2-Ziele für 2020 zu erreichen, wie es in einem Dokument der Kommission heißt, über das der „European Electric Car Report“ berichtet hat. Laut einer Auswertung von Transport & Environment (T&E) war Renault im ersten Halbjahr nur zwei Gramm von seinem CO2-Ziel entfernt. Alleine die Verkäufe des Zoe sollen laut der T&E-Rechnung in den ersten sechs Monaten des Jahres den Flottenausstoß von Renault um 15 Gramm gesenkt haben. Zumindest in Deutschland dürfte die im Zuge des Corona-Pakets gestartete Innovationsprämie für einen weiteren Nachfrageschub gesorgt haben.

CO2-Pool mit Ford?

Laut dem Bericht gilt als möglicher Partner im CO2-Pool mit Daimler eines der Schlusslichter der T&E-Auswertung: Die Stuttgarter sind noch neun Gramm von ihrem CO2-Ziel entfernt. Inzwischen hat sich aber ein anderer Hersteller selbst ins Spiel gebracht: Da Ford wegen der technischen Probleme beim Kuga PHEV und dem anstehenden Rückruf im laufenden Jahr nicht mehr genügend Plug-in-Hybride auf die Straße bringen wird, wird der Autobauer nach eigenen Angaben in diesem Jahr die CO2-Flottenziele aus eigener Kraft nicht erreichen können.

Aus diesem Grund sucht Ford nun Anschluss an einen CO2-Pool – zumindest bei den Pkw. Bei den leichten Nutzfahrzeugen hat Ford nach eigenen Angaben keine Probleme, die CO2-Vorgaben zu erfüllen. Hier will Ford sogar seinen Pool für andere Hersteller öffnen – etwa für Volkswagen.

Ende Mai 2020 hatte die Herstellerallianz Renault-Nissan-Mitsubishi nach dem monatelangen Führungsstreit über die Ausrichtung der Allianz ihre Zusammenarbeit neu geordnet. Die von Ex-Chef Carlos Ghosn vorangetriebene Fusion der Autobauer ist vom Tisch, stattdessen wurde ein „Leader-Follower”-Prinzip für Regionen, Fahrzeuge und Technologien etabliert. Damit wollen die Marken künftig effizienter arbeiten und so ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen.

Dabei gibt es pro Fahrzeugsegment (und Region) ein „Mutterfahrzeug“ und „Schwesterfahrzeuge“, die von dem Mutterfahrzeug abgeleitet werden. In Europa, Russland, Nordafrika und Südamerika soll Renault die Referenz sein und somit die Mutterfahrzeuge entwickeln. In China, Nordamerika und Japan ist Nissan verantwortlich, in den ASEAN-Staaten und Ozeanien liegt der Lead bei Mitsubishi. Jedes der Unternehmen soll sich auf diese festgelegten Kernregionen konzentrieren und dort zu den „wettbewerbsfähigsten“ Autobauern gehören – und so auch die Wettbewerbsfähigkeit der Partner erhöhen.

Wenige Tage nach der Restrukturierung der Allianz gab Renault sein eigenes Restrukturierungsprogramm bekannt. Der Sparplan sieht vor, dass zwei Milliarden Euro Fixkosten wegfallen sollen. Konkret sollen in Frankreich 4.600 Stellen und „mehr als 10.000 Stellen“ im Rest der Welt wegfallen. Bereits damals wurde bekannt, dass Renault sich künftig stärker auf bestimmte Bereiche fokussieren will. Als strategische Geschäftsfelder hat der Autobauer nach eigenen Angaben „Elektrofahrzeuge, leichte Nutzfahrzeuge, Kreislaufwirtschaft und Innovationen mit hoher Wertschöpfung“ festgelegt.

Nur: Das Sparprogramm wurde noch unter der Führung des Verwaltungsratsvorsitzenden Jean-Dominique Senard und Interim-CEO Clotilde Delbos erarbeitet. Konkrete Projekte für die Zukunft wurden damals nicht angekündigt – das sollte dem neuen CEO Luca de Meo überlassen werden. Der frühere Audi-Vorstand und Seat-CEO hat die Leitung von Renault im Juli 2020 übernommen.

Update 21.10.2020: Preise für den rein elektrischen Dacia Spring wurden bei der offiziellen Vorstellung vergangene Woche noch nicht genannt, doch nun erhalten wir eine erste Vorstellung von der Preisgestaltung. Auf der ungarischen Dacia-Website wurde für die ersten 100 Exemplare des Stromers zwischenzeitlich ein Preis von 6,49 Millionen Forint vor Subvention genannt, was derzeit rund 17.835 Euro entspricht – allerdings hat Dacia Ungarn die Website inzwischen aktualisiert und die Preisangabe entfernt. Mit der staatlichen Förderung in Ungarn wäre der Preis auf 10.925 Euro gesunken.

Laut dem rumänischen Portal profit.ro hieß es auf der Dacia-Homepage: „Der Preis für das Modell in Ungarn wird für die ersten 100 Einheiten, die in der Vorbestellungskampagne verkauft wurden, 6.490.000 Millionen HUF betragen, und staatlich subventionierte Kunden können ein Elektroauto für 3.990.000 HUF erhalten“. Inzwischen heißt es dort aber, dass die 100 Fahrzeuge bereits reserviert seien.

Es ist aber unklar, ob es sich dabei um ein höherwertig ausgestattetes Sondermodell zum Marktstart oder um den Basispreis der Baureihe handelt. Oder auch, ob es sich um die Privatkundenversion handelt oder eine spezielle Ausstattung für Carsharing-Unternehmen.

Wie berichtet soll der Spring im Frühjahr 2021 zunächst nur an Carsharer ausgeliefert werden, unter anderem das Renault-eigene Zity-Carsharing. Damit will der Hersteller es nach eigenen Angaben „möglichst vielen Menschen ermöglichen, unser Auto zu testen“. Erst im Herbst 2021 sollen dann Autos an Einzelkunden ausgeliefert werden.
renault-presse.de (Mégane), dacia-presse.de (Dacia Spring), schmidtmatthias.de (CO2-Pool), automobilwoche.de (CO2-Pool Ford), dacia.hu, profit.ro, carscoops.com (alle drei Update)

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9 Kommentare zu “Renault stellt Dacia Spring und E-Mégane vor

  1. gerd

    Der Spring bräuchte nur noch eine vernünftige Aerodynamik. das wärs.

    • Stefan

      Ohne das SUV-Design wäre es ein Twingo oder Zoe

  2. Ulf

    Tolles Auto

    Hoffe nur das der Preis stimmt und der kleine Mann zugreifen kann

    Ansonsten Daumen greimal hoch

  3. Michael

    gerd schrieb: “Der Spring bräuchte nur noch eine vernünftige Aerodynamik. das wärs.”

    Genau an das habe ich auch gleich gedacht. Ein cw-Wert um die 0,2, was kein Ding ist, wenn man weiß, das es in den 1960ern ein Auto gab (CD Panhardt LM64 (Le Mans 1964)), der es auf 0,12 brachte.

    So haben wir nur eine fahrende Einschränkung, die bei zügigem Tempo auf der Autobahn schneller die Batterie leer saugt, als man nachladen kann.

    Ich war ursprünglich auch vom E-Antrieb für Fahrzeuge begeistert. Aber ein 1,5 -2,5 to schweres Auto ist weder nachhaltig noch bezahlbar.

    Die Autoindustrie weigert sich beharrlich, E-Leichtfahrzeuge ( a la Toyota iRoad) mit geschlossener Fahrerkabine auf den Markt zu bringen.

    Inzwischen hab ich mein altes Auto auf Autogas umgerüstet und hab ein wirklich nachhaltiges und auch wirtschaftliches Fahrzeug (Kleinwagen) mit vollem Nutzwert z.B. eine Anhängelast von 1 to. Das sucht man im unteren Preissegment bei E-Autos vergeblich.

    • Marcel Balcu

      Sorry wenn ich dich enttäuschen muss, aber Gas ist genauso dreckig wie Erdöl. Von “nachhaltig” kannst du da nicht sprechen. Dass du eine Anhängerkupplung mit 1 Tonne benötigst, das sehe ich noch ein. Leichtbau ist beim E-Auto überschätzt. Schliesslich rekuperiert das E-Auto, dafür nutzt es sein Gewicht. Ein E-Auto, auch ein dickes fährt mit umgerechnet 1,5 Liter Sprit, ein kleines mit 1 Liter.

  4. Fotowolf

    E-Mégane – toll, endlich mal kein KEIN SUV!
    Ist erst mal eine Studie; auf das fertige Auto bin ich sehr gespannt. Könnte durchaus meiner ZOE nachfolgen.

  5. Andreas V.

    Mit Allrad-Option wäre der E-Megane eine interessante Konkurrenz zum Fisker Ocean, der ja jetzt wohl in Europa gebaut wird.

  6. Andreas V.

    Oder ein K-ZE.

  7. Michael

    “Privatkunden sollen das Fahrzeug „noch vor Sommer“ bestellen können”

    Auslieferung dann Q2 2022?

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Gefunden bei electrive.net
https://www.electrive.net/2020/10/15/renault-stellt-dacia-spring-und-e-megane-vor/
15.10.2020 18:49