26.07.2021 - 11:29

Customcells erhält neue Gesellschafter – darunter Porsche

Customcells hat eine Finanzierungsrunde abgeschlossen, in deren Rahmen der Batteriespezialist drei neue Gesellschafter an Bord holt – darunter Porsche. Der Schritt erfolgt nur kurz nach der gemeinsamen Gründung eines Batterie-Joint-Ventures mit Porsche und darf als Vorstoß in Richtung Großserienfertigung verstanden werden.

Über die Höhe der Kapitaleinlagen und Beteiligungen haben alle Gesellschafter Stillschweigen vereinbart. Laut „Handelsblatt“ geht es um eine Größenordnung von 20 bis 30 Millionen Euro. Offiziell ist, dass Porsche Ventures, Vsquared Ventures und 468 Capital unter anderem die Anteile der Technologieberatung P3 Group übernehmen, die 2017 in die Customcells Itzehoe GmbH eingestiegen war – und sich nun zum Ausstieg entschieden hat. Die Customcells-Gründer Leopold König und Torge Thönnessen bleiben laut einer begleitenden Mitteilung auch nach dem Funding Mehrheitsgesellschafter des Unternehmens, das Standorte in Itzehoe und Tübingen betreibt.

Customcells ist ein Hersteller von kleinen und mittleren Batteriezellen-Serien und gibt an, die Gelder aus der Finanzierungsrunde in den Ausbau der Standorte Itzehoe und Tübingen sowie in die Weiterentwicklung der eigenen Technologien und Forschungsprojekte stecken zu wollen. „Mit Vsquared Ventures und 468 Capital, sowie Porsche Ventures haben wir künftig starke Partner an unserer Seite, die uns dabei helfen, die Entwicklung von Customcells noch entschiedener voranzutreiben – auf nationaler wie auch internationaler Bühne“, äußert Leopold König, CEO und Co-Gründer von Customcells. „Gemeinsam haben wir jetzt die Chance, die Zukunftsfähigkeit Deutschlands und seine Rolle in der Batteriezellenentwicklung und -produktion aktiv zu gestalten.“

Bei Customcells geht es aktuell Schlag auf Schlag: Das Unternehmen hat mit Porsche erst vor einem Monat die Gründung eines Joint Ventures zur Herstellung von Hochleistungs-Batteriezellen für den Motorsport vollzogen. Die Cellforce Group GmbH erhält ihren Sitz in Tübingen und wird zu 83,75 Prozent von Porsche gehalten. Als Geschäftsführer agieren seitens Porsche Markus Gräf als Chief Operating Officer und Wolfgang Hüsken als Chief Financial Officer sowie seitens Customcells Torge Thönnessen als Chief Technology Officer.

Bis 2025 soll die Belegschaft von zunächst 13 gemeinsam gestellten Mitarbeitern auf bis zu 80 Personen anwachsen. Hauptanliegen des Joint Ventures ist der Betrieb einer Produktionsanlage mit einer Kapazität von mindestens 100 MWh pro Jahr, was laut den Partnern Hochleistungs-Batteriezellen für 1.000 Fahrzeuge entspricht. Der Betrieb soll nach Medienberichten 2024 anlaufen. Noch offen ist, ob die Zellen nur im Motorsport oder auch in limitierten Straßen-Sportwagen zum Einsatz kommen sollen.

Customcells betont im Zuge der abgeschlossenen Finanzierungsrunde sein Selbstverständnis als Hersteller von Zellen, die auf das jeweilige Anforderungsprofil von Kunden zugeschnitten sind. „Gerade Anwendungen in Nischenmärkten sind auf schnelle Entwicklungs- und Anpassungszyklen angewiesen“, teilt das Unternehmen mit. Sprich: In der Prototypisierung und Serienproduktion von Lithium-Ionen-Batteriezellen in kleinen bis mittleren Volumen fühlt sich Customcells wohl.

ZF

Gleichwohl geht aus einem Statement des neuen Gesellschafters Vsquared Ventures hervor, dass das Unternehmen sich Richtung Großserie entwickeln dürfte: „Wir sind stolz darauf, diesen Weltmarktführer in der Zellinnovation bei der Skalierung und dem Aufbau des Geschäfts in Richtung Großserienfertigung von neuartigen Klassen von Hochleistungsbatterien in Europa zu unterstützen“, wird Herbert Mangesius, Mitgründer von Vsquared Ventures in der Customcells-Mitteilung zitiert.

Porsche Ventures, der Risikokapitalgeber der Porsche AG, äußert sich wie folgt: „Customcells bietet mit seinen Kompetenzen in der Batteriezellentwicklung über seine Beteiligung an der Cellforce Group GmbH und die damit verbundenen Synergien ein weites Spektrum an Einsatzmöglichkeiten, insbesondere auch in der maritimen und vertikalen Elektro-Mobilität.“ Die Stuttgarter bescheinigen Customcells „ein hohes Unternehmensentwicklungspotential (…) bedingt durch eine weitgehend unternehmerische Unabhängigkeit.“

Mit dem dritten neuen Gesellschafter im Bunde, 468 Capital, soll die Bande zu den USA gestärkt werden. Florian Leibert, General Partner bei dem Wagniskapitalgeber, bringe langjährige Erfahrung und belastbare Kontakte in die Deep Tech- sowie Gründerszene der USA mit, heißt es.

Die neuen Gesellschafter übernehmen unter anderem die Anteile der Technologieberatung P3. Diese beliefen sich laut „Handelsblatt“ auf 33 Prozent. „Mit P3 haben wir gemeinsam im Rahmen des KomVar Projektes unseren Standort in Tübingen weiterentwickelt und sind von 20 auf 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewachsen“, bedanken sich Leopold König und Torge Thönnessen für die vertrauensvolle Zusammenarbeit der letzten vier Jahre. „Dabei haben wir unseren Weg von einem Fraunhofer-Spin Off zu einem Industrieunternehmen konsequent verfolgen können. P3 hat uns in dieser Zeit mit einem wichtigen Anschub im Bereich der Elektromobilität unterstützt, woraus später die Idee zur Cellforce Group GmbH entstanden und nun durch den Rückfluss der P3-Anteile der Weg dorthin frei geworden ist. Wir respektieren den Entschluss von P3 Neutralität und Unabhängigkeit am Markt zu wahren, bleiben der P3 geschäftlich eng verbunden und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit.“

„Wir verstehen uns als Anschieber von Projekten“, unterstreicht P3-Sprecher Daniel Wulf gegenüber electrive.net. Customcells werde man von nun an zwar nicht mehr als Gesellschafter, aber weiterhin beratend zur Seite stehen. Nach dem Rückzug aus den Joint-Venture-Vorbereitungen (ursprünglich war eine Dreier-Beteiligung aus Porsche, Customcells und P3 geplant, wir berichteten) sei der Verkauf der Anteile an Customcells, über die man ja indirekt dennoch an der Cellforce Group beteiligt war, nur konsequent. „Wir fokussieren uns auf das, was wir am besten können: Unabhängig beraten und mit unseren Kunden neue Projekte anschieben“, so Wulf.
handelsblatt.com, customcells.de

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