14.11.2022 - 11:54

Tesla gibt Design des Supercharger-Steckers in den USA frei

Tesla hat in Nordamerika das Design seines proprietären Supercharger-Steckers freigegeben. Autohersteller und Ladenetz-Betreiber werden eingeladen, künftig Supercharger-Stecker und -Buchsen zu verwenden. Tesla will somit sein System zum Lade-Standard in Nordamerika machen.

Im Gegensatz zu Europa, wo sich CCS – genauer gesagt in Kombination mit dem Typ-2-Stecker als CCS2 – als Schnellladestandard durchgesetzt hat, zielt Tesla mit der Freigabe klar auf den nordamerikanischen Markt und nennt sein System auf seiner Homepage selbstbewusst „North American Charging Standard“ (NACS). Laut Tesla vereint das System AC-Laden und DC-Laden mit „bis zu 1 MW“ in einem schlanken Paket. Es habe keine beweglichen Teile und sei „halb so groß und doppelt so leistungsfähig wie CCS-Anschlüsse“.

Bei Elektroautos anderer Hersteller wird in den USA in der Regel das CCS1-System verwendet: Der untere DC-Part von Stecker und Ladebuchse entspricht dem in Europa bekannten CCS2, oben ist jedoch anstelle des Typ-2 ein Typ-1-Stecker/-Buchse platziert. Auf diesen CCS1-Standard setzen herstelleroffene Ladebetreiber wie etwa Electrify America und EVgo.

Wie genau das DC-Laden „mit bis zu 1 MW“ erreicht werden soll, bleibt in dem Blogeintrag offen – Angaben zur Kühlung macht Tesla nicht. Das Portal „Electrek“ hat sich durch einige Details der Tesla-Veröffentlichung gewühlt, schließlich wurden die Design- und Spezifikationsdateien zum Download freigegeben. So gibt es zwei Versionen mit 500 und 1.000 Volt, die aber interoperabel sind – ein 500-Volt-Stecker kann auch in eine 1.000-Volt-Buchse eingesteckt werden.

An einer anderen Stelle in den Dokumenten gibt Tesla an, dass man den NACS „mit einem nicht flüssigkeitsgekühlten Fahrzeugeinlass“ mit über 900 Ampere kontinuierlich betrieben habe. Legt man dann die 1.000 Volt zugrunde, würden sich rechnerisch bis zu 900 Kilowatt Ladeleistung ergeben. Das ist zwar nicht ganz das in dem Blogeintrag angekündigte eine Megawatt, aber immerhin eine konkrete Aussage. Auch wenn konkrete Ladesysteme in Serien-Fahrzeugen wohl auf absehbare Zeit nicht 900 Ampere Dauerstrom nutzen werden, scheint die NACS-Technologie in dieser Hinsicht auf einige Jahre über weiteres Potenzial zu verfügen.

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Als Tesla 2012 mit dem Model S auf den Markt kam, gab es jedoch weder eine ausreichende Infrastruktur noch Standards, die entsprechend leistungsfähige Ladesysteme ermöglicht hätte. Daher hatte Tesla seinen proprietären Ladestecker entworfen und seitdem weiterentwickelt, ohne an Standards gebunden zu sein.

„In Verfolgung unserer Mission, den Übergang der Welt zu nachhaltiger Energie zu beschleunigen, öffnen wir heute unser EV-Steckerdesign für die Welt. Wir laden Betreiber von Ladestationen und Fahrzeughersteller ein, den Tesla-Ladestecker und den Ladeanschluss, der jetzt als North American Charging Standard (NACS) bezeichnet wird, in ihre Geräte und Fahrzeuge zu integrieren“, schreibt Tesla auf seiner Firmen-Website. „NACS ist der am weitesten verbreitete Ladestandard in Nordamerika: Die Zahl der NACS-Fahrzeuge übertrifft die der CCS-Fahrzeuge um das Doppelte, und das Supercharging-Netz von Tesla hat 60 Prozent mehr NACS-Ladesäulen als alle mit CCS ausgestatteten Netze zusammen.“

Wie Tesla dort weiter schreibt, gebe es bereits Ladenetzbetreiber, die NACS in ihre Ladestationen integrieren wollen. Sofern kein anderer Autobauer die NACS-Buchse in seine Fahrzeuge integriert, wird das aber kurzfristig nur für Tesla-Fahrer ein Vorteil sein – sie benötigen dann keinen Adapter auf CCS1 mehr. „In ähnlicher Weise freuen wir uns darauf, dass künftige Elektrofahrzeuge das NACS-Design übernehmen und an den nordamerikanischen Supercharging- und Destination Charging-Netzen von Tesla laden werden“, so Tesla. Konkrete Modelle werden jedoch nicht angekündigt.
tesla.com, teslamag.de, insideevs.de, electrek.co

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5 Kommentare zu “Tesla gibt Design des Supercharger-Steckers in den USA frei

  1. Max

    Zu spät, und das weiß Tesla offenbar auch selbst. Eher wird Tesla in Nordamerika auf CCS1 wechseln (was technisch einfach sein sollte, weil sie schon CCS2 können), als dass Electrify America solche Tesla-Ladepunkte in größerem Maße anbieten wird.

    • TL431

      Richtig. Nachdem es nicht geklappt hat das andere Hersteller sich mit Millionen Beiträgen beim SuC Netz einkaufen, versucht man jetzt zumindest noch den Stecker zu retten.

  2. c3po

    Tesla wechselte 2018 in EU auf CCS2 und hat viele Nachteile festgestellt. Daher wollen sie in USA nicht mehr auf CCS1 umstellen. Mit der Freigabe von „NACS“ sollen alle anderen Hersteller ihren Stecker auch verwenden. –> Damit wendet sich Tesla in Nordamerka gegen CCS!

    • TL431

      Welche Nachteile sollen das sein?

  3. Stefan

    Der Typ2-Stecker in Europa ist für dreiphasiges AC-Laden ausgelegt. Für DC-Laden kamen im CCS2 dann noch zwei fette Gleichstrom-Pins unten dazu.
    Der Typ1-Stecker in Amerika kann nur einphasig. Mehr kann das Stromnetz dort meist auch nicht.
    Der Supercharger-Stecker kann auch nur einphasig oder DC mit den beiden dicken Pins oben und Masse+Kommunikation unten.

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