08.12.2022 - 14:28

Sono Motors stellt Sion-Zukunft in Frage

In einem Statement am Rande der Q3-Zahlen haben die CEOs und Mitgründer von Sono Motors, Jona Christians und Laurin Hahn, eine spezielle Reservierungs-Kampagne für den Sion angekündigt. Ist diese nicht erfolgreich, könnte das Solar-Elektroauto vor dem Aus stehen – noch bevor ein Serienauto gebaut ist.

++ Dieser Beitrag wurde aktualisiert. Sie finden die neuen Infos ganz unten. ++

Nach zahlreichen Planänderungen sollte eigentlich im zweiten Halbjahr 2023 die Serienproduktion des Sion bei Valmet Automotive in Finnland anlaufen. Doch das steht nun wieder auf der Kippe – offenbar aus Geldgründen. In der Reservierungs-Kampagne „#saveSion“ will das Unternehmen innerhalb von 50 Tagen Reservierungen für 3.500 Fahrzeuge erhalten. Aber: Die Unterstützer sollen den Wagen bereits komplett bezahlen – erhalten dafür 3.000 Euro Rabatt und einen bevorzugten Platz auf der Warteliste. Da das Fahrzeug derzeit mit 29.900 Euro eingepreist ist, würde die Aktion etwas mehr als 94 Millionen Euro einbringen.

Mit der Aktion wollen Jona Christians und Laurin Hahn die Community über die Zukunft des Sion bestimmen lassen. Anderenfalls droht das Aus des Projekts. In dem Statement betonen die beiden Gründer zwar die „wichtigen operativen und kommerziellen Meilensteine“, die in diesem Jahr erreicht wurden. Aber: „Gleichzeitig erlebten die Finanzmärkte einen Abschwung und viele Technologieunternehmen haben bis zu 90 Prozent ihrer Marktkapitalisierung verloren. Vor allem Aktienkurse von Mobilitätsanbietern hat es dabei hart getroffen. Infolgedessen ist auch die Finanzierung unseres Sion-Programms durch die Aufnahme von Eigenkapital zunehmend schwieriger geworden und führt zu einer Verwässerung. Das benötigte Geld einzusammeln, dauert viel länger als erwartet. Wir haben es nicht geschafft, den Investor:innen zu erklären, warum der Sion das Potenzial zum ersten erschwinglichen Solar-Elektroauto der Welt hat, und dass es nach so einer Lösung auch eine große Nachfrage gibt.“

Viele Investoren hätten daher bereits geraten, sich auf das weniger kapitalintensive B2B-Solargeschäft zu konzentrieren. Etwa mit dem im Sommer vorgestellten Solar Bus Kit oder auch dem Auftrag „eines der größten OEMs der Welt“, den das Unternehmen laut dem Q3-Bericht erhalten hat – um Solarzellen in die Karosserie der Fahrzeuge des nicht genannten OEM zu integrieren. Zugunsten des B2B-Solargeschäfts, das bereits Umsätze generiert, solle man das Sion-Programm aufgeben, so der Rat der Investoren. „Wir verstehen die Marktsituation und wären bereit, unser Geschäftsmodell im Interesse des langfristigen Unternehmenserfolgs zu restrukturieren“, schreiben nun Christians und Hahn. „Bevor wir es jedoch wagen, die Sion-Entwicklung einzustellen, wollen wir unserer Community von über 21.000 Sion-Reservierer:innen eine letzte Chance geben, das Sion-Programm am Leben zu halten und unsere Finanzierungslücke teilweise zu schließen.“

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Sie betonen zwar die inzwischen hohe Anzahl an Reservierungen, konkret 21.000 Reservierungen von Privatpersonen und 22.000 Vorbestellungen von Flottenbetreibern  – alleine Finn hatte im Sommer über 12.000 Exemplare reserviert. Käme es zu verbindlichen Bestellungen, würde das einem Umsatzpotenzial von mehr als einer Milliarde Euro entsprechen.

„#saveSion ist unsere Lösung für die Finanzierung eines Großteils des Sion-Programms, ohne die Aktie weiter zu verwässern“, heißt es in dem Statement. „Sollten wir die Kampagne nicht erfolgreich abschließen können, planen wir uns auf unser attraktives B2B-Solargeschäft zu konzentrieren, das deutlich weniger kapitalintensiv ist. Wir denken, dass wir dank unserer derzeitigen und erwarteten Liquidität von rund 55 Millionen Euro sowie weiteren verfügbaren Ressourcen in der Lage wären, das Unternehmen erfolgreich rein auf das Solargeschäft neu auszurichten. Dieses Mal geht es also nicht um die Zukunft von Sono Motors, sondern ‘nur’ um die Zukunft des Sion.“

Es ist nicht das erste Mal, dass das Unternehmen eine Crowdfunding-Aktion startet. Ende 2019 lag der kurzfristige Finanzbedarf bei 50 Millionen Euro, die dann auch innerhalb von 50 Tagen eingenommen wurden. Das hatte damals, in der frühen Entwicklungsphase, den Fortbestand des Unternehmens gesichert.

Update 18.01.2023: Sono Motors hat ein Update zum Stand der Kampagne geliefert, die das Solar-Elektroauto Sion retten soll. Mehr als 8.000 Personen haben die laufende Kampagne demnach bereits unterstützt – sei es durch eine neue Reservierung für einen Sion oder durch eine Erhöhung ihrer Anzahlung. Stand heute setzen sich die mehr als 44.000 Reservierungen für den Sion aus ca. 21.000 angezahlten B2C-Reservierungen, ca. 22.000 unverbindlichen B2B-Vorbestellungen und über 1.000 neuen Reservierungen von Privatpersonen, die gemeinsam mit einer Anzahlungszusage über die Kampagne erfolgten, zusammen. Auf diese Weise verzeichnet das Unternehmen derzeit neue Zahlungszusagen in Höhe von mehr als 40 Millionen Euro von seiner Community.

Mithilfe dieser Mittel soll die Finanzierungslücke bis zur Vorserie geschlossen werden. Angesichts dieses starken Rückhalts sei es „denkbar“, dass Sono Motors sein Ziel erreicht, in den nächsten Wochen durch neue oder erhöhte Reservierungs-Anzahlungen, Investitionen und sonstige finanzielle Unterstützung eine Summe von rund 100 MillionenEuro zu beschaffen.
sonomotors.com (Statement zu #saveSion), sonomotors.com (Quartalsbericht), sonomotos.com (Update)

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Kommentare zu diesem Beitrag sind geschlossen.

20 Kommentare zu “Sono Motors stellt Sion-Zukunft in Frage

  1. Johan

    Das Projekt ist zum Scheitern verurteilt. Der Produktionsstart verschiebt sich erneut auf das erste Quartal 2024. Die Mittel der Community werden im ersten Halbjahr 2023 ausgegeben.

  2. Jürgen Breuer

    Es wäre schade wenn dieses Unternehmen das geniale Auto nicht in Serie bringen könnte. Die anderen Deutschen Anbieter wollen wahrscheinlich das die Stromindustrie am Autofahren verdient. Leute …. 3.500 Bestellungen mit 3000€ Anzahlungszusage muß doch möglich sein.

    • Mensch

      Ich vermute, das Auto ist nur deshalb so genial, weil es nie auf den Markt kommen wird. Bin vor vielen Jahren mit 500€ bei Sono eingestiegen, nach der ersten drastischen Preiserhöhung wieder abgesprungen. Zum Glück, wie ich im Nachhinein sagen muss. Dieses andauernde Hinauszögern des Produktionsstarts ist mehr als nur ärgerlich. Seit vier Jahren fahre ich elektrisch und warte jetzt nur noch darauf, dass ein anderer Hersteller einen der kleinen Lieferwagen erschwinglich auf dem Markt bringen wird. So wie es aussieht wird das passieren, noch bevor der Sion kommt – falls er denn kommt…

      • Michael Dierolf

        Einfach clever . Mit einer moralisch guten Story richtig Geld verdienen . Seit Jahren machen sich die Sono People ein feines Leben , schöne Büros , bio vegan catering usw usw . Also Leute ,
        spendet weiter , der Sion kommt bestimmt .
        Bald , ganz sicher .

    • Peter

      Die 3000€ sind nur der in Aussicht gestellte Rabatt. Die neuen Bestellungen sollen per Vorkasse komplett bezahlt werden. Erst dann wäre – für eine kurze Zeit – wieder genug Kapital vorhanden.

    • Jurgen

      warum spricht man noch über SONO? Mehr als genug Versprechen gemacht, ursprünglich sollte in 2019 ! ein Serienauto kommen. Wieso soll jetzt ein Sion (nur in schwarz) eine Bedeutung haben? Solar? Die echten E-Auto Hersteller hätten es längst realisiert wenn es wirklich vorteilhaft wäre.

  3. Max

    Diese Aussagen der Gründer schrecken mich ab. Sie klingen für mich wie „Alle sagen uns, dass wir reiner Zulieferer werden sollen. Und ja, das könnten wir stemmen und damit könnten wir Geld verdienen, das sehen wir ja ein. Aber wir sind noch immer in unsere Idee vom Sion verliebt, das war über so viele Jahre unser Baby. Wir ahnen schon, dass das mit der Anzahlungskampagne nix wird, aber wenigstens können wir dann ruhigen Gewissens der Community die Schuld geben, anstatt jetzt Führung zu zeigen und diesem lahmen Gaul die Gnade zu erweisen. Ob wir bei dieser Aktion unser Gesicht verlieren, ist uns egal.“

  4. gerd

    Wo bleibt Dr. Söders Innovationsprämie??? Oder Sind die verbandelungen zur stromindustrie immer Noch intakt…

  5. Manfred Stummer

    Leute das wird nichts mehr!
    Investiert euer Geld lieber in PV-Anlagen, geht auch in Gemeinschaftsanlgen,dann habt ihr zumindest schon den „Treibstoff“.

  6. Hans Gnann

    Ich wünsche dem Sono-Team, dass sie es schaffen!
    Vergleichbare E-Fahrzeuge kosten >40.000€ – Deutschland braucht so ein Fahrzeug.

    Ich wünsche mir, dass die Tata-Gruppe einsteigt, wenn Sie es nicht aus eigener Kraft schaffen. Denn das Fahrzeug bringt in sonnenreichen Ländern am Meisten – Indien, Afrika, Südamerika, südl. Europa…

    • Ludwig

      Frage ist für mich, warum kosten diese Autos so viel? Vielleicht weil der Preis vom Sion nicht final kalkuliert ist und leider viele optimistische Annahmen enthält? Ich denke der Preis wird nicht haltbar sein.. leider..

  7. Ma

    Kein engagierter junger Mensch sollte es sich antun lassen, dass völlig ungerechtfertigt Kübel voller Dreck über ihm ausgekippt werden.

    Laurin und Jona und das SonoMotor-Team haben so viel erreicht und wie kein andererer Automobilhersteller Daten offen gelegt.
    Und dies trotz aller widriger Umstände: Die Lufthansa musste während dieser Zeit mit 6 Milliarden (Milliarden, nicht Millionen) gepampert werden, TUI (1,2 Milliarden), Galeria (750 Million) und auch Schuhhändler wie Ludwig Görtz, der Modeladen Orsay oder die Adler Modemärkte wurden vom Staat mit Millionenbeträgen gestützt – aber SonoMotors soll es gefälligst alleine schaffen, sonst sind sie Betrüger und Versager.

    Wir haben in Deutschland schon mehrfach unseren Technik-Vorsprung aus der Hand gegeben, stellvertretend sei die Photovoltaik genannt: Zuerst ist China nur eingestiegen, dann haben sie zunehmend aufgekauft. Danach wurde die Produktion nach China verlegt und sodann die Produkte von China so stark subventioniert, dass die deutschen Produzenten das Nachsehen hatte und Pleite gingen. 80.000 Arbeitsplätze haben wir damals verloren, aber offenbar nichts daraus gelernt, wie auch unsere stetig vorangetrieben Energieabhängigkeit von Russland zeigt.

    Doch anstelle wir uns endlich auf die Hinterbeine stellen und uns die Abhängigkeit und den Ausverkauf nicht länger gefallen lassen, ergötzen wir uns an den (bezahlten?) Hasskommentaren und rufen „Das habe ich doch schon immer gewusst“.

    Eigentlich wäre es da nur recht und billig, wenn wir den Sion (wie die Photovoltaik) dann aus fernen Landen importieren und neidvoll zusehen müssen, wie der Sion sich in den vielen heißen Ländern zum Importschlager entwickelt.

    • Alfons Kimper

      „Ma“ deutet auf ausgesprochen persönliche Nähe zu den Gründern hin, da fehlt entsprechend der sachlich-nüchterne Blick.

      • Ma

        Hallo Alfons,
        was ist nicht sachlich?
        Du kannst überall nachlesen (sogar in den jeweiligen Geschäftsberichten), dass die Lufthansa während Corona 6 Milliarden erhielt, TUI 1,2 Milliarden und Galeria 750 Million.

        Bei Galeria kommt allerdings hinzu, dass das nicht die 1. Unterstützung war: „Zum 3 Mal innerhalb von weniger als 2 Jahren bittet Galeria um staatliche Hilfe“ (Zeit, 14.10.2022):
        Anfang 2021 und dann noch einmal Anfang 2022 erhielt Galeria aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) schon 680 Million Euro.
        Mit der 3. Zahlung sind dies ebenfalls 1,43 Milliarden Euro.

        Über die Jahre seit der Übernahme hat Galeria allerdings noch erheblich mehr Unterstützung erhalten, hat aber dennoch schleichend peu à peu Häuser dicht gemacht und wurde so entweder die Mieten los oder hatte nun Grundstücke in Bestlage, ohne lästige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bezahlen zu müssen.

        Interessant ist auch, dass sowohl bei Galeria, als auch bei den Adler Modemärkte zuvor der Metro-Konzern seine Finger im Spiel hatte.
        Und noch viel interessante, dass die Metro 2019 bekannt gab, eine strategische Partnerschaft mit dem chinesischen Einzelhandelsunternehmen Wumei Technology Company einzugehen, indem sie ihre gesamte Beteiligung an der Metro China verkauft und im Gegenzug eine 20-prozentige Beteiligung an dem daraus resultierenden Joint Venture erhält. Manche sprechen auch davon, dass Metro (Deutschland) von China sehr, sehr nahe gelegt wurde, seine Beteiligung an der Metro (China) zu verkaufen.

        Weiterhin ist interessant, dass zur Metro ja auch Saturn und MediaMarkt gehört und richtig interessant wird es, wenn man sich mit der Gründung des MediaMarktes beschäftigt und mit dem verzweifelten Kampf von Erich Kellerhals, der gegen viele Auswüchse vorging und zur Freude seiner Gegner 2017 gestorben ist.

        Und wenn Sie sich mit dem Thema Photovoltaik beschäftigen, dann stellt sich nicht nur die Frage, warum wir da unseren Technik-Vorsprung aus der Hand und nach China gegeben haben? Sonder auch, warum Politiker zwar Unternehmen wie z.B. Galeria (René Benko /Signa Holding) immer wieder unterstützen, diese Unterstützung aber bei Photovoltaik verweigerten?

        Könnte es damit zusammenhängen, dass die Sonne einfach so vom Himmel scheint und es eigentlich sehr schlau wäre, diese kostenlose Energie uns allen zugänglich zu machen?

        Schauen Sie sich Bilder der 1 Generation der Automobile an:
        https://www.google.de/search?q=1+automobil&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=2ahUKEwiYp8vQgvT7AhVB57sIHZYUDaUQ_AUoAXoECAEQAw

        Wer hätte es damals für möglich gehalten, dass sich daraus unsere heutigen Autos entwickeln? Und genauso wird es auch beim Sion sein. Nur sollten wir schlauer sein als bei der Photovoltaik und nicht neuerlich zugucken, wie andere Länder dann etwas daraus machen.

        • Bernd

          Ich glaube, es geht Alfons eher um den „ völlig ungerechtfertigt Kübel voller Dreck“ als den Lufthansa-Metro-Kram. Ja, sie haben viel geleistet. Darunter waren aber auch einige Fehler.

        • Peter Albert

          Zur Lufthansasanierung:
          Wichtig zu wissen, sonst wirkt es falsch:
          Lufthansa hat das staatliche Darlehen (das mit sehr hohen Ridikozinsen belegt war) zurückbezahlt. Darüber hinaus hat der Staat billige Aktien erhalten und diese inzwischen äußerst gewinnbringend verkauft. Das war für den Finanzminister ein riesen Deal. Sicher in der Coronasituation für Lufthansa wichtig, aber für den Retter äußerst lukrativ.
          Ist nicht mit Sono vergleichbar.

    • Thomas Reinecke

      WORD

  8. Thomas Reinecke

    WORD bezieht sich auf die Meinung von MA und ausdrücklich nicht auf die Spekulation von Alfons Kimper !

  9. Oskar Striemer

    Besser ein baldiges Ende mit Schrecken (für die Kapitalgeber,..), als weiterer Schrecken ohne Ende.
    Wie auch etwa das Schuhmobil in Aachen und andere gezeigt haben und zeigen, ist ein Eintritt in die Branche eben nichts für Schulkinder und Idealisten.

  10. Dieter Schleenstein

    Wenn es seinen einzigen fahrbereiten Prototypen gäbe, würde ich es riskieren. Aber so sehe ich nur die Möhre.
    Ich habe bereits ein Auto mit Solardach, Ertrag in 1 1/2 Jahren: 65 kWh, Kosten 1.300 €. ROI ca. 250 Jahre.

Gefunden bei electrive.net
https://www.electrive.net/2022/12/08/sono-motors-stellt-sion-zukunft-in-frage/
08.12.2022 14:00