VW: MEB+ erhält mehr Reichweite und Ladeleistung

Volkswagen hat in einem Dossier auf seiner Website nun offiziell Details zum MEB+ bestätigt, der geplanten weiterentwickelten Version seines Elektroauto-Baukastens MEB. Im MEB+ wird die neue Einheitszelle zum Einsatz kommen – für mehr Reichweite und kürzere Ladevorgänge.

Konkret spricht VW von Reichweiten von bis zu 700 Kilometern und verspricht bei der Ladeleistung einen Korridor von 175 bis 200 kW. Nur: Diese Zahlen hatte VW bereits im April genannt, als erste technische Nachbesserungen am MEB angekündigt wurden – ohne das Paket MEB+ zu nennen. Ob bereits damals die Einführung der neuen Einheitszelle in den MEB geplant war oder wie die 700 Kilometer Reichweite und 200 kW Ladeleistung erreicht werden sollen, ist nicht bekannt.

Wie groß die Nachbesserungen am MEB+ sind, ist unklar. Einige MEB-Fahrzeuge mit den aktuellen Zellen und der neuesten Software haben zwar bereits an HPC-Säulen bis zu 180 kW erreicht, viel Luft nach oben ist also nicht mehr: Denn mit der Batteriespannung von 400 Volt und den derzeit auf 500 Ampere limitierten CCS-Ladesäulen sind ohnehin nicht mehr als 200 kW möglich. Wenn die MEB+-Fahrzeuge diese Ladeleistung jedoch über einen längeren Zeitraum als bisher halten könnten, würde das für die Kunden eine kürzere Ladezeit bedeuten.

Das MEB-Modell mit der bisher höchsten WLTP-Reichweite ist der im Juni vorgestellte ID. Aero, der auf 620 Kilometer kommt. Auch hier wäre der Sprung auf 700 Kilometer Normreichweite eher klein – aber wohl technisch dennoch herausfordernd. In der Mitteilung zum MEB+ versprechen die Wolfsburger zudem „deutliche Sprünge“ bei den automatisierten Fahrfunktionen.

Einheitszelle kommt in den MEB+

Dass Volkswagen den MEB entgegen den früheren Planungen mit hohen Investitionen weiterentwickeln wird, hatte sich in den vergangenen Wochen abgezeichnet. Der neue VW-Konzernchef Oliver Blume und VW-Markenchef Thomas Schäfer stellen nicht nur die Modell- und Produktionsplanung ihrer Vorgänger auf den Prüfstand, sondern im Fall von Blume auch die Entwicklungs-Organisation mit der Software-Einheit Cariad. Da sich im Zuge all dieser Überlegungen die Einführung der Elektro-Plattform SSP im VW-Flaggschiff Trinity wohl von 2026 um mindestens zwei Jahre verzögert (andere Berichte sprechen gar von 2030), benötigt Volkswagen eine technische Plattform, auf der in den kommenden Jahren neue Modelle und die Facelifts bestehender Modelle aufbauen können.

Die SSP wird das wohl noch nicht sein und der MEB wird bereits heute zum Teil heftig kritisiert – etwa im Vergleich zu Hyundais E-GMP. Würden neue Modelle in den Jahren 2025 bis 2027 also noch auf dieser Technik aufbauen, hätten sie es sehr schwer am Markt. Daher wurde bereits vor Wochen spekuliert, dass VW mit Milliarden-Investitionen den MEB weiterentwickelt und auch schon die ab 2025 in Salzgitter produzierte Einheitszelle des Konzerns in den MEB bringt – eigentlich sollte die Einheitszelle im Trinity debütieren.

Auf welche Batteriegrößen dann die Fahrzeuge auf Basis des MEB+ mit der Einheitszelle kommen werden, gibt VW aber noch nicht an – derzeit sind 58 kWh und 77 kWh die meistgenutzten Batteriegrößen im MEB. In der Langversion des ID. Buzz wird wohl erstmals eine größere Konfiguration mit mehr als 100 kWh mit der aktuellen Batteriegeneration eingesetzt.

Auch Markenchef Thomas Schäfer hat inzwischen die Bezeichnung MEB+ öffentlich verwendet. In der Mitteilung ging es um die Investition von 460 Millionen Euro in das Werk Wolfsburg, um dort künftig MEB-Fahrzeuge zu bauen – beginnend 2023 mit dem aktuellen ID.3. Schäfer stellte als zweites MEB-Modell aus Wolfsburg ein kompaktes SUV in Aussicht (zuvor als ID.3 X bezeichnet), welches auf dem weiterentwickelten MEB+ basieren soll. Für die angekündigte Modellpflege des ID.3 im kommenden Frühjahr kommt der MEB+ aber zu spät.

Bestätigt wird außerdem der Plan, bis 2026 zehn neue MEB-Modelle auf den Markt zu bringen. Insgesamt plant Volkswagen mit dem MEB und MEB+ die Produktion von 10 Millionen Elektrofahrzeugen. Neben den eigenen Konzernmarken sind hier wahrscheinlich auch die 1,2 Millionen E-Autos eingerechnet, die Ford in Köln mit zwei Modellen auf MEB-Basis bauen will sowie die mehr als eine Million E-Autos, die Mahindra mit fünf MEB-Modellen plant. Bisher hat Volkswagen nach eigenen Angaben mehr als 670.000 E-Autos auf Basis des MEB produziert, davon 500.000 der ID-Baureihen von VW.
volkswagen.com

3 Kommentare

zu „VW: MEB+ erhält mehr Reichweite und Ladeleistung“
Ola Zorg
09.12.2022 um 07:17
Taucht denn der Begriff MEB Small (oder Eco) auch weiterhin auf für die geplanten Kleinen ab 2025 ff. (Cupra Raval, ID.2, Škoda..)? Oder ist dies dann ebenfalls eine Ausprägung von MEB+? Egal, Name ist ja zweitrangig, die technischen Ausprägungen und Eigenschaften sind natürlich entscheidend. Die Kleinen müssen von den Stückzahlen her den Durchbruch am Markt bringen im Konzern.
René Tafel
09.12.2022 um 07:32
Dass MEB+ für den ID.3 Facelift 2023 zu spät kommen wird, ist natürlich schade. Aber 2024 wird’s dann ja wieder ein- und nachgeholt werden. Aufgrund der Lieferzeiten wird’s sicher für heutige Kaufinteressenten und Besteller ohnehin 2024 werden bis zur Produktion ihres Fahrzeugs.
Björn Lannert
09.12.2022 um 14:17
Ich bin da etwas weniger optimistisch: Wenn der Facelift vom ID.3 2023 also ohne MEB+ kommt, so werden die fortan produzieren ID.3 Exemplare 2023/24/.. allesamt auch nicht auf MEB+ basieren. So meine Annahme und mein Verständnis. Aber schaumama.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Lesen Sie auch