Kalifornien verklagt große Mineralölkonzerne

Dass der US-Bundesstaat Kalifornien ein Vorreiter bei Abgaswerten, der Elektromobilität und Mobilitätswende ist, dürfte den meisten klar sein. Jetzt hat Gouverneur Gavin Newsom einen großen Schritt gewagt: Eine Klage gegen große Ölfirmen wegen Betrug, Vertuschung und Kosten für die Steuerzahler.

Bild: Pixabay

Der US-Bundesstaat Kalifornien verklagt fünf der weltweit größten Fossilkonzerne (Exxon, Shell, Chevron, ConocoPhillips und BP) sowie den größten Interessenverband American Petroleum Institute „wegen mehr als 50 Jahren Betrug, Vertuschung und Schäden, die den kalifornischen Steuerzahlern Milliarden von Dollar an Gesundheits- und Umweltauswirkungen gekostet haben“.

Öl- und Gasmanager hätten seit Jahrzehnten um die Gefahren der von ihnen produzierten fossilen Brennstoffe und die Auswirkungen auf den Klimawandel gewusst. Diese Informationen seien der Öffentlichkeit und den politischen Entscheidungsträgern absichtlich verschwiegen worden, um die Gewinne der Konzerne zu schützen, schreibt das Büro des Gouverneurs in der Mitteilung. Auch seien Milliarden von Dollar ausgegeben worden, um Desinformationen über den Klimawandel zu verbreiten und den Übergang weg von fossilen Brennstoffen zu verzögern. Die Lügen und Vertuschungen der Fossilkonzerne hätten zu anhaltenden Klimakatastrophen geführt, die alleine in Kalifornien Kosten in Milliardenhöhe verursacht haben.

Diese Täuschung gehe auch noch heute weiter: „Ölkonzerne preisen fossile Brennstoffprodukte als ‚sauber‘, ‚grün‘ oder ‚emissionsarm‘ an, die immer noch Kohlenstoffverschmutzung verursachen, und sie preisen ihre erneuerbaren Brennstoffprodukte an, die tatsächlich nur einen Bruchteil eines Prozents ihrer Einnahmen ausmachen“, so das Büro von Newsom.

Kalifornien will mit der Klage erreichen, dass „Big Oil“ sich finanziell an den Folgen des Klimawandels beteiligen muss, konkret am Wiederaufbau nach Stürmen und Waldbränden, dem Schutz der Menschen vor den gesundheitlichen Auswirkungen extremer Hitze, der Bewältigung schwindender Wasservorräte bei extremer Dürre und der Stärkung von Infrastruktur und Häusern gegen den Anstieg des Meeresspiegels.

„Seit mehr als 50 Jahren belügt uns Big Oil und vertuscht die Tatsache, dass sie schon lange wissen, wie gefährlich die von ihnen produzierten fossilen Brennstoffe für unseren Planeten sind“, sagt Gavon Newsom selbst. „Es waren Jahrzehnte des Schadens und der Täuschung. Waldbrände, die ganze Gemeinden auslöschen, giftiger Rauch, der unsere Luft verpestet, tödliche Hitzewellen, rekordverdächtige Dürreperioden, die unsere Brunnen versiegen lassen. Die kalifornischen Steuerzahler sollten nicht für die Kosten aufkommen müssen. Kalifornien ergreift Maßnahmen, um die großen Umweltverschmutzer zur Verantwortung zu ziehen.“

gov.ca.gov

6 Kommentare

zu „Kalifornien verklagt große Mineralölkonzerne“
Robert
27.09.2023 um 07:13
da bin ich aber gespannt wie das ausgeht wenn Kalifornien damit durchkommt wird es sehr teuer für die Ölkonzerne
Simon
27.09.2023 um 11:10
Man muss nicht bei einem Ölkonzern arbeiten, um seit 50 Jahren zu wissen, was fossile Brennstoffe langfristig bewirken. So eine Klage hätte ich eher von einem Umweltverein erwartet als von einer offiziellen Stelle.
Matthias
27.09.2023 um 12:57
Das perfide: die Ölkonzerne wussten es wissenschaftlich bestätigt durch eigene Studien
John
27.09.2023 um 14:25
Und wir wissen auch dass Verbrenner fahren und fliegen umweltschädlich ist. Gernemal an die eigene Nase fassen.
Matthias
27.09.2023 um 15:03
ich fliege nicht, mache keine Kreuzfahrten und ähnliches und fahre kein Verbrenner. Versuche wenn möglich das Fahrrad zu nehmen und esse kein Fleich. Was sollen diese Unterestellungen? Ich hab kein Problem mir an die Nase zu fassen.
Robert Laumen
27.09.2023 um 15:03
Man stelle sich einmal vor, der Staat Kalifornien würde diesen Rechtsstreit gewinnen. Das Big Öl System, zumindest in der westlichen, freiheitlich demokratischen Rechtsordnung würde von einem Tag auf den anderen zusammenbrechen. Das wäre zwar wünschenswert, jedoch würde dies auch ein Erdbeben biblichen Ausmaß in diesen Nationen verursachen, und letztendlich Weltweit. Nein - die Big Oil Lobby und die Politik wird dies zu verhindern wissen. Leider. Wir können nur mit der Physik, Effizienzvorteilen und damit Kostenvorteilen die Gesellschaft zum Umstieg bewegen. Strafen für das alte System halte ich für nicht umsetzbar.

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