G7-Staaten beschließen Ende der Kohleverstromung bis 2035

Die Energieminister der G7 haben sich darauf geeinigt, den Einsatz von Kohle bei der Stromerzeugung „in der ersten Hälfte der 2030er Jahre“ zu beenden, wie es in einem offiziellen Kommuniqué heißt. Damit gibt es einen Zeitplan – der aber eine Hintertüre enthält.

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Bild: Pixabay

Die Erklärung enthält jedoch ein alternatives Ziel, nämlich den Ausstieg aus der Kohleverstromung „in einem Zeitrahmen, der mit der Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 1,5°C vereinbar ist, in Übereinstimmung mit den Netto-Null-Pfaden der Länder“. Der Vorbehalt wurde in den endgültigen Wortlaut des Kommuniqués aufgenommen, um Deutschland und Japan, deren Kohlekraftwerke mehr als ein Viertel ihres gesamten Stroms produzieren, „Handlungsspielraum zu gewähren“, so diplomatische Quellen gegenüber Reuters.

Deutschland hat in seiner Gesetzgebung ein endgültiges Ziel für die Abschaltung von Kohlekraftwerken bis spätestens 2038 festgeschrieben, während Japan noch kein Datum festgelegt hat. Die G7-Staaten hatten sich bereits 2023 vorgenommen, konkrete Schritte zur Abschaltung von Kohlekraftwerken zu unternehmen – jetzt gibt es einen genaueren Fahrplan, wenn auch noch mit Hintertüre.

„Das ist eine historische Übereinkunft, die wir beim COP28 in Dubai im vorigen Jahr nicht erreichen konnten“, sagte der britische Energie-Staatssekretär Andrew Bowie dem Portal „Class CNBC“. Dass die G7-Staaten nun ein gemeinsames Signal zum Kohleausstieg an die Welt sendeten, sei „unglaublich“.

Damit soll die Stromerzeugung sauberer werden – und damit nicht nur die Elektromobilität als direkter Verbraucher, sondern auch energieintensive Industrien wie etwa die Aluminium-Erzeugung und auch die Batterieproduktion. Kohle gilt als eine der klimaschädlichsten Wege, um Strom zu erzeugen.

Nur: Wie groß die Auswirkungen der jetzt erreichten Einigung sind, ist kaum abzuschätzen. Zum einen gibt es den erwähnten Vorbehalt, zum anderen sind es nur die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Kanada, Japan und Italien, das derzeit den G7-Vorsitz inne hat. Länder mit enorm hohem Kohle-Anteil in ihrem Strommix, wie etwa China, sind nicht Teil der G7 und haben das Abkommen folglich nicht unterzeichnet.

Dazu kommt: Eine der Optionen, um die wegfallenden Kohlekraftwerke in der Energieversorgung zu kompensieren, könnte die Atomenergie sein. „Die Länder, die sich für die Nutzung der Kernenergie entscheiden oder diese unterstützen, erkennen deren Potenzial als saubere/emissionsfreie Energiequelle, die die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern kann, um die Klimakrise zu bewältigen und die globale Energiesicherheit zu verbessern“, heißt es in dem Kommuniqué. „Diese Länder erkennen die Kernenergie als Grundlaststromquelle an, die für Netzstabilität und -flexibilität sorgt und die Nutzung der Netzkapazitäten optimiert, während Länder, die die Kernenergie nicht nutzen oder ihre Nutzung nicht unterstützen, andere Optionen bevorzugen, um die gleichen Ziele zu erreichen, wobei sie die mit der Kernenergie verbundenen Risiken und Kosten berücksichtigen.“

tagesschau.de, reuters.com, g7italy.it (PDF)

1 Kommentar

zu „G7-Staaten beschließen Ende der Kohleverstromung bis 2035“
erFahrer
02.05.2024 um 08:53
Ja, sowas Gutes vor der EU-Wahl trägt auch sicherlich wie ein Eulenspiegel-Posse zur Unterhaltung bei. Gerade mit Bekanntmachung wie: „ Netzstabilität und -flexibilität“ bei AKWs. Und neue AKWs bis 2035. ;-) dabei steht längst in den Geschichtsbüchern das Frankreich die gesamte EU wegen ihren Atomkraftwerken in Black-Out-Bedrängnis vor 18 Monaten getrieben hat und als führende AKW-Nation beim Neubau über 12 Jahre benötigt, falls überhaupt noch eine kWh aus dem einen neuen Ding kommt. Wie auch immer die Korken dürfen knallen da man jetzt als G7 handeln will um Kohleverstromung zu beenden.

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