China meldet Betrug bei E-Auto-Subventionen

Die chinesische Industrieaufsichtsbehörde hat festgestellt, dass einige Autohersteller zwischen 2016 und 2020 Subventionen in Höhe von mehr als 864 Millionen Yuan (ca. 103 Millionen Euro) beantragt hatten, auf die sie keinen Anspruch hatten. Darunter sind auch Chery und der aktuelle Marktführer BYD.

Bild: BYD

Chery etwa hatte offenbar rund 240 Millionen Yuan für etwa 8.760 Elektro- und Hybridfahrzeuge beantragt, die nicht förderfähig waren, während 143 Millionen Yuan für rund 4.900 von BYD verkaufte Fahrzeuge aus den Büchern gestrichen wurden. Das geht aus den vorläufigen Ergebnissen einer Überprüfung des Förderprogramms vom Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) hervor. Über alle betroffenen Hersteller wurden 21.725 Fahrzeuge nachträglich disqualifiziert, es werden aber nur Chery und BYD namentlich erwähnt.

Die Prüfung wurde Anfang dieses Jahres in ganz China durchgeführt und umfasste Dutzende von Autoherstellern und mehr als 75.000 Fahrzeuge. Dabei wurden Auffälligkeiten festgestellt, etwa dass die Hersteller keine Betriebsdaten zu den angeblich verkauften Fahrzeugen vorlegen konnten oder die Kilometerstände nicht den Anforderungen entsprachen.

Bei dem nationalen Subventionsprogramm wurden Elektroautos und Hybride bis Ende 2022 mit bis zu 60.000 Yuan gefördert. Das Geld wurde an die Hersteller ausgezahlt, die ihren Kunden die Förderung als Rabatt auf den Kaufpreis weitergeben sollten. Das ist offenbar nicht immer korrekt geschehen, da es auch ein für Betrug anfälliges Fördersystem war. Bisherige Überprüfungen wurden in deutlich kleinerem Umfang durchgeführt

Wie etwa Bloomberg schreibt, ist noch unklar, ob die Unternehmen die zu viel erhaltenen Staatsgelder zurückzahlen müssen oder ob die Beträge bereits bei der Auszahlung abgezogen worden sind. Laut Reuters werden in dem Bericht des MIIT keine Strafen genannt oder eine Rückerstattung erwähnt. Chery und BYD haben auf Anfrage der Nachrichtenagentur nicht auf eine Bitte um Stellungnahme reagiert.

Die chinesischen Behörden ziehen derzeit die Zügel für die lange geförderte Elektroauto-Branche an: Zum einen steht die lange geduldete Praxis mit Gebrauchtwagen mit „Nullkilometerstand“ unter Beobachtung, bei der Neuwagen für einen kurzen Zeitraum zugelassen wurden, um in die Verkaufsstatistik einzugehen – bevor sie als Gebrauchtwagen mit null Kilometern auf dem Tacho im Ausland verkauft werden. Auch bei dem aktuellen Fall könnte diese Praxis eine Rolle gespielt haben. Vergangene Woche haben sich vier Regierungsbehörden kritisch zu proprietären HPC-Netzen geäußert und diese als „Ressourcenverschwendung“ bezeichnet. Und auch in dem von BYD Ende Mai ausgelösten Preiskampf schaut die Regierung in Peking genau hin.

Der erwähnte Preiskampf ist die Folge von Überkapazitäten, beides hat den finanziellen Druck auf einige Unternehmen deutlich verschärft. Kämen nun Rückzahlungen in Millionen-Höhe oder gar Strafzahlungen dazu, könnte das die Lage weiter verschärfen. Und: Laut dem Ministerium sollen die lokalen Behörden weitere Überprüfungen für die Jahre 2021 und 2022 durchführen.

bloomberg.com (Paywall), reuters.com, miit.gov.cn

4 Kommentare

zu „China meldet Betrug bei E-Auto-Subventionen“
ID.alist
14.07.2025 um 11:16
Wie könnte das sein!!!!Ich bin empört!!ROFL!!!
erFahrer
15.07.2025 um 08:15
Danke für den Artikel- Die Zusammenarbeit mit den BKA ist hier natürlich deutlich besser:-) . Diesel-Gate von US-Behörde ins Rollen gebracht und von DUH auch hier „belebt“. BEV Zulassungen von tausenden von Fahrzeugen in der DEZ-BKA-Statistik die noch nicht im Verkauf / geliefert waren, am Markt sind. Wirtschaftliche Wiedergutmachung nach juristischer Bestätigung solchen„Fehlens“ gegenüber Kunden und Staat, wird häufig in der EU von den Behörden „angestrebt“. Tja, die unsichtbare Hand des Marktes lenkt eben manchmal auch international Geld in dunkle Kanäle. Die Aktionäre (= Eigentümer dieser AGs ) trifft keine Verantwortung.
WH
15.07.2025 um 10:31
"0 km Fahrzeuge" die danach tatsächlich im Ausland verkauft und genutzt werden sind ja gar nicht mal so schlecht. Wurde hierzulande auch gerne praktiziert mit Tageszulassungen und dann ab nach Norwegen, bevor Norwegen seit einigen Jahren für die EU Flottengrenzwerte mitgezählt wurde. Bestes Beispiel war der Kia Soul, der kurzzeitig mal eines der beliebtesten EVs in Deutschland war. Nur gesehen hat man ihn selten...
Uwe Walter Bosse
15.07.2025 um 16:04
Als "Elektroauto-Interessent" betrachte ich die "Tageszulassung" nicht als Mittel zum Profit machen, sondern als Möglichkeit, preisgünstig an ein neuwertiges Elektroauto zu kommen. Über die in Deutschland niedergelassenen Vertretungen chinesischer Elektroautos wird es schwierig sein, ein Exemplar mit Tageszulassung in Deutschland zu bekommen. Bei Händlern in China ist auch mit Tageszulassung möglich, dann müsste man beim deutschen TÜV eine offizielle ABE anfertigen lassen. Der Kaufpreis ist in China wesentlich niedriger.

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