VideoPolitik

Bundesregierung kann nicht erklären, was „hocheffiziente“ Verbrenner sind

auspuff-exhaust-diesel-symbolbild-pixabay
Bild: Pixabay

Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich bekanntlich dafür eingesetzt, dass in der EU nach 2035 auch „hocheffiziente“ Verbrenner neu zugelassen werden dürfen. Auf der Bundespressekonferenz haben mehrere Journalisten jetzt nachgehakt, was die Bundesregierung denn nun unter einem solchen „hocheffizienten Verbrenner“ versteht. Spoiler: In über 20 Minuten gibt es keine echte Antwort.

Bei der Bundespressekonferenz stand nicht Kanzler Merz selbst, sondern sein Regierungssprecher Stefan Kornelius den Journalisten Rede und Antwort – unterstützt von mehreren Sprechern unterschiedlicher Ministerien, also auch Astrid Scharf, Sprecherin des Bundesumweltministeriums. Diese verweist etwa darauf, dass die Aussage zu den „hocheffizienten“ Verbrennern zum ersten Mal auf der Ministerpräsidenten-Konferenz getätigt worden sei, daher müsse sie für eine Definition auf diese Runde der Länder-Chefs verweisen. Und diese Position der Länder habe der Bundeskanzler in seinem Brief an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auch aufgenommen.

Es geht aber nicht nur um Spitzfindigkeiten, wer welchen Begriff wann zuerst genutzt hat, sondern auch um sehr relevante Detailfragen. Denn in dem Brief an von der Leyen werden als Position der Bundesregierung auch „Fahrzeuge mit doppeltem Antrieb bestehend aus Batterie-Antrieb und Verbrenner“ genannt – was wohl die Plug-in-Hybride und Range-Extender-Fahrzeuge zusammenfassen soll. Das Problem: Diese Definition trifft theoretisch auch auch Vollhybride und Mildhybride zu, was für das Klima kaum ein Fortschritt wäre. Und anstatt hier für Klarheit zu sorgen, weicht Regierungssprecher Kornelius, trotz eines kurzen Nachschlagens in dem Brief, aus und gibt nur an, dass die Formulierung aus dem Brief an von der Leyen „hinreichend breit gefasst“ sei.

Wann ein Verbrennungsmotor „hocheffizient“ ist und wann eben nicht, wird von Regierungssprecher Kornelius eher lapidar und ausweichend beantwortet – ein Verbrennungsmotor sei dann hocheffizient, wenn er hocheffizient sei.

Dass an dieser Frage, ob ein „hocheffizienter“ Verbrennungsmotor nach 2035 noch zulassungsfähig ist oder der Motor als nicht „hocheffizient“ eingestuft wird und damit keine Neuzulassungen mehr möglich sind, Milliarden-Investitionen seitens der Industrie hängen, hat sicher eine präzisere Antwort verdient. Georg Link, Sprecher des Bundesverkehrsministeriums, springt Kornelius bei und wirft ein, dass das auf EU-Ebene eben erst noch definiert werden müsse – und man es rechtzeitig erfahren würde.

Wenn Sie die ganze Episode im Original sehen wollen, bitteschön:

youtube.com

31 Kommentare

zu „Bundesregierung kann nicht erklären, was „hocheffiziente“ Verbrenner sind“
ioniqKnechter
02.12.2025 um 18:52
Ehy, Moin erst ma... Der - Stadtbild-Kanzler der zweiten Wahl - hat Habeck als „schlechtesten Wirtschaftsminister“ abgekanzelt, weil der ja angeblich keine Ahnung hat.- Aber jetzt zeigt genau dieser Zweitwahl-Stadtbildkanzler, dass man das Niveau problemlos noch weiter -unterbieten- kann, ganz ohne Fachkenntnis, nur mit großer Klappe und kleinem Inhalt.
Thorsten
05.12.2025 um 12:50
Ich denke, der Fachbegriff ist "Kanzlerersatzprodukt"!
Ekim
02.12.2025 um 19:00
Hello, Journalistenkollege hier, ich kann Euch sagen, wo der Begriff herkommt: Mir ist er zum ersten Mal und zuletzt inflationär in Pressemitteilungen von BMW und Interviews von Zipse aufgefallen. Skandalös, dass er nun komplett unhinterfragt in der Politik Eingang gefunden hat...
Ulli
02.12.2025 um 19:55
Naja, mit Kreisprozessen hat es die Politik in Berlin eben nicht so. Zumindest nicht mit physikalischen… Das ist schon schade, hilft es doch beim Begreifen, was Effizienz sein kann.
garafon
02.12.2025 um 20:13
Ich kann nur sagen was nicht "hocheffizienz" ist. Diese Regierung und auch nicht die Österreichische. Beide träumen einen Traum und ausbaden müssen ihn die Bevölkerung, die Europäische Autoindustrie (welche auch träumt) und besonders die Umwelt. Wacht endlich auf, sonst werdet ihr von China wachgerüttelt.
Oliver
02.12.2025 um 23:21
Fairerweise muss man sagen, dass die ein oder anderen europäischen Automobilkonzerne den direkten und schnellen Wandel zum Elektromotor gerne mitgegangen wären. Man ist nur zum einen teilweise an der Softwarekomplexität gescheitert und zum anderen an Gesellschaft und insbesondere rechtskonservatiber Politik/Medien, welche alles gemacht haben um bloß keine Vertrauen/Überzeugung in der Gesellschaft hervorzurufen.Das Ergebnis: BEVs verkaufen sich nicht wie erhofft, die Menschen vertrauen den BEVs nicht und wollen daher weiter Verbrenner kaufen. Also macht die Industrie eine Rolle rückwärts und investiert notgedrungen wieder in Verbrenner.Wäre da ein klarer verpflichtender Weg zu einem Ende des Verbrenners sowie begleitet mit einer positiven Kommunikation durch Politik und Medien, dann sähe das ganz anders aus. Die Konzerne haben doch auch keinen Bock zweigleisig zu fahren. Das kostet verdammt viel Geld. Immerhin ist man das Thema FCEV los (außer bei BMW).
Markus
03.12.2025 um 14:07
Ich würde es nicht einmal unbedingt rechtskonservative Medien nennen sondern man muss ja nur drauf achten wer z.B. die Geldgeber dieser Medien sind bzw. wer dahinter steckt. Z.B. beim Springer Verlag. Das hat nix mit rechts links mitte zu tun sondern einfach mit knallharten Geschäftsinteressen der alten und mit viel Spielgeld gesegneten fossilen Industrie aber scheinbar ist das für viele zu kompliziert zu durchschauen und so hat man es fast täglich noch immer mit den gleichen, von diesen Leuten verbreiteten, "Gegenargumenten" zu tun.
Peter
03.12.2025 um 13:23
Im Jahr 2021 hielt KKR 35% der Anteile an der Springer AG. Der Guardian sortierte KKR im Jahr 2022 zu den größten Investoren im fossilen Bereich.
thd
02.12.2025 um 21:02
Hocheffizient ist offenbar zumindest die Lobby die dahintersteckt. Die Entscheider in der Regierung sind es bei der Gestaltung der Zukunft bisher nicht.
Micc
04.12.2025 um 11:27
Sehr treffend formuliert!
Herbert Wertig
02.12.2025 um 21:22
Inkomptenz des Kanzlers und die Pressesprecher sitzen dann doof da. Aber sie wussten wofür sie gut bezahlt werden.
Martin Seiler
02.12.2025 um 22:00
Rede über etwas, das es nicht gibt, und gewinne das Vertrauen der Bevölkerung!
EdgarW
02.12.2025 um 22:18
46:24 "allein wenn Sie den Range-Extender nehmen, das ist eine Technologie, die nicht vor 15 Jahren bestanden hat". Falsch. Den ersten REX (oder jüngst "EREV") gab es 1902 bereits im Lohner-Porsche Mixte 2011 im Opel Ampera, dieser war ein Chevrolet Volt: 2010. Und BMW i3 im BMW i3 REX, dessen Entwicklung 2010 begann, die des Chevi Volt bereits 2007. Die Technologie an sich ist also 113 Jahre alt (mehr als, die Entwucklung des Lohner Porsche wird nicht erst 1902 begonnen haben), in modernen Pkw war sie seit mindestens 15 Jahren auf den Straßen unterwegs, bekannt für moderne Antriebe seit aller aller spätestens 2007. Dem ganzen Ausweich-Antwort-Rumgeeier ist ja auch anzuhören, dass es nie um Fakten oder tatsächliche Technologien oder gar Fakten ging, sonder allein um ein Feigenblatt, noch möglichst lange imeffizient und CO2-emittierend, auch mit Neuwagen, rumdapfen zu dürfen. Mit Herstellern, die in einen Markt neu investieren wollen, der seit Jahren schrumpft. Zunehmend schrumpft.Wäre lustig,. wenn's nicht so traurig wäre - und auch das ist ja leider eine Untertreibung.
Robert
03.12.2025 um 07:09
Ist doch logisch das man nicht erklären kann was hocheffiziente Verbrenner sind, und zwar aus dem einfachen Grund das es keine hocheffiziente Verbrenner gibt und auch niemals geben kann. Verbrenner sind wie eine bekannte E-Autovermietung vor Jahren schon einmal sagte Heizungen mit Fahreigenschaften.
H. Ebel
03.12.2025 um 08:56
Das kommt davon, wenn unsere ganze Politiker- und Lobbykaste keine Ahnung von Physik haben und nicht wissen, wie sich der Wirkungsgrad berechnet und was der dann aussagt (Physik 8. Klasse). Stattdessen wird herumgeeiert. Beschämend.
Peter
03.12.2025 um 13:25
Sie wissen es natürlich. Aber es ist halt nicht relevant.
mipu
03.12.2025 um 08:48
Realsatire pur! Vielleicht sollte man direkt einen Vertreter der Auto-Industrie zu so einem Termin schicken, um Rede und Antwort zu stehen. Wobei, der weiß vermutlich auch nicht, was "hocheffizient" sein soll. Aber vermutlich würde der sagen: das müssen sie alles in der richtigen Relation sehen, ein mickriger Unterschichten-Kleinwagen mit 1000 kg Gewicht 1000 ccm Saug-Motörchen und 60 PS, wenn der seine 4 l/100 km verbraucht, ist das nicht effizient. ABER: wenn unser 500 PS 4000 ccm V8 mit variabler Turbinengeometrie, DSG, Dreifach-Kat, superduperluxus 2,5 t SUV nur supersparsame 12 l SuperPlus pro 100 km verbraucht (in einem vollkommen neuen, noch zu entwickelnden Testzyklus, der perfekt an unseren Wagen angepasst ist), ja dann ist das hocheffizient. So sieht das aus, und dass müssen ja noch verkaufen dürfen, oder? ODER?!
rg
03.12.2025 um 09:48
Sie hätten einfach nur sagen müssen, „hocheffizient“ ist der Name eines neuartigen Beruhigungsmittels. Es beruhigt hocheffizient.
Busfahrer
03.12.2025 um 09:55
.... wir in der Thermodynamik wissen alles ganz genau! H.D. Baehr, Springer Verlag. Da steht alles drin!"die Entropie der Welt geht auf ein Maximum zu, wird es aber nie erreichen"
S. Müller
03.12.2025 um 09:56
Gude! Klar, es gibt Verbrenner, welche effizienter sind als andere Verbrenner. Vergleicht man also nur Verbrenner untereinander kann man die effizientesten von diesen als "hocheffizient" bezeichnen. Nimmt man aber Elektromotoren zum Vergleich dazu, sind alle Verbrenner ineffizient. Wie so oft, kommt es also darauf an, mit wem man sich vergleicht. Sollen "sie" doch eine Regelung einführen, dass Verbrenner mit einer Effizienz größer 75% weiterhin zugelassen werden dürfen. Aber wir wissen, dass es anders kommen wird.
David W
03.12.2025 um 16:12
Ich denke wir können den Wert auch auf 30% im WLTP Fahrzyklus reduzieren - um es dem Verbrenner etwas einfacher zu machen...
Lilly
03.12.2025 um 10:44
Das war mir klar......aber vielleicht wird bis dahin ja der "hocheffiziente Verbrenner" erfunden. Es ist ein Armutszeugnis, dass immer noch am Verbrenner festgehalten wird, anstatt sich darum zu kümmern, den Umstieg auf vollelektronische Mobilität voran zu bringen.
Martin
03.12.2025 um 10:48
Für mich sieht das nach erschreckender Hilflosigkeit aus. Vielleicht folgt man deshalb auch den Lauten (Söder mit PHEV). Möge mir mal jemand erklären, wie ein möglicherweise größerer Spielraum für den Verbrenner in 2035 schon heute den Autokauf ankurbeln soll. Dafür wäre wohl eher eine optimistische Grundstimmung bei den potenziellen Kunden hilfreich. Um eine solche zu erzeugen bräuchte es in Zeiten massiven Jobabbaus einen Motivationskünstler mit strategischen Fähigkeiten an der Regierungsspitze.
Torsten
03.12.2025 um 13:48
Wirkungsgrad Verbrennermotoren 20-max 45%, BEV ca 90 %, wieviel Mrd soll den die Deutsche Wirtschaft in neue "hocheffiziente Verbrenner" verbrennen bevor man erkennt, das man die Physik nicht besiegen kann. Man kann nur hoffen, das die EU Ihre die Maßgaben soweit "öffnet", das die Industrie von selbst merkt, dass es keinen Sinn macht. Ohne Batterieunterstützung in irgendweiner Form wird es eh nicht gehen , also gleich vollen Angriff bei den E-Autos und autonomen Fahren anstatt eine alte Industrie weiter am Leben zu halten. Besser wirds mit diesem Zig Zag Kurs nicht ...
Frank
03.12.2025 um 16:17
Immerhin ist so viel klar: Manche Ministerpräsidenten und die Regierungsspitze verbrennen mit diesem Thema hocheffizient Zeit und Geld.
Jürgen Baumann
03.12.2025 um 21:16
Hocheffiziente Verbrenner sollen weiterhin nach 2035 zugelassen werden. So die deutsche Bundesregierung. Alle rätseln, was das sein könnte. Nun, die Sache ist doch recht einfach, denn diese Motoren gibt es schon heute. Klassische Verbrenner begnügen sich mit einem Alltagseffizienzwert von 25%. Also 75% der im Treibstoff enthaltenen Energie wird Schall und Rauch, die restlichen 25% dienen der Fortbewegung. Hocheffiziente Verbrenner schaffen locker das Doppelte. Also mehr als 50% geht in die Bewegung und der Rest ist Abwärme. Was soll also daran so schwer sein? Vielleicht der Motor selber? Hier ist der Motor!! Vorhang auf: https://www.wartsila.com/insights/article/wartsila-31-the-most-efficient-engine-in-the-world
Tim N.
04.12.2025 um 17:22
Das ist ein chinesisch-schweizerisch-finnischer Schweröl-Zweitaktmotor. So ein Vieh stößt an ein einem Tag mehr Dreck aus als der Autoverkehr von Hamburg in einem Jahr. Thermodynamische Effizienz hin oder her -- diese Dinger sind die Nemesis für den globalen CO2-Treibhauseffekt.
Jürgen Baumann
04.12.2025 um 19:59
Genau.
Solar-Fahrer
04.12.2025 um 09:42
Haha, wir bauen einfach zu kleine Autos um mit hocheffiziente Motoren ausgestattet werden zu Können.
Fabian
03.12.2025 um 22:57
Ist doch eigentlich ganz naheliegend…Wenn man meint, mit Technologie aus dem letzten Jahrhundert, heute (bzw. 2035) große Profite zu machen, dann ist das „hoch Effizient“!
NoFake
04.12.2025 um 05:30
War bestimmt ein Übersetzungsfehler dieses "hocheffizient". Die meinten "hochgradig" den Konsumenten verwirrend und manipulierend, so wie man bereits die Elektromobilität versucht hat mit Narrativen zu zerstören ohne dass der Verbrenner jemals noch eine Alternative wäre. Dieses jämmerlich Kaschperletheater zeigt kongruent, die Blechbieger und anhängenden Lobbyprostituierten sind am Ende, denn diese haben den Zug der Zeit nie gesehen und verpasst. Die ehemalige Internetseite "Fotzenfritz" in Bezug auf Friedrich Merz dachte man sei humoristisch, heute ist daraus das Synonym für ungeschminkten Lobbyismus und Unfähigkeit für Fritze geworden. PS. wer hebt eigentlich das aufgehobene "Verbrennerverbot" wieder auf, wenn unsere Blechbieger fast komplett nach China übergesiedelt sind, wer ?!

Schreiben Sie einen Kommentar zu ioniqKnechter Antwort abbrechen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert