Video - 22:41 minInfrastruktur

„Batteriespeicher als Enabler für Flotten“ – Sascha Alexander König, ADS-TEC

Koenig ads tec energy live oktober

„Flexibilität durch Entkoppeln von Speicherladung und Fahrzeugladung ist King“, sagte Sascha Alexander König von ADS-TEC Energy bei electrive LIVE. In seinem Vortrag auf unserer Online-Konferenz erläuterte der Infrastrukturexperte, warum Batteriespeicher in Kombination mit Ladestationen für Flottenbetreiber inzwischen mehr sind als technisches Beiwerk, nämlich strategischer Hebel.

Sascha Alexander König, der bei ADS-TEC Energy als Director Product Marketing Charging agiert, spricht für ein Unternehmen, das seit 15 Jahren Batteriekompetenz bündelt und weltweit schon rund 2.500 batteriegestützte Schnellladepunkte ans Netz gebracht hat – von Australien über Europa bis nach Nordamerika. ADS-TEC hat eine klare Philosophie: Batterie plus X – und das X definiert den Anwendungsfall. Im Mittelpunkt von Sascha Alexander Königs Vortrag bei unserer Online-Konferenz: Wie Unternehmen mit Batteriepower ihre Flotten effizienter elektrifizieren können.

Kosten und Physik die wahren Herausforderungen

König skizzierte zunächst ein nüchternes Bild der Entscheidungsgrundlage: Der Wendepunkt zugunsten der E-Fahrzeuge sei überschritten, denn deren Total Cost of Ownership dominiere inzwischen „praktisch bei allen Kalkulationen“. Doch günstige Betriebskosten nützen wenig, wenn der Strom zu teuer ist. Deshalb sei es entscheidend, möglichst nicht öffentlich zu laden, sondern am eigenen Standort – idealerweise mit selbst produziertem PV-Strom oder günstigen gewerblichen Stromverträgen für Großkunden.

Genau dort jedoch prallen Flotten auf die Realität der Gebäudetechnik. Viele Standorte wurden nie für hohe Leistungen geplant. Der lokale Anschluss von 80 oder 100 kW reicht „für eine Wallbox, aber das war’s dann auch“. Für klassische Schnelllader wäre eine Erweiterung des Netzanschlusses nötig – mit langen Genehmigungsprozessen, hohen Kosten von oft mehr als 200.000 Euro und mehrjährigen Wartezeiten bei manchen Verteilnetzbetreibern. Schnelllader mit Batteriespeicher, wie sie ADS-TEC Energy unter den Namen ChargePost und ChargeBox anbietet, schaffen hier dagegen ein „zeitliches Entkoppeln“ von Netz und Fahrzeug, so König: Die Batteriespeicher können langsam aufgeladen werden, um dann wieder schnell Strom an Elektrofahrzeuge abzugeben – wie eine Klospülung, sagt König mit entsprechendem Schmunzeln.

Ads tec energy mvv ladestation charging station min
Batteriegestützte Schnellladestation vom Typ ChargePost
Bild: ADS-TEC Energy

Selbstverständlich hatte König zu electrive LIVE auch Beispiele aus der Praxis mitgebracht. Beim ersten Best Practice beschrieb Sascha Alexander König eine Management-Dienstwagenflotte, die unregelmäßig und ungeplant zwischendrin wieder ins Büro kommen. Trotz minimaler Netzreserve konnten über ein batteriegestütztes System 500 kWh pro Tag bereitgestellt und damit bis zu 15 Schnellladevorgänge realisiert werden. Der zeitliche Versatz zwischen Laden und Entladen mache dies problemlos möglich, so König.

Zum Anschluss genügt 32-A-Steckdose

Ein weiteres Beispiel betrifft Autovermieter, deren Rückgabe- und Ladebedarfe hochvolatil sind. Öffentliche Schnelllader seien zwar eine Option, aber personalintensiv: „Das Problem dabei ist: Dann muss ich womöglich drei Leute beschäftigen, die einfach nur Autos zum Laden fahren und wieder zurück.“ Zudem seien Standorte oft gemietet – Investitionen also riskant. Dass ein ADS-TEC-System schon an einer simplen 32-A-Steckdose betrieben werden kann, macht es für König zu einem idealen Werkzeug für flexible Standorte.

Noch kritischer sei die Situation bei Polizei, Feuerwehr oder Notarzt. Hier herrsche der Grundsatz, jederzeit mit vollem Akku ausrücken zu können. Diese Einrichtungen hätten meist historische Gebäudestrukturen: Eine hohe Energieleistung war dort schlicht kein Planungskriterium. Mit Batteriespeicher ließen sich jedoch aus einem Netzanschluss mit nur 40 oder 50 kW hohe DC-Ladeleistungen von 250 bis 320 kW für die Einsatzflotte erzeugen.

Taxis, Industrie – und drei Fliegen mit einer Klappe

Auch Taxiflotten profitieren: Sie kennen ihre Gesamtverkehre, aber nicht den Einzelbedarf am Flughafen oder Bahnhof. Entsprechende Ladepunkte mit eigener Energieversorgung senken die Kosten drastisch: König spricht von Strompreisen „unter 20 Cent“.

Schließlich zeigte der ADS-TEC-Manager als weiteres Beispiel noch einen Industriebetrieb, der Batteriespeicher doppelt nutzt: Lastspitzen kappen – denn die batteriegestützte Ladestation kann auch Strom zurück ins Hausnetz speisen – und gleichzeitig Schnellladen für E-Autos ermöglichen. Mit dynamischen Stromtarifen kommt sogar eine dritte Einsparquelle hinzu, denn der Strom kann zu kostengünstigen Zeitpunkten eingekauft und gespeichert werden und dann bei Bedarf wieder abgegeben werden, um hohe Bezugspreise zu vermeiden: „Somit habe ich drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen“, so König.

Zum Ende zog der Experte keinen Schlussstrich, sondern eröffnete eine Perspektive: Batteriespeicher und Flotte – das sei ein Paar, das man besser nicht mehr trennen sollte. Denn manchmal entscheide eben nicht das Auto über die Mobilität der Zukunft, sondern das, was daneben steht – die Ladestation.

Sie möchten sich den kompletten Vortrag anschauen? Dann nutzen Sie bitte den Videoplayer oberhalb des Beitrags oder wechseln direkt zu YouTube.

0 Kommentare

zu „„Batteriespeicher als Enabler für Flotten“ – Sascha Alexander König, ADS-TEC“

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert