16 GWh Kapazität: Verkor eröffnet Batteriezellfabrik in Dünkirchen
Die Produktionsstätte für die Zell- und Modulproduktion hat Verkor binnen zwei Jahren im Hafen von Dünkirchen (auf Französisch: Dunkerque ) hochgezogen. Sie trägt den Namen Gigafactory Bourbourg. Baubeginn war im November 2023, mit der Inbetriebnahme sollen vor Ort etwa 1.200 direkte und 3.000 indirekte Arbeitsplätze entstehen. Zur Eröffnung meldete sich dieser Tage Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zu Wort: „Die Einweihung dieser Gigafactory, der dritten in dieser Region, beweist, dass Reindustrialisierung, Innovation und Dekarbonisierung Hand in Hand gehen können. Wir schaffen Arbeitsplätze, stärken unsere Technologie- und Energieautonomie und gestalten die Zukunft der Mobilität in Frankreich und ganz Europa“, lobte er.
Hauptabnehmer der Verkor-Batteriezellen ist die Renault Group. Der Autobauer hatte 2021 eine strategische Partnerschaft mit Verkor geschlossen, die im April 2023 in eine Handelspartnerschaft, also einen verbindlichen Lieferauftrag, umgewandelt wurde. Gemeinsam wollen die Unternehmen Hochleistungsbatterien für E-Autos von Renault ab dem C-Segment aufwärts und für Alpine-Modelle entwickeln und fertigen. Die Forschung und Entwicklung von Verkor ist derweil in Grenoble angesiedelt. Dort befindet sich das Verkor Innovation Centre (VIC), das Ende Juni 2023 seinen Betrieb aufgenommen hat.
Die ersten in Dünkirchen vom Band laufenden Zellen sollen laut der aktuellen Mitteilung zur Werkseröffnung ab 2026 in der Alpine A390 zum Einsatz kommen. Grundsätzlich strebt Renault laut einer früheren Ankündigung an, ab 2026 zehn GWh von Verkor zu beziehen, ab 2030 dann 20 GWh. Allerdings stammen diese Zahlen von 2023. Zu einem neuen Stand äußern sich die Franzosen nicht. Bemerkenswert ist aber, dass Verkor sowohl beim Zeitplan zur Eröffnung als auch bei den angestrebten Output (16 kWh ab s2026, 50 kWh ab 2030) Wort hält. Während viele andere Unternehmen ihre Zielmengen dieses Jahr nach unten korrigiert haben, hält Verkor an seinen 2023 präsentierten Plänen fest.
„Innerhalb von zwei Jahren hat Verkor eine Hochleistungsbatteriezelle validiert, ihre Prozesse industrialisiert und ihre Innovationen vom Verkor Innovationszentrum in Grenoble in die Gigafactory Bourbourg transferiert. Diese Komplementarität bestätigt die technologische und organisatorische Reife von Verkor“, heißt es in der begleitenden Mitteilung. Das VIC entwickele und validiere Batterietechnologien, zukünftige Batterietechnologien und Produktplattformen, während die Gigafactory die großtechnische Industrialisierung vorantreibe.
Die Pilotlinie des VIC läuft den Verantwortlichen zufolge rund um die Uhr und habe „Zehntausende von Zellen produziert, wodurch Prozesssicherheit und die ersten Produktionsmengen für den Kunden gewährleistet werden“. Seit mehreren Monaten montiert die Gigafactory bereits Module aus VIC-Zellen. Mit der jetzt erfolgten, offiziellen Eröffnung produziert sie nun auch eigene Zellen.
Verkor-CEO Benoit Lemaignan, kommentiert: „Die Einweihung unserer Gigafactory fünf Jahre nach der Gründung von Verkor ist der Höhepunkt des außergewöhnlichen Engagements unserer Teams und der unermüdlichen Unterstützung unserer Partner.“ Das Projekt verkörpere die Energiewende in Europa und die Industrialisierung der dafür notwendigen Schlüsseltechnologien in Frankreich und Europa. „Es zeigt, dass Dekarbonisierung und Wertschöpfung in unseren Regionen Hand in Hand gehen können“, so Lemaignan. „Angetrieben von starken politischen Ambitionen symbolisiert dieser Meilenstein den Übergang von Verkor zu einem europäischen Industrieunternehmen und ebnet den Weg für die bevorstehende Auslieferung unserer Batterien.“
Finanziert wurde das Großvorhaben dank Investoren und Kreditgebern. Verkor gib an, seit 2020 gut 3 Milliarden Euro für den Aufbau der Gigafactory und des VIC gesichert zu haben. Allein zwei Milliarden Euro an Kapitalzufluss meldete Verkor im September 2023 (u.a. im Zuge seiner Serie-C-Finanzierungsrunde). „Dieser Erfolg wurde durch ein Finanzökosystem ermöglicht, das führende öffentliche und private Investoren vereint – ein echter Vorteil für die Förderung grüner Technologien“, so das Unternehmen. Zu den Unterstützern der Firma gehören u.a. Macquarie Asset Management, Meridiam, Renault, EQT Ventures, EIT InnoEnergy und Sibanye-Stillwater. Zählen kann Verkor zudem auf ein Konsortium internationaler Banken und auf die Unterstützung öffentlicher Institutionen, darunter die Europäische Investitionsbank, Bpifrance Assurance Export, die französische Regierung (via das Programm „Frankreich 2030“), die Region Hauts-de-France, die Stadtgemeinschaft von Dünkirchen, die Caisse des Dépôts et Consignations und die französische Agentur für den ökologischen Wandel (ADEME).
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