T&E befürchtet noch viele Plug-in-Hybride nach 2035
„Eine Emissionsreduzierung von 90 Prozent für Autos klingt nach einem vernünftigen Kompromiss. Bis man sich die Details ansieht“, schreibt der Deutschland-Geschäftsführer von T&E in einem LinkedIn-Post. „Dann wird klar, dass dies bedeuten könnte, dass fast jedes zweite Auto nach 2035 einen Verbrennungsmotor haben könnte.“
In Zahlen ausgedrückt: Eine Reduktion der CO2-Emissionen um 90 Prozent bedeutet, dass die Autohersteller 2035 ein Emissionsziel von 11 Gramm CO2 pro Kilometer haben. Bock hat zudem als Annahme festgelegt, dass Plug-in-Hybride bis dahin „offizielle Emissionen von 25 g/km haben werden“ – also wohl im WLTP ermittelt. Zudem ist Teil der Annahme, dass „der Nutzwertfaktor so abgeschwächt wird, wie es die Autoindustrie und die deutsche Regierung fordern“. Dabei handelt es sich um den Berechnungsfaktor, mit dem „saubere“ Fahrzeuge in der Berechnung der CO2-Flottenemissionen eines Herstellers stärker gewichtet werden.
Würden diese Annahmen zutreffen, könnten die Autobauer gemäß dem von Transport & Environment umrissenen Szenario „bis zu 46 Prozent PHEV verkaufen und trotzdem ihre Ziele erreichen“. Da Plug-in-Hybride in ihrer heutigen Nutzung in der Praxis deutlich höhere Verbräuche und CO2-Emissionen haben als angegeben (und diese Fahrzeuge quasi nur auf dem Papier sauber sind, fürchtet Bock „eine Katastrophe für das Klima“ – und auch die Hersteller. Da die in Aussicht gestellte Regelung „ die Industrie auf den falschen Weg bringe, da sie weiterhin in eine technologische Sackgasse investieren müsste“.
Bock verweist dabei auf die T&E-Analyse von mehr als 100.000 Plug-in-Hybriden mit Daten aus dem realen Fahrbetrieb. Die Auswertung zeigt, dass die Teilzeit-Stromer eben sehr wenig rein elektrisch unterwegs sind und auf der Straße fast fünf Mal so viel CO2 ausstoßen wie im WLTP – also jenen Laborwerten, die zur Berechnung der CO2-Flottenwerte der Hersteller herangezogen werden.
Voraussichtlich am Dienstag wird die EU-Kommission ihr neues „Auto-Paket“ vorlegen, mit dem eine Aufweichung des harten CO2-Ziels für 2035 erwartet wird. Dabei stehen wohl noch mehrere Optionen und Auflagen zur Debatte, von E-Fuels oder Biokraftstoffen über gewisse Quoten bis hin zum Einsatz von grünem Stahl in den Fahrzeugen, um sie für die Ausnahme zu qualifizieren. In der vergangenen Woche hatte EVP-Chef Manfred Weber jedoch angekündigt, dass man sich auf eine CO2-Reduktion um 90 Prozent für 2035 geeinigt habe und auch danach keine Reduktion um 100 Prozent komme. Ob das tatsächlich zutrifft und welche Auflagen vorgeschlagen werden, wird sich wohl am Dienstag zeigen.
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