T&E befürchtet noch viele Plug-in-Hybride nach 2035

Seit der vergangenen Woche steht als CO2-Ziel der EU-Kommission ab 2035 eine Reduktion um 90 Prozent im Raum. Welche Auswirkungen diese Zahl haben kann, hat jetzt Sebastian Bock von Transport & Environment vorgerechnet.

Audi q3 e hybrid phev
Bild: Audi

„Eine Emissionsreduzierung von 90 Prozent für Autos klingt nach einem vernünftigen Kompromiss. Bis man sich die Details ansieht“, schreibt der Deutschland-Geschäftsführer von T&E in einem LinkedIn-Post. „Dann wird klar, dass dies bedeuten könnte, dass fast jedes zweite Auto nach 2035 einen Verbrennungsmotor haben könnte.“

In Zahlen ausgedrückt: Eine Reduktion der CO2-Emissionen um 90 Prozent bedeutet, dass die Autohersteller 2035 ein Emissionsziel von 11 Gramm CO2 pro Kilometer haben. Bock hat zudem als Annahme festgelegt, dass Plug-in-Hybride bis dahin „offizielle Emissionen von 25 g/km haben werden“ – also wohl im WLTP ermittelt. Zudem ist Teil der Annahme, dass „der Nutzwertfaktor so abgeschwächt wird, wie es die Autoindustrie und die deutsche Regierung fordern“. Dabei handelt es sich um den Berechnungsfaktor, mit dem „saubere“ Fahrzeuge in der Berechnung der CO2-Flottenemissionen eines Herstellers stärker gewichtet werden.

Würden diese Annahmen zutreffen, könnten die Autobauer gemäß dem von Transport & Environment umrissenen Szenario „bis zu 46 Prozent PHEV verkaufen und trotzdem ihre Ziele erreichen“. Da Plug-in-Hybride in ihrer heutigen Nutzung in der Praxis deutlich höhere Verbräuche und CO2-Emissionen haben als angegeben (und diese Fahrzeuge quasi nur auf dem Papier sauber sind, fürchtet Bock „eine Katastrophe für das Klima“ – und auch die Hersteller. Da die in Aussicht gestellte Regelung „ die Industrie auf den falschen Weg bringe, da sie weiterhin in eine technologische Sackgasse investieren müsste“.

Bock verweist dabei auf die T&E-Analyse von mehr als 100.000 Plug-in-Hybriden mit Daten aus dem realen Fahrbetrieb. Die Auswertung zeigt, dass die Teilzeit-Stromer eben sehr wenig rein elektrisch unterwegs sind und auf der Straße fast fünf Mal so viel CO2 ausstoßen wie im WLTP – also jenen Laborwerten, die zur Berechnung der CO2-Flottenwerte der Hersteller herangezogen werden.

Voraussichtlich am Dienstag wird die EU-Kommission ihr neues „Auto-Paket“ vorlegen, mit dem eine Aufweichung des harten CO2-Ziels für 2035 erwartet wird. Dabei stehen wohl noch mehrere Optionen und Auflagen zur Debatte, von E-Fuels oder Biokraftstoffen über gewisse Quoten bis hin zum Einsatz von grünem Stahl in den Fahrzeugen, um sie für die Ausnahme zu qualifizieren. In der vergangenen Woche hatte EVP-Chef Manfred Weber jedoch angekündigt, dass man sich auf eine CO2-Reduktion um 90 Prozent für 2035 geeinigt habe und auch danach keine Reduktion um 100 Prozent komme. Ob das tatsächlich zutrifft und welche Auflagen vorgeschlagen werden, wird sich wohl am Dienstag zeigen.

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8 Kommentare

zu „T&E befürchtet noch viele Plug-in-Hybride nach 2035“
Saskia
15.12.2025 um 10:17
Weil es so schön zum Thema passt: Neulich beim Service meines BEV im Autohaus: Ich: Oh, ein Plug-In-Hybrid als Ersatzfahrzeug. Dann kann ich ja elektrisch fahren heute. Service: Nein, das geht nicht. Ich: Warum nicht? Service: Weil die Batterien immer leer sind. Aber Sie haben ja den vollen Benzintank. Bitte vergessen Sie nicht, zu tanken, bevor Sie den Wagen zurück bringen. Willkommen in der Realität!
EdgarW
15.12.2025 um 13:42
Autsch. Und Du darfst auch noch den teuren Sprit bezahlen, statt günstigerem Strom aus der eigeneen Wallbox oder gar (wie bei mir heute - trotz Dezember und laufender Wärmepumpe) vom Dach.
Jens Schuran
15.12.2025 um 11:51
PHEVs werden den Herstellern auch noch ordentlich um die Ohren fliegen. https://evclinic.eu/2025/09/27/if-you-drive-a-hybrid-may-god-help-you/
Robert K.
15.12.2025 um 13:30
Von mir aus, sollen sie Verbrenner weiter kaufen und bauen. Ich meine PHEV... aber dann muss der, schon mal diskutierte, Vorschlag umgesetzt werden, demnach die PHEV-Fahrer mindestens so viel elektrisch fahren müssen. Wie das umgesetzt wird: noch offen... Aber der Vorschlag meinte durch Leistungsreduzierung. Sollte die Kiste zu lange auf Benzin-only laufen (ohne Batterie halbvoll), dann gehen halt weniger kW auf die Straße. Sollte einigen Anreiz bringen und der Umwelt auch was dienen.
A.B.
16.12.2025 um 07:15
Wenn ich schon lese "fürchtet Bock „eine Katastrophe für das Klima“ . Was soll das? In China und USA bleibt alles erlaubt und dennoch werden wir 2035 überwiegend eAutos sehen, da günstig im Unterhalt. Die Plug-Ins von 2035 werden alle 200km elektrisch fahren können. Ich sehe überhaupt keine Katastrophe! Eher eine Katastrophe für das ideologische Extrem.
erFahrer
16.12.2025 um 09:27
Diese Ideologie „Freiheit auf Kosten der Anderen“ würde fortgesetzt bedeuten dass man für Schusswaffen im EU-Supermarkt und vollständige Überwachung ebenfalls ist. Kein schlechtes Verhalten von Anderen rechtfertigt das Eigene. Doch wenn 200 km drin sind wird es nur noch wenig Leute geben die sich für ein Mehrfaches an Kundendienstkosten und Reparaturen so etwas 2035 kaufen, wo Sprit für die paar Wenigen super teuer und Tankstellen täglich weniger werden. Städte werden ein verbrennen untersagen. Doch andererseits finanzieren die hohen Steuern vom. Verbrennerumfeld viele andere Dinge der Gesellschaft wie Wärmepumpen und weitere zeitgemäße Sachen.
Manfred Stummer
16.12.2025 um 07:54
Höchste Zeit dass Weber seine politischen Funktionen abgibt!
Torsten
16.12.2025 um 14:18
Plug In Hybride waren ursprünglich als"Brückentechnologie" gedacht. Eine offensichtlich sehr lange Brücke ...

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