Ionity testet dynamische Preise für E-Lkw

In einem Pilotprojekt erprobt das Schnelllade-Joint-Venture Ionity flexible Preise je nach Tageszeit. In der Testphase kann aber nur eine kleine Kundengruppe das Angebot nutzen – ausgewählte Spediteure können ihre E-Lkw nachts zu vergünstigten Konditionen an Ionity-Standorten aufladen.

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Bild: Peter Schwierz

Schon im Mai hatte Ionity-CEO Jeroen van Tilburg im electrive-Interview dynamische Ladepreise als Ziel für die Zukunft ausgegeben. „Ich stelle mir eine Zukunft vor, in der wir dynamische Preise in Echtzeit anbieten können, abhängig von niedrigen Energiekosten, wenn der Wind weht oder die Sonne scheint“, so der Niederländer – schränkte aber umgehend ein, dass hohe Investitionen in die Backends nötig seien, um so etwas umzusetzen. Wie sich jetzt andeutet, testet Ionity erstmals unterschiedliche Ladepreise, jedoch in einem ganz anderen Umfeld.

Über das Pilotprojekt hat zuerst der „Elektrotrucker“ Tobias Wagner auf seinem Youtube-Kanal berichtet – als persönlich Betroffener. Sein Arbeitgeber, die Spedition Nanno Janssen, ist offenbar einer der Ionity-Partner in dem Pilotprojekt. Wagner hat seinen eActros 600 von Daimler Truck in dem Video an einem Ionity-Standort über Nacht geladen und in Grundzügen über das Projekt berichtet.

Auf Anfrage von electrive hat Ionity das bisher nicht kommunizierte Pilotprojekt bestätigt und einige weitere Details genannt. Demnach ist der Pilot Anfang Dezember gestartet und läuft noch bis Ende März 2026. „Wir führen den Piloten mit einer kleinen Kundengruppe durch, um im ersten Schritt besser zu verstehen, welche Wirkung das Angebot in der Praxis hat und welchen Nutzen es Flottenbetreibern tatsächlich bietet“, erklärt eine Ionity-Sprecherin.

Günstiges Laden zwischen 22 und 5:59 Uhr

Doch worum geht es genau? Die teilnehmenden Unternehmen können ihre Fahrzeuge zwischen 22:00 Uhr und 5:59 Uhr zu vergünstigten Bedingungen bei Ionity laden. Das nächtliche Laden der E-Lkw könnte für beide Seiten Vorteile haben, die nun eben in der Praxis getestet werden sollen: Nachts stehen die Fahrzeuge ohnehin häufiger still und können während der Ruhezeiten auch ohne superschnelle MCS-Ladepunkte komplett geladen werden – auch außerhalb der eigenen Depots. Zudem können natürlich die Lade- und damit die Betriebskosten sinken, wenn die Ladevorgänge außerhalb der Hauptzeiten stattfinden – und es kann auch potenzielle Wartezeiten an stark frequentierten Standorten senken. Ionity kann die nächtliche Auslastung seiner Standorte verbessern und pro E-Lkw mehrere Hundert Kilowattstunden Strom verkaufen, wenn die eigentliche Hauptzielgruppe der E-Autos nachts deutlich weniger unterwegs ist.

„Mit dem Pilotprojekt wollen wir herausfinden, ob vergünstigte Nachtkonditionen für Flotten in der Praxis einen echten operativen Vorteil bieten. Viele Flottenbetreiber gehen bislang davon aus, dass sich nächtliche Ladevorgänge organisatorisch nur schwer integrieren lassen“, so die Ionity-Sprecherin weiter. „Der Pilot soll zeigen, ob wirtschaftliche Anreize hier tatsächlich neue Spielräume eröffnen. Sollten die Ergebnisse bestätigen, dass flexible Preis- und Zeitmodelle für Flotten einen messbaren Nutzen bringen, wäre ein Übergang in den Regelbetrieb grundsätzlich denkbar.“

Den entscheidenden Punkt, wie günstig der Ladestrom für die Spediteure nachts angeboten wird, will Ionity aber nicht bestätigen: „Die konkreten Konditionen kommunizieren wir nicht im Detail“, erklärt das Unternehmen. Auch der „Elektrotrucker“ nennt in seinem Video keine Kilowattstunden-Preise. Sie sind aber wohl so niedrig, dass sich für ihn sogar ein kleiner Umweg gelohnt hat, um eben bei Ionity über Nacht günstig laden zu können – und nicht entlang der kürzesten Route bei einem anderen Anbieter zu den regulären Konditionen. Zum Vergleich: Ad-hoc kostet die Kilowattstunde bei Ionity 0,75 Euro, mit dem „Ionity Power“-Abo (11,99 €/Monat oder 119,99 €/Jahr) lassen sich die Ladekosten auf 0,39 €/kWh senken.

Die Herausforderung, wie die meist auf Elektroautos optimierten Ionity-Standorte auch von den größeren Elektro-Lastwagen genutzt werden können und dennoch Ladeplätze für nachts fahrende E-Autos frei bleiben, ist auch Bestandteil dessen, was die Partner in dem Pilotprojekt lernen wollen. Je nach Standort kann es mit einem schweren E-Lkw schon einmal eng werden – selbst ohne Sattelauflieger. „Um Truck-Fahrer:innen dennoch verlässliche Orientierung zu bieten, stehen wir im regelmäßigen Austausch mit Truck-OEMs, Truck-MSPs und Partnern wie Elektrotrucker. Sie kommunizieren ihren Kund:innen gezielt die Standorte, die auch wirklich anfahrbar sind“, so die Ionity-Sprecherin. „Gleichzeitig achten wir darauf, dass die Infrastruktur für alle Nutzergruppen gut funktioniert und wir klären auf, wie die Standorte optimal genutzt werden können – damit sowohl Lkw-Fahrer:innen als auch Pkw-Fahrer:innen einen guten Zugang haben und der Betrieb reibungslos bleibt.“

Quelle: Info per E-Mail (Ionity-Statements), youtube.com (Elektrotrucker)

5 Kommentare

zu „Ionity testet dynamische Preise für E-Lkw“
Why Not?
17.12.2025 um 16:45
Dynamische Strompreise der Börse können so direkter weiter gegeben werden, andere Anbieter werden sicherlich auch auf dieses Modell umschwenken. Tesla macht es ja bereits einige Zeit und hat sogar eine Überlastungsgebühr eingeführt wenn man an stark frequentierten Standorten mehr als bis zu 80% Akkustand lädt.
CPO
18.12.2025 um 09:53
Es ist doch eher ein Auslastungsthema der Säulen in der Nacht, wenn kaum PKW fahren. Jeder Umsatz und wenn er nur knapp über den Kosten liegt, bringt etwas für den Anbieter. Das sehe ich jetzt nicht im Zusammenhang mit dynamischen Preisen, sondern eher als Ansatz die Säulen Nachts sinnvoll auszulasten. Das wird aber noch ein spannendes Thema, wenn mehr E-LKW unterwegs sein werden und die Alle Nachts laden wollen.
erFahrer
20.12.2025 um 08:34
Schön dass der erste Große eingeschränkte Erfahrungen sammelt um die Schmerzgrenze auszuloten. Kleine sind da schon weiter, sie bieten für alle einen Preismix aus Erneuerbare und Börsenpreis an. Oder bieten Preis nach Sonnen- oder Wasserstand - weit sichtbar an- Manche EE-Erzeuger bieten sogar 24/7 günstige Preise, da Biogas durchgängig verfügbar ist. Der Königsweg ist eben direkt von der Quelle zu laden. Solar und Windparks sind überall im Multi-MW-Level samt Netzanschluss vorhanden und liefern schon jetzt zu Minipreisen. Akkus sind dort ebenfalls nützlich und ein „paar Stecker“ werden die Betreiber ja wohl noch realisieren können? So wie jetzt bei IONITY ist es zwar eine Entlastung für das Netz doch gerade in der Nacht laufen die unflexiblen Kohlemeiler und spült Geld genau in die Kassen die von Reiche vertreten werden um noch reicher zu werden. Mit Klimaschutz hat das nur „zufällig“ was zu tun. Gut das der Elektrotrucker auch die CO2 Anteile bei jedem Ladevorgang zeigt.
Andreas Pei
26.12.2025 um 18:56
Da ich mit dem Wohnwagen auch nachts oft fahre würde ich auch gerne Dynamische Preise nutzen . Gleiches Recht für alle
Hansi
27.12.2025 um 15:11
Nimmt ihr Wohnwagen 600kWh ab?

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